Pressestimmen
Super spannend!
›Tod einer Strohpuppe‹ von Patrick Lennon ist ein ausgezeichneter Thriller mit einer ungewöhnlichen Story.
Intelligenter, atmosphärisch dichter Krimi aus England.
Geschickt belebt Autor Patrick Lennon das Lokalkolorit der englischen Grafschaft Cambridgeshire mit glaubwürdigen Charakteren.
Spannend, geheimnisvoll und düster. Achtung: Suchtpotenzial!
Kurzbeschreibung
Über den Autor
Patrick Lennon wuchs in Cambridge auf und hat in Thailand, Frankreich, Italien und Mexiko gelebt. Heute wohnt er als Unternehmer mit seiner Familie wieder in England.
www.patrick-lennon.com
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Tom Fletcher lockerte seine Krawatte. Sein Hals war feucht, was nur zum Teil der sommerlichen Hitze zuzuschreiben war. Der Fotograf machte eine weitere Aufnahme, mit Blitzlicht, trotz des Sonnenscheins, der durch die Glasfenster im Dach strömte. Er trat zurück und wandte sich Fletcher zu. "Ist das Ihre schlimmste Leiche bisher?" Fletcher nickte. In seinen acht Jahren bei der Polizei von Cambridge hatte er noch keine grässlicheren Verstümmelungen gesehen. Er verscheuchte eine Fliege von seinem Gesicht. Er stand in einem großen, hangarähnlichen Gebäude, das als Ausstellungsraum für landwirtschaftliche Maschinen diente. Vor ihm befand sich ein gelbes Absperrband der Spurensicherung, dahinter waren in einem Halbkreis Traktoren aufgestellt. Mit ihren Scheinwerfern, die wie Augenpaare wirkten, sahen sie fast so aus, als würden sie etwas in ihrer Mitte beobachten. Im Zentrum des Halbkreises stand ein anderes Gerät. Es war ein Holzschredder zum Zerhacken dicker Äste - eigentlich nur eine Anzahl beweglicher Messer unter einem Trichter, der groß genug für einen Menschen war. Und tatsächlich steckte ein Mensch in dem Ding. Oben ragte ein Paar Beine heraus, die Füße unnatürlich verdreht. Fletcher fiel etwas auf. Die Schuhe. Er betrachtete sie genauer. Es waren die Beine eines jungen Mannes namens Jake Skerrit, eines zweiundzwanzigjährigen Hochschulabsolventen. Jake hatte als Management-Trainee für Breakman Machinery gearbeitet, eine Firma, die in den Fens, der Marschlandschaft im Norden Cambridges, mit landwirtschaftlichen Geräten handelte. Alle Mitarbeiter hatten übereinstimmend ausgesagt, dass Jake häufig Überstunden gemacht und oft am Sonntagabend im Bürogebäude über seinen Unterlagen gesessen habe. Außerdem habe er gern mit gefährlichen Maschinen herumgespielt. Heute war Montag. Jakes Leiche war von dem Wachmann gefunden worden, der das Gebäude jeden Morgen aufschloss. Die Leiche war nicht vollkommen geschreddert, weil sich ein Sicherheitsschalter umgelegt hatte, als die Messer die Schultern erreichten. Daher war das Gesicht, das gegen die stählerne Einlassöffnung gequetscht war, noch teilweise erhalten - doch die Messer hatten die Arme zerhackt und einen Teil der Schädelpartie abgetrennt. Unter dem Trichter, dort, wo das Gerät normalerweise das geschredderte Holz ausspie, war der Boden mit menschlichen Überresten bedeckt: Haare, Knochensplitter, zwei vollständig erhaltene Finger, eine Ärmelmanschette und etwas, das wie ein Ohrläppchen aussah. Unter dem Schredder hatte sich eine Blutlache gesammelt, die inzwischen fast eingetrocknet war und die Konsistenz von Straßenteer hatte. Es wimmelte von Fliegen. Fletcher starrte wie gebannt auf Jakes Schuhe. Er nahm an, dass die Leute von Health and Safety, der