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Rasch wird deutlich, dass sich Laura Lippman überaus wohltuend aus der Masse hoch gelobter Ladies of Crime in dieser oder jener Tradition heraushebt. Ihre Heldin ist weder mit einem Übermaß an Selbstbewusstsein geschlagen wie viele ihrer Kolleginnen, noch hat sie den Erfolg gepachtet. Monaghans erster Fall für deutsche Leser wird nicht nur eingefleischte Fans E. A. Poes begeistern, obwohl sich vieles um den großen Autor aus Baltimore dreht. Man darf auf weitere spannende und, übrigens keine Selbstverständlichkeit, mit Ironie und Humor gewürzte Fälle aus Lippmans Feder gespannt sein, die in Amerika als eine der interessantesten neuen Autorinnen des Genres gilt. --Ulrich Deurer
Kurz vor dem magischen Datum erscheint der Antiquitätenhändler J. P. Kennedy bei Privatdetektivin Tess Monaghan. Er behauptet, bei einem Geschäft mit einem wertvollen Armband habe ihn jemand übers Ohr gehauen. Kennedy vermutet, dass es sich bei diesem Betrüger um den „Poe-Toaster" handelt, dessen Identität niemals gelüftet wurde. Deshalb soll Tess den Mann ausfindig machen, was sie als gute Bürgerin Baltimores vehement ablehnt. Niemand hat sich bisher auch nur in die Nähe des „Poe-Toaster" gewagt. Sein Geheimnis - so das ungeschriebene Gesetz - muss auf alle Fälle gewahrt bleiben.
Obwohl Tess den Fall ablehnt ist sie neugierig geworden. Zusammen mit ihrem Freund Crow will sie sich das mysteriöse Ritual aus der Ferne anschauen. In der bitterkalten Nacht des 19. Januar pilgeren beide zum Friedhof und werden, zusammen mit vielen anderen Schaulustigen, Zeugen eines Mordes: Überraschenderweise erscheinen zwei verhüllte Gestalten am Grab des Dichters. Als sie sich nach kurzer Zeit voneinander trennen, wird einer von ihnen erschossen...
Literarische Anspielungen, Wortwitz und liebevolle Beschreibungen des winterlichen Baltimores - Laura Lippman schmückt ihre Geschichte farbenfroh und lebendig aus. Ihre Heldin Tess ist eine scharfsinnige Detektivin, weit davon entfernt eine prügelnde Powerfrau zu sein. Statt Waffen setzt sie ihren Verstand und ihr freches Mundwerk ein - ohne allerdings auf ihre körperliche Schlagkraft zu verzichten, wenn es denn sein muss.
Zudem spart die gelernte Journalistin Lippman nicht mit kritischen Seitenhieben auf Presse und Medien oder beschreibt ironisch die Auswüchse des Personenkults um Edgar Allen Poe. Überhaupt Poe: Mit respektvoller Distanz behandelt Lippman den „Vater" der Detektivgeschichte. Gelungen zeigt sie die Facetten des Dichters auf, der hierzulande oft „nur" als Erfinder von Horror- und Detektivgeschichten gesehen wird, der aber - und das macht Lippman sehr deutlich - auch ein wunderbarer Lyriker war.
Bleibt zu hoffen, dass auch die restlichen Tess-Monaghan-Fälle so gut sind, wie "In einer seltsamen Stadt": Kluge Krimiunterhaltung mit Charme und Witz.
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