Auf einem Flug nach Colombo sagte einmal ein ältere Herr zu mir: Sri Lanka - entweder man liebt es oder man hasst es. Sri Lanka polarisiert ungemein!
Und - erstaunlich - man sieht es auch an den Rezensionen zu diesem Buch, Ausgabe 2010 und Ausgabe 2008.
Entweder es gibt volle Punktzahl oder nur einen Punkt!
Ich habe dieses Buch mit großer Aufmerksamkeit gelesen und mich in fast allen geschilderten Gegebenheiten wiedergefunden. Als ich vor rund 12 Jahren das erste Mal nach Sri Lanka reiste, hätte ich mir ein solches "Insider"-Buch als Vorabinformation über Land und Leute sehr gewünscht.
Ich kann viele Details aus diesem Buch, positive und negative, aus eigener Erfahrung bestätigen. Ich habe das Glück, seit vielen Jahren mit in einer srilankanischen Familie freundschaftlich verbunden zu sein. Das gab mir Zeit und Gelegenheit meine eigenen Beobachtungen zu machen, denen zur folge ich Frau Mosers Aufzeichnungen als absolut authentisch ansehe und das Buch als lesenswerte Lektüre insbesondere für Sri Lanka-Neulinge nur empfehlen kann.
Besonders interessant ist die Beschreibung der Herausforderungen im srilankanischen Alltag aus Sicht einer Mutter mit drei Kindern, die ihre Kleinen" vor Bedrohungen und Gefahren aus Natur und Umfeld beschützen will und muss. Diese Widrigkeiten aber oftmals selbst gar nicht als solche erkennt oder wegen des kulturellen Backgrounds nicht erkennen kann. Der Schreibstil der Autorin bringt uns solche Situationen unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern nahe.
Ja , sicher das Buch ist aus der Sicht einer Europäerin geschrieben, warum auch nicht? Die Autorin betrachtet und bewertet die Situationen und Gegebenheiten natürlich auf der Grundlage ihres eigenen kulturellen Hintergrundes, der geprägt ist durch die Erziehung, dem gesellschaftlichen und kulturellen Erbe unseres Kulturkreises. Der Blickwinkel der Autorin ist dennoch durchaus legitim für die Darstellung eines Erfahrungsberichtes, einschließlich des erlittenen Kulturschocks, dem man sich als Fremder kaum entziehen kann. Niemand sollte eine wissenschaftliche Studie anthropologischer Feldforschung zu gesellschaftlichen Zusammenhängen in Sri Lankas erwarten wenn er dieses Buch zur Hand nimmt. Im Gegenteil man sollte sich auf einen ganz persönliche und individuell geprägte, kurzweilige Reise mitnehmen lassen.
Es hat mir Spaß gemacht zu lesen, wie Europäer oder auch Bewohner anderer Kontinente, das Leben in diesem Land meistern und mit welchen abenteuerlichen Situationen sie fertig werden müssen. Es ist Frau Moser wirklich recht gut gelungen das reale Leben in diesem Land, aus Sicht eines Ausländers, zu beschreiben. Insofern kann ich anderen Rezensenten nicht zu stimmen, wenn sie der Autorin hier eine verklärte, klischeehafte, koloniale Sichtweise vorwerfen.
Ich habe einmal eine Srilankaner am Ende seines Deutschland-Aufenthaltes gefragt, was ihm am Besten in Deutschland gefallen hat und was er schlecht fand.
Antwort: Das Familienleben hat ihm gefallen, Sauberkeit und Ordnung. Die permanente Unfreundlichkeit der Deutschen fand er schrecklich!" Das ist auch klischeehaft und dennoch hat es ein Mensch real empfunden und ausgedrückt.
Auf Sri Lanka treffen viele Klischees zu, kein Grund darüber nicht zu schreiben.
Und somit darf man Frau Moser nur Danken, das sie uns an ihren Erfahrungen und Erlebnissen hat teilhaben lassen.
Ich empfehle dieses Buch von ganzem Herzen, es ist unterhaltsam und mit einem gewissen Humor geschrieben.
Ich kann mich also den Rezensenten, die die volle Punktzahl gaben nur anschließen.
Ayubowan!