Eines dieser Bücher, die mir vom Buchhändler meines Vertrauens empfohlen wurden. Am Anfang dachte ich: o nein, mein Buchhändler läuft Amok. Ein Gamerbuch! Was für kleine-große Jungs. Dann hab ich befürchtet, dass da einer hemmungslos auf die Amoklaufwelle in Schulen aufspringt.
Doch ziemlich schnell wird klar, dass der Autor auf etwas ganz anderes abzielt, dass es ihm nicht so sehr um die Games oder die Gamer allein geht. Sein Protagonist mit Namen Kovacs, ist Sohn in Deutschland lebender ungarischer Immigranten. Und seine Lebenssituation, ist die vieler Immigrantenkinder, ob sie nun fortdauernd zockend vor dem PC hocken oder es mal draußen mit der Welt probieren: Sie finden ihren Platz in der Gesellschaft nicht. Sie rackern sich ab, aber überall, wo sie hin kommen, ist schon jemand, der nicht will, dass sie irgendwo hin kommen. Da ich selbst ein Russland-Import bin, ist das für mich eine nur zu vertraute emotionale Lebenssituation.
Die Handlung ist an sich schnell erzählt: Kovacs ist Profi, lebt von Computersimulationen aus dem zweiten Weltkrieg. Aber als er plötzlich schwer krank wird, kann er nicht mehr weiterspielen. In Flashbacks spielt sich nun sein bisheriges Leben noch einmal vor seinem inneren Auge ab. Kovacs fängt ein Spiel mit seiner Vergangenheit, seinem Leben, sich selbst an. Zum Schluss schießt er sich auch gezielt selbst ab. Aber ganz anders als man es von einem Gamer erwarten würde. Deshalb hat mich auch das Ende des Buchs so erschüttert.
ego shooter ist ein innerer Monolog in Kleinbuchstaben, ja aber was für einer! Ein Roman, der mich schon durch seine schnoddrige, lakonische Art und durch seinen Stil überzeugt hat. Wenn Houellebecq nicht ein Zyniker wäre und noch einen Funken Humor hätte, hätte er ego shooter schreiben müssen.