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Ein ehrenhafter Bürger. Roman.
 
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Ein ehrenhafter Bürger. Roman. [Taschenbuch]

Anja Lundholm
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 248 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb. (Juli 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349913263X
  • ISBN-13: 978-3499132636
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,4 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.009.218 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Anja Lundholm, geboren 1918 in Düsseldorf, floh vor den Nazis nach Rom und arbeitete dort im Widerstand. Nach ihrer Verhaftung wurde sie 1943 ins KZ Ravensbrück verschleppt. Nach dem Krieg arbeitete sie als Übersetzerin und Journalistin in Brüssel, später in Stockholm und London. Zahlreiche Preise, darunter der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 1991, der Hans-Sahl-Preis 1997 und die Frankfurter Goethe-Medaille 1998. Die Autorin lebt heute in Frankfurt am Main.

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
"Wie weit reicht der Anschein des Bösen in das Böse selbst hinein?"
Mit dieser Frage, die Faulkner in einem seiner fabelhaften Bücher stellt, befasst sich die vorliegende Erzählung. Die Fassade der kleinbürgerlichen Existenz diverser Leute wird Schritt für Schritt demontiert bis die Hässlichkeit dieser Charaktere offen zu Tage tritt.
Die Erzählerin wird nach einem Nervenzusammenbruch beim Begräbnis ihres Vaters (der "Grüne" genannt) in eine Klinik nahe der holländischen Grenze gebracht. Sie hat sogar behauptet, ihren ohnehin sterbenskranken Vater ermordet zu haben. Eine fatale Behauptung (ohnehin unwahr), wie sich herausstellt, denn der Notar ihres Vaters (Kochel), die Geliebte ihres Vaters (die Seegers) und die Enkelin des Vaters (Mila, die uneheliche Tochter seines Sohnes Felix) wollen die Erzählerin zu einem Geständnis dieser Tat zwingen, die sie gar nicht begangen hat. Sie eint das gleiche Motiv: Geldgier, denn in der Testamentseröffnung gingen sie alle leer aus und sind fest davon überzeugt, daß die Tochter des "Grünen" mehr über den Verbleib des Erbes weiß. Doch sie hat keine Ahnung, wo das Geld steckt. Dann taucht ein Freund ihres im KZ getöteten Bruders auf und fördert interessante Dokumente zu Tage. Demnach ist Felix von seinem eigenen Vater denunziert worden, um so an das beträchtliche Erbe von dessen Frau (der jüdischen Mutter der Erzählerin, die während der NS-Zeit Suizid beging) zu gelangen. Und der Sohn der Seegers hat mit dem Verstorbenen eine unleugbare Ähnlichkeit....
Die gesamte Erzählung spielt in dieser Nervenklinik, alle Ereignisse werden rückblickend erzählt und enthüllt und in dem Maße, in welchem sich der Zustand der Patientin bessert, entwirrt sich auch der Knoten des Geschehenen und bringt über eines Klarheit: ein ehrenhafter Bürger war der "Grüne" keinesfalls. Die Geschehnisse und Episoden sind sehr geschickt ineinander verschachtelt und das gesamte Buch ist wie aus einem Guß. Das stets immanente Ungeheuerliche, welches dieser Erzählung innewohnt, und erst zum Schluß aufgelöst wird, lässt die Spannung ins nahezu grenzenlose steigen. Der Leser leidet mit der Erzählerin, die mehr und mehr an sich selbst zweifelt und außer Stande sieht, die Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Denn man erklärt sie nicht für geheilt, obwohl sie sich so fühlt. Steckt der seltsame Arzt, Dr. Seitz mit Kochel, dem Rechtsanwalt unter einer Decke?.
Das Buch ist stilistisch ausgefeilt, aber mit einer enormen Frische in der Sprache verfasst, so dass zeitgenössische Autoren, die all ihre auf der Wohnzimmercouch gefassten Gedanken für aufschreibenswert halten, angesichts dieser Sprache und dieses Spannungsbogens, der nie in Selbstzweck ausartet, erblassen müssten. Anja Lundholm kann alles schreiben, von den Träumen einer geistig umnachteten über poetische Beschreibungen der Landschaften am Niederrhein bis hin zu messerscharfen Dialogen. Alles im Dienste der Gesamthandlung. Von welchem lebenden deutschen Autor können wir das sonst sagen? Respekt und Hochachtung für diese Autorin, die auch für sich selbst schreibt, aber vor allem für den Leser.
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