Gedacht war dieses Hörspiel von Martin Schütz und Markus Wolff laut Klappentext als Hommage an Kurt Vonnegut, den man zu seinem 85. Geburtstag ehren wollte. Leider verstarb der »gutgelaunte Zivilisationskritiker« Vonnegut dann im April 2007 - und so wurde aus der Huldigung ein Nachruf.
Entstanden ist eine Collage aus neueren Texten des amerikanischen Schriftstellers, vermischt mit Musikzitaten, Klangsplittern und Rap-Einlagen, die in dreizehn Tracks (die zusammen 45 Minuten lang sind) die umwerfend sarkastische, intelligente und sinnliche Gedankenwelt Vonneguts vorführt. Als Sprecher legen sich Robert Hunger-Bühler, Julia Schmidt und Markus Wolff ordentlich ins Zeug, der Soundteppich von Martin Schütz passt erstaunlich gut zur Musikalität von Vonneguts Sprache, vor allem wenn man (wie die Produzenten) auch an dessen Gedichte denkt. Die bekanntermaßen hervorragende Übersetzung von Harry Rowohlt, dem so schöne Titel wie »Das sind hier ja nicht die Fernsehnachrichten« oder »Soll die Spannung doch sehen, wo sie bleibt« gelingen, dient als Textgrundlage, teilweise werden die Gedichte (z. B. »Our Lady of perpetual astounishment«) jedoch auch im amerikanischen Original belassen.
Mein persönlicher Favorit ist der zentrale (und mit 12 Minuten auch längste) Track 7, »Andy Middleton and his pipe-city-dreamers«, in dem Julia Schmidt und Robert Hunger-Bühler eine Love-Story im Stil der »Schwarzen Serie« aufführen: Coole Sprache, knappe Sätze, lakonische Liebeserklärungen - ein ganzer Film in weniger als einer Viertelstunde. Das macht Vonnegut so leicht keiner nach! Aber auch die anderen Geschichten, philosophischen Überlegungen und poetischen Einsprengsel lassen erkennen, was wir an Vonnegut verloren haben.