staatlichen Behörde für Arbeitsschutz, ein Verfahren wegen der Verletzung von Sicherheitsvorschriften anstrengen würden, weil die Breakman-Mitarbeiter die Fahrzeuge und Maschinen immer mit angesteckten Zündschlüsseln stehen ließen. Doch es sah so aus, als handelte es sich wirklich um ein Unglück - einen jener rund sechzig tödlichen Unfälle mit landwirtschaftlichen Maschinen, die jährlich in Großbritannien verzeichnet wurden. Der Polizeiarzt war nur der Form halber hinzugezogen worden und auch die von ihm veranlasste Autopsie war reine Routine. Fletcher hatte mit seinen anderen Fällen schon mehr als genug zu tun, und vielleicht hätte er das hier am besten auf sich beruhen lassen, vielleicht hätte auch seine Anwesenheit eine reine Formsache bleiben sollen - doch die Schuhe ließen ihm keine Ruhe. Er sah zu, wie die Kollegen von der Spurensicherung in ihren weißen Papieranzügen das Absperrband aufrollten und der Fotograf seine Ausrüstung zusammenpackte. Zwei verdrießlich wirkende Typen betraten die Halle. Hinter vorgehaltener Hand wurden sie von den Polizisten die Knochenmänner genannt.
Textauszug
Tom Fletcher lockerte seine Krawatte. Sein Hals war feucht, was nur zum Teil der sommerlichen Hitze zuzuschreiben war. Der Fotograf machte eine weitere Aufnahme, mit Blitzlicht, trotz des Sonnenscheins, der durch die Glasfenster im Dach strömte. Er trat zurück und wandte sich Fletcher zu. »Ist das Ihre schlimmste Leiche bisher?« Fletcher nickte. In seinen acht Jahren bei der Polizei von Cambridge hatte er noch keine grässlicheren Verstümmelungen gesehen. Er verscheuchte eine Fliege von seinem Gesicht. Er stand in einem großen, hangarähnlichen Gebäude, das als Ausstellungsraum für landwirtschaftliche Maschinen diente. Vor ihm befand sich ein gelbes Absperrband der Spurensicherung, dahinter waren in einem Halbkreis Traktoren aufgestellt. Mit ihren Scheinwerfern, die wie Augenpaare wirkten, sahen sie fast so aus, als würden sie etwas in ihrer Mitte beobachten. Im Zentrum des Halbkreises stand ein anderes Gerät. Es war ein Holzschredder zum Zerhacken dicker Äste eigentlich nur eine Anzahl beweglicher Messer unter einem Trichter, der groß genug für einen Menschen war. Und tatsächlich steckte ein Mensch in dem Ding. Oben ragte ein Paar Beine heraus, die Füße unnatürlich verdreht. Fletcher fiel etwas auf. Die Schuhe. Er betrachtete sie genauer. Es waren die Beine eines jungen Mannes namens Jake Skerrit, eines zweiundzwanzigjährigen Hochschulabsolventen. Jake hatte als Management-Trainee für Breakman Machinery gearbeitet, eine Firma, die in den Fens, der Marschlandschaft im Norden Cambridges, mit landwirtschaftlichen Geräten handelte. Alle Mitarbeiter hatten übereinstimmend ausgesagt, dass Jake häufig Überstunden gemacht und oft am Sonntagabend im Bürogebäude über seinen Unterlagen gesessen habe. Außerdem habe er gern mit gefährlichen Maschinen herumgespielt. Heute war Montag. Jakes Leiche war von dem Wachmann gefunden worden, der das Gebäude jeden Morgen aufschloss. Die Leiche war nicht vollkommen geschreddert, weil sich ein Sicherheitsschalter umgelegt hatte, als die Messer die Schultern erreichten. Daher war das Gesicht, das gegen die stählerne Einlassöffnung gequetscht war, noch teilweise erhalten doch die Messer hatten die Arme zerhackt und einen Teil der Schädelpartie abgetrennt. Unter dem Trichter, dort, wo das Gerät normalerweise das