Bei der Präsentation des neuen Spielekonsolen-Abenteuers "eXistenZ" von "Antenna Research" in einer Kirche vor einer Gruppe von ausgewählten Fach-Journalisten wird von einem Fanatiker ein Mordanschlag auf die geniale Spiele-Designerin Allegra Geller (Jennifer Jason Leigh) verübt. Von ihrem "Bodyguard" Ted Pikul (Judd Law), der sich später jedoch als einfacher Marketing-Trainee entpuppt, wird Allegra aus der Gefahrenzone gebracht und befindet sich bald auf der Flucht, gejagt von ominösen Feinden, die ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt haben, und ehemaligen Freunden aus den eigenen Reihen, die sie dazu bringen wollen, ihre Entwickler-Firma zu verraten und zu einem Konkurrenzunternehmen überzulaufen. "Trau keinem!" lautet die Botschaft. Als zusätzliches Problem enthält Allegra's knubbliges "Metaflash-Gamepod" die einzige spielbare Version ihres neuen Spiels und der Zugriff auf die Daten ist durch eine Beschädigung des "Gamepods" bald nicht mehr möglich.
David Cronenberg's Spielfilm und das zugrunde liegende Spiel "eXistenZ" ist "eine überaus wirksame Deformierung der Realität", wie es eine Person des Films beschreibt. Sowohl der Zuschauer als auch die handelnden Personen tauchen in immer seltsamere Ebenen der "Realität" ein und verlieren immer mehr den Bezug zur Wirklichkeit, während sie innerhalb des Spiels wiederum dort vorhandene Computerspiele ausprobieren. Ist eine psychotische Realitätswahrnehmung wirklich nur die Anpassung des Gehirns an die Spielstrukturen? Was gehört zum Spiel, was ist Realität? Wie viele Ebenen der Spiele-Simulation gibt es? Was ist das Ziel des Spiels? "Sie müssen das Spiel spielen, um herauszufinden, worum es geht." - so ähnlich wie in David Fincher's Spielfilm "The Game", bei dem das Spiel jedoch auf einer realen Ebene abläuft.
Die filmischen Bilder scheinen oft absichtlich schlampig gemacht (z.B. Rückprojektionen), um sie als Abstraktionen der Realität zu entlarven. Die Locations wirken manchmal bühnenartig eindimensional wie bei vielen Computerspielen, z.B. bei der Tankstellen-Szene. Seltsame mutierte Kreaturen tauchen auf, Waffen werden aus Knochen und Zähnen zusammengebastelt, Personen stecken in Spielschleifen und warten auf den richtigen Input, "Bioports" werden in menschliche Wirbelsäulen gestanzt, um "Gamepods" anschließen zu können, die aus Nervengewebe von degenerierten Amphibien und synthetischer DNA bestehen, aussehen wie Sex-Spielzeuge oder schlaffe Brüste mit Nippeln, geknetet werden, sich orgiastisch winden und dabei saugend-schmatzende Geräusche von sich geben. Manche "Gamepods" verschwinden gleich ganz im "Bioport", andere werden über Nabelschnüre an die Menschen angestöpselt. Das Spiel mit "Bioports" und "Gamepods" erinnert nicht nur zufällig an Sexualpraktiken. "Man kann mit so'nem Port 'ne Menge schöner Spiele spielen!" oder "Neue Ports sind manchmal ein bißchen eng.", erläutert Allegra Geller verschmitzt lächelnd. Die Bioports können sich zudem infizieren, brennende Schmerzen verursachen und werden im Film befingert und geleckt. Die Protagonisten entwickeln stellenweise ein stark triebhaftes Verhalten, das ihnen die Programmierung der Spielfiguren auferlegt, die sie verkörpern. "Ich finde es eklig, aber ich kann mich nicht beherrschen!", meint Ted Pikul an einer Stelle im Spiel. Dies erinnert daran, dass auch wir Menschen in Situationen kommen können, in denen wir trotz rationaler Überlegungen zwanghaft, archaisch und triebhaft handeln und unsere Handlungsfreiheit durch genetische Programmierung zwecks Arterhalt weitgehend eingeschränkt ist. Sind wir nicht auch nur irgendwelche austauschbaren Figuren im Spiel des Lebens ("Es ist doch ein Spiel, das bereits jeder spielt.")? "Genau wie im richtigen Leben: Du hast gerade so viel Freiheit, dass es interessant ist.", kommentiert Allegra zudem an einer Stelle im Film Ted Pikul's Bemerkung über die eingeschränkten Möglichkeiten in ihrem Spiel. Die fleischfarbenen, organischen und blutgefüllten "Gamepods" werden im Film immer wieder mit Kindern assoziiert ("Meine Kleine", "Mein Baby"), können krank und mit Medikamenten behandelt werden, werden wie kleine Schoßhündchen operiert und verseuchte "Gamepods" können sogar Menschen über