" Und als Gott aus dem sechsten Himmel auf uns herabblickte, nahm ein König den Abraham, der früher Abram genannt wurde, eine seiner Frauen weg, womit er sich gegen das Glück der Familie versündigte." So endet das Frage- und Antwortspiel, in dem der jüdische Großvater seinem Enkel, dem Ich-Erzähler in Peter Nadas`Erzählung "Ende eines Familienromans " , erklärt, warum sich Gott in den siebten und letzten seiner Himmel zuurückgezogen habe, weit von der Welt der Menschen entfernt. Das Kind versteht. Seine Welt ist keine heile Welt, in der es sich gut leben lässt. Allenfalls im Spiel mit den Nachbarskindern entsteht ein Leben, das es sich erträumt. Zwischen Flieder- und Haselnusssträuchern, unter einem Holunderstrauch (!) gibt es im Spiel eine Mutter, die in der Küche mit dem Geschirr klappert, einen Vater, der Geschichten erzählt,und ein Kind, das zu Bett gebracht wird. Vollständige Familen gibt es in der realen Welt der Kinder nicht. Der Vater der Freunde ist schon im Ausland und eines Tages fehlt die ganze Familie. Ein anderes Kind vermerkt, dass es selbst ja wenigstens nicht mit diesen Kindern befreundet gewesen sei. Bedrohlich ist auch das Leben des Vaters, der ab und zu in Uniform auftaucht und wieder verschwindet. Ein Streit zwischen Vater und Großvater lässt die Spannungen deutlich werden. Der Großvater bittet für einen verhafteten Freund, der Vater aber wehrt ab, er sei selbst das Wild und nicht der Jäger. Das hehre Pathos des Großvater kotze ihn an.
Ein Fisch, von der Großmutter gekauft und am Ende vom Großvater zerlegt, wandert durch das Buch wie die Fische auf den Bildern Chagalls. Der Tod des Fisches und der Tod der Großeltern bilden eine Einheit.
Dem Vater wird wegen Staatsverrat der Prozess gemacht und das Kind wird in ein Internat gebracht, wo es umerzogen werden soll. Es hat keine Zukunft, denn das Buch endet mit einem vermutlich tödlichen Sturz.
Peter Nadas verleiht seinen Figuren Leben, indem er sie Geschichten erzählen lässt. Das ist sehr reizvoll, auch wenn die Erzählungen manchmal überdehnt werden. Er wechselt ständig die Zeitebenen, so dass ein konzentriertes Lesen nötig ist.