geschredderte Holz ausspie, war der Boden mit menschlichen Überresten bedeckt: Haare, Knochensplitter, zwei vollständig erhaltene Finger, eine Ärmelmanschette und etwas, das wie ein Ohrläppchen aussah. Unter dem Schredder hatte sich eine Blutlache gesammelt, die inzwischen fast eingetrocknet war und die Konsistenz von Straßenteer hatte. Es wimmelte von Fliegen. Fletcher starrte wie gebannt auf Jakes Schuhe. Er nahm an, dass die Leute von Health and Safety, der staatlichen Behörde für Arbeitsschutz, ein Verfahren wegen der Verletzung von Sicherheitsvorschriften anstrengen würden, weil die Breakman-Mitarbeiter die Fahrzeuge und Maschinen immer mit angesteckten Zündschlüsseln stehen ließen. Doch es sah so aus, als handelte es sich wirklich um ein Unglück einen jener rund sechzig tödlichen Unfälle mit landwirtschaftlichen Maschinen, die jährlich in Großbritannien verzeichnet wurden. Der Polizeiarzt war nur der Form halber hinzugezogen worden und auch die von ihm veranlasste Autopsie war reine Routine. Fletcher hatte mit seinen anderen Fällen schon mehr als genug zu tun, und vielleicht hätte er das hier am besten auf sich beruhen lassen, vielleicht hätte auch seine Anwesenheit eine reine Formsache bleiben sollen doch die Schuhe ließen ihm keine Ruhe. Er sah zu, wie die Kollegen von der Spurensicherung in ihren weißen Papieranzügen das Absperrband aufrollten und der Fotograf seine Ausrüstung zusammenpackte. Zwei verdrießlich wirkende Typen betraten die Halle. Hinter vorgehaltener Hand wurden sie von den Polizisten die Knochenmänner genannt. Sie waren Spezialleute eines Bestattungsunternehmens aus Cambridge. Der eine trug einen Leichensack und der andere hatte eine Schaufel in der Hand. Fletcher wandte sich ab, doch die Schuhe ließen ihn nicht los. Er warf einen Blick auf die oben an der Decke angebrachte Überwachungskamera, die genau auf den Schauplatz des Unfalls ausgerichtet war. Ein Lämpchen daran blinkte rot. Breakman Machinery hatte für diesen Tag geschlossen, die schockierten Angestellten waren von der Polizei befragt und anschließend nach Hause geschickt worden. Der einzige Mitarbeiter, der noch auf dem Gelände war, erwartete Fletcher im Wachraum, einem der einfachen Büros im vorderen Teil der Halle. Fletcher betrachtete ihn einen Moment lang durch die verglaste Tür. Es war ein übergewichtiger, rotwangiger Sechzigjähriger in einem karierten Sportsakko. Er saß vorgebeugt da, eine Zigarette in der einen Hand, während er sich mit der anderen die kahle Stirn massierte. Dabei sprach er kopfschüttelnd mit sich selbst. Fletcher öffnete die Tür einen Spalt weit, ohne dass der Mann es bemerkte. »Zu nah gekommen . . . verdammt . . . verdammt . . .«, hörte er ihn immer wieder murmeln. Der Raum war klein, mit Wänden aus weiß gestrichenen Hohlblockbausteinen. Darin standen drei stapelbare Stühle, ein einfacher Schreibtisch und ein Stahlschrank. Als Fletcher die Tür ganz aufmachte, schlug ihm ein Whiskydunst entgegen, vor dem er zurückzuckte. Der Geruch von Alkohol bereitete ihm körperliches Unbehagen, eine seiner Eigenheiten. Er setzte sich in vorsichtiger Entfernung auf einen der Stühle und sagte: »Ich bin Detective Inspector Tom Fletcher von der Polizei Cambridge. Wenn ich recht unterrichtet bin, haben Sie die Leiche gefunden.« »Jawohl ich bin Ron Teversham, der Wachmann. Eher eine Art Hausmeister, genau genommen. Ich schließe abends zu und morgens wieder auf.« Zweierlei war ungewöhnlich an diesem Wachmann. Erstens versuchte er, seine Bedeutung herunterzuspielen. Und zweitens hatte er geweint. »Sie sind ziemlich aus der Fassung, Ron.« »Das ist der Schock. Ihn so zu finden, so schrecklich zugerichtet.« »Wie gut haben Sie ihn gekannt?« »Wie man sich eben kennt bei der Arbeit.« »Warum hat er das Ihrer Meinung nach getan? Warum hat er ein so gefährliches Gerät in Gang gesetzt?« Ron versuchte zu lachen. »Jake konnte nie die Finger von den Maschinen lassen. Das war sein Problem. Er hat immer damit herumgespielt.« »Gerade eben sagten Sie, er sei zu nah dran gewesen.« Ron fuhr hoch, und seine rotgeweinten Augen füllten sich einen Moment lang wieder mit Tränen. »Den Messern ist er zu nahe gekommen. Er war zu dicht am Schredder, und der hat ihn reingezogen.« »Erzählen Sie mir mehr über ihn.War er wohlhabend?« »Wohlhabend? Das soll wohl ein Scherz sein. Er hatte Schulden und so, überzogene Kredite.« Teversham stockte plötzlich. »Warum fragen Sie das? Es war ein Unfall, verdammt noch mal. Jeder weiß, dass er ständig mit den Maschinen zugange war.« »Was für Schuhe trug er normalerweise?« »Schuhe? Einfach alte Turnschuhe, was anderes konnte er sich nicht leisten.« Ron ließ den Blick zur Halle hinüberwandern, von wo man ein lautes Kratzen hörte. Die Schaufeln der Knochenmänner. »Es war doch ein Unfall, oder?« »Alles deutet darauf hin. Aber das lässt sich leicht klären.« »Wie denn?« »Wir schauen uns die Aufzeichnung der Überwachungskamera an.« Teversham versuchte erneut zu lachen. Er drehte sich um und schloss den Stahlschrank auf. Darin stand ein zehn Jahre alter Videorecorder, der mit einem noch älteren Fernseher verbunden war. Das Kassettenfach war leer, und Teversham schob seine nikotinverfärbten Finger hinein und sagte: »Es steckt nicht immer eine Kassette drin. Manchmal ja, manchmal nein.« »Und gestern Nacht?« »Nein. Ich habe Freitag keine eingelegt. Hören Sie, wenn ich entlassen werde, bin ich am Arsch.« Fletcher sah ihn aufmerksam an und fragte sich, ob er wirklich so eine Niete war. Dann sagte er: »Ron, warum ist der Geschäftsführer eigentlich nicht hier? Schließlich ist hier jemand ums Leben gekommen.« »Breakman? Der ist auf Vergnügungsreise. Die Firma Caterpillar hat alle Händler nach Jersey eingeladen, um ihnen einen neuen Traktor vorzuführen. Das Hotel und alles wird bezahlt, und Breakman hat sogar seine Frau mitgenommen. Ist das zu glauben? Die haben Geld wie Heu, und dann wirft man ihnen auch noch Gratiswochenenden hinterher.« Das brachte Ron nun endlich wirklich zum Lachen, und er wieherte so laut heraus, dass er das Scharrgeräusch der Schaufeln übertönte. Er warf seine Kippe auf den Zementboden und holte sich sofort die nächste Zigarette aus der Packung. »Rauchen Sie?« Er hielt Fletcher das Päckchen hin. »Nein? Sie halten sich in Form und treiben Sport, was? Sieht man. Ich schätze, heutzutage stehen die Mädels auf so was.« Mit zitternden Händen zündete er seinen Glimmstängel an. »Ich habe Breakman schon angerufen. Sie konnten vor morgen Vormittag keinen Rückflug bekommen.« »Wie heißen die beiden?« »Er heißt Crispin Breakman. Ihr Name ist Olga. Sie haben vor vier Monaten geheiratet, ist das nicht reizend?« Ron stockte erneut und ließ den Blick wieder in die Halle wandern. »Kann ich jetzt gehen, bitte? Es war einfach ein Unfall.« Fletcher sah ihn noch eine Weile nachdenklich an.