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Er war eine Frau
 
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Er war eine Frau [Gebundene Ausgabe]

Diane Wood Middlebrook
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Malik Verlag (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3890291368
  • ISBN-13: 978-3890291369
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13 x 4,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.188.019 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Es ist gar nicht so außergewöhnlich -- man denke an Yentl --, dass sich Frauen die Haare kurz schneiden und fortan nur noch im Anzug zu sehen sind. Doch so konsequent wie die Jazzmusikerin Dorothy Tipton auch in ihrem Privatleben die männliche Rolle übernahm, immerhin war sie sogar mehrmals verheiratet und hat drei Kinder adoptiert, das ist völlig neu.

Dorothy wird im Jahre 1914 in Oklahoma City geboren, und als sie neunzehn Jahre alt ist, beschließt sie, ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Leidenschaftlich interessiert sie seit der Schulzeit das Theater, ein Klavier kann sie zum Tanzen bringen, und beim Saxophon, das weiß sie, spielt man nicht nur irgendein Instrument, sondern auch eine bestimmte Rolle, für die Hosen eine Voraussetzung sind. Die Jobs in den neu gegründeten Bands, die in der neuen Ära des Swing rasant aus dem Boden schießen, sind dünn gesät. Dorothy ergreift ihre Chance und verwandelt sich für den Rest ihres Lebens in den Jazzmusiker und Entertainer Billy Tipton.

Merkwürdig und schwer vorstellbar bleiben seine drei Ehen, denn nach Billys Tod bestreiten alle Ehefrauen, jemals bemerkt zu haben, daß sie mit einer Frau verheiratet waren. Billy hat seinen Oberkörper bandagiert -- ein Unfall in der Kindheit dient ihm hierfür als Ausrede --, er trug regelmäßig ein Suspensorium, und die Badezimmertür war bei ihm immer abgeschlossen.

Billy Tipton schafft zwar den Erfolg als Musiker, doch der ganz große Durchbruch bleibt ihm zeitlebens versagt, denn das hätte auch die Gefahr geborgen, enttarnt zu werden. So bleibt er auf dem Höhepunkt seiner Karriere leider wieder ein Opfer seiner Rolle. --Manuela Haselberger

Neue Zürcher Zeitung

Er war eine Frau – und weiter?

Zwei Bücher zu Billy Tipton

Als der Jazzmusiker Billy Tipton 1989 starb, war die Entdeckung seines wahren Geschlechts nicht nur für den Leichenbestatter, für Freunde und Kollegen, sondern, so unglaubhaft das klingen mag, auch für seine engste Familie ein Schock. Eine Biographie und ein Roman greifen den merkwürdigen Fall auf.

Als Musiker ist Billy Tipton (1914–1989) nicht in die Geschichte eingegangen. Die wenigen Tonaufnahmen, die sich erhalten haben, zeigen ihn als gewieften, aber anspruchslosen Entertainer zwischen Jazz und Schlager, der als Pianist Teddy Wilson nacheiferte, ohne einen eigenen Stil zu gewinnen, mit seinem Trio aber hauptsächlich Tanzmusik nach dem jeweiligen Publikumsgeschmack spielte. Auch als Saxophonist hat Tipton sich kaum profiliert. Dass er gleichwohl berühmt wurde, hängt mit seiner privaten Geschichte zusammen.

Billy war nämlich ursprünglich ein Mädchen namens Dorothy und verwandelte sich erst mit 19 Jahren in einen Mann – zunächst, wenn man den Quellen glauben darf, bloss auf Grund einer umgekehrten «Some like it hot»-Situation: Dorothy fand als Frau in der Jazzszene des heimischen Oklahoma einfach keinen vernünftigen Job. Doch aus der Verkleidung wurde bald eine neue Lebensform; Dorothy, konstitutionell eine «kleine Dickmadam», bandagierte ihren Busen weg und trug weite Anzüge, frisierte sich wie ein Mann und nahm die Gewohnheit an, sich täglich zu rasieren. Sie führte das Wanderleben eines Tingeltangelmusikers, war viermal verheiratet und adoptierte drei Söhne. In ihren späteren Jahren arbeitete sie hauptsächlich in einer winzigen Konzertagentur in Spokane, Washington.

56 Jahre lang führte sie ein schier unglaubliches Doppelleben. Für ihre Mutter und zwei, drei Vertraute aus Kindertagen blieb sie Dorothy; für alle anderen wurde sie Billy. Wohl äusserten einzelne Bekannte immer wieder den Verdacht, mit ihr «stimme etwas nicht», doch sie spielte ihre Rolle konsequent weiter und täuschte sogar die Mehrzahl ihrer Geliebten über ihr wahres Geschlecht; das Faszinierendste aber ist, dass sich ihr Verhalten auf keine Weise erschöpfend und schlüssig erklären lässt – weder mit frühkindlichen Prägungen noch mit ihren sexuellen Neigungen oder ihren beruflichen Ambitionen. Man muss annehmen, dass die Travestie, die sie weit über das Mass des Erforderlichen hinaus betrieb und die einen immensen Aufwand an Verstellung, Disziplin und Entbehrungen verlangte, mindestens teilweise auch ein Selbstzweck war.

Zwei Frauen haben sich nun eingehend mit Billy Tipton befasst. Diane W. Middlebrook, Professorin für englische Literatur an der Stanford University und Autorin einer Biographie Anne Sextons, legt eine voluminöse und mit aufschlussreichem Bildmaterial illustrierte Lebensbeschreibung vor, die allerdings nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Primärquellen wenig ergiebig sind. Die Autorin hat ihre Recherchen deshalb breit abgestützt, zahlreiche Verwandte, Kollegen, Nachbarn interviewt und auch lokalgeschichtliches Material aus dem breiteren Umfeld beigezogen. Entstanden ist ein üppig koloriertes Zeitgemälde von hohem Unterhaltungswert und begrenzter analytischer Kraft.

Das Buch, das in der Originalausgabe «Suits Me», auf deutsch aber platterdings «Er war eine Frau» heisst, trägt viel Wissenswertes aus der Sozial- und Musikgeschichte Amerikas zusammen, scheut sich jedoch auch nicht vor Spekulationen über Tiptons Umgang mit Dildos und Suspensorien. Manchen neueren amerikanischen Biographien gleicht es darin, dass es einen enormen Recherchiereifer mit einer ebenso grossen methodischen Naivität verbindet. Die Autorin weiss offenbar nichts von jener biographischen Skepsis, die Wolfgang Hildesheimer in seinem «Mozart» exemplarisch vorgeführt hat, sondern ist, was ihre Bereitschaft zur gewaltsamen Einfühlung betrifft, etwa bei Stefan Zweig stehengeblieben. Auch enthält die Darstellung viel Füllmaterial. Wenn Tipton sich etwa 1958 in Spokane niederlässt, muss man nicht unbedingt wissen, in welchem Erdzeitalter der die Stadt umgebende Gebirgszug entstanden ist!

Ungeachtet ihrer Redundanzen und analytischen Schwächen fesselt Diane W. Middlebrooks Darstellung jedoch durch ihre Anschaulichkeit und Detailkenntnis. Die Biographie trägt zahlreiche pittoreske Fakten zusammen und sagt auch manches Aufschlussreiche über die Entwicklung der Geschlechterrollen im 20. Jahrhundert. So macht sie glaubhaft, dass Billy über Jahre mit Frauen zusammenlebte, und zwar auf engstem Raum, etwa im Wohnwagen, ohne dass sie ihn jemals nackt sahen, dass aber seine Männlichkeit schon dadurch als weitgehend erwiesen galt, dass er Zündkerzen und Reifen wechseln konnte. Und besonders interessant wird ihr Buch da, wo sie Billys Ex-Frauen erzählen lässt, was sie denn bei ihm hielt: Die Berichte stimmen darin überein, dass Billy – sowohl in seinen stürmischen frühen Zeiten als auch später, in den langen Jahren der «Josephsehe» – witzig war und aufmerksam, dass er sich immer grosszügig zeigte, obwohl er nie viel Geld und keinerlei Sicherheit zu bieten hatte, dass er zärtlich war und sie mit hundert kleinen Ritualen zu den Königinnen seines Herzens machte – Mann-Frau-Schema hin oder her, wie die eine oder andere durchblicken lässt.

Einen ganz anderen Ansatz als Diane W. Middlebrook wählt die in Manchester lebende Lyrikerin und Erzählerin Jackie Kay in ihrem ersten Roman. Wie schon dessen Titel, «Die Trompeterin», ankündigt, hat sie Tipton ein anderes Instrument verpasst; sie hat auch seinen Namen und seine Hautfarbe geändert, die Geschichte vom Nordwesten Amerikas nach England verlegt und das Personal reduziert: Ihr Joss Moody hat nicht etliche Frauen, sondern eine, und sie ist in sein Geheimnis eingeweiht, seit es zur ersten Liebesnacht kommen sollte; ihre Liebe aber trug sie, obwohl sie keinerlei lesbische Veranlagung zeigte, über die Entdeckung hinweg. Sonst kennt niemand Moodys wahres Geschlecht, auch nicht der Adoptivsohn Colman.

Durch diese Engführung wird der Konflikt zugespitzt, an die Stelle der rhapsodischen Lebensbeschreibung tritt das geschlossene System des Dramas. Und Jackie Kay führt ihre Figuren – zunächst – geschickt, indem sie die Beteiligten in je eigenen kurzen Kapiteln aus verschiedenen Perspektiven erzählen lässt. Die Witwe spricht immer in der Ich-Form, Colman ist abwechselnd ein Ich und ein Er, auch die Erzählerin, welche die ganze Geschichte gegen den Widerstand der Witwe recherchiert, wird von innen und von aussen gezeigt. Figuren wie die Ärztin, der Bestattungsunternehmer, die betagte Mutter in der Alterssiedlung haben ihre eigenen Geschichten. Das Buch ist zudem – ohne dass die Textsorten konsequent durchgehalten wären – als Zeitschrift angelegt: Die Kapitel tragen Titel wie «Exklusivinterview», «Nachruf» oder «Leitartikel».

Die Architektur des Romans ist ambitiös – doch mit dem letzten Baustein fällt der ganze Turm zusammen: Die Auflösung, die Joss Moody seinen Rollentausch in einem nachgelassenen Brief mit der mythischen Geschichte seiner schwarzen Ahnen erklären lässt, ist der reine Kitsch und dramaturgisch ohne jede Plausibilität.

Bis dorthin aber ist der Stoff nicht ohne Talent erzählt, auch wenn man in manchen Kapiteln die Halbfabrikate des Creative-Writing-Seminars herausschmeckt: am deutlichsten in den Ich-Kapiteln, in denen das Selbstgespräch immer wieder mit Phrasen befrachtet ist, die seine Stringenz gefährden. So viele schmückende Adjektive braucht man nicht in der Einsamkeit! Dagegen kann Jackie Kay für sich in Anspruch nehmen, die philosophischen Fragen, die sich aus Billy Tiptons Doppelleben ergeben, deutlicher exponiert zu haben als Diane W. Middlebrook: die Frage etwa, was mit Erinnerungen geschieht, die nach dem Urteil der Welt auf falschen Annahmen beruhen. Joss Moodys Sohn hat ein Leben lang einen Vater gehabt. Hat er nun keinen mehr? Und hat der reale Billy Tipton seine Frauen um etwas gebracht, indem er sie täuschte? Hier tun sich Fragen auf, die an die Abgründe in Kleists (nicht Molières) «Amphitryon» rühren.

Manfred Papst


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Von S. Peters
Amazon sollte sich mal diesen Text aus der Neuen Zürcher, der hier als "Produktbeschreibung" wiedergegeben ist, genau durchlesen. Der Autor schreibt einen großen Mist. Anders kann man das nicht nennen. Er ist offensichtlich sehr vorurteilsbehaftet, steht in seinen Kenntnissen über Transsexualität irgendwo Anfang/Mitte des 20. Jahrhunderts und kann nicht mal in seiner Rezension akzeptieren, dass Billy Tipton sich offenbar als Mann empfand und entsprechend lebte -- dabei wundert sich der Journalist doch selber, warum Billy 56 Jahre lang diesen enormen Aufwans betrieben hat, nicht "enttarnt" zu werden. Herr Pabst, denken Sie einfach noch mal richtig nach.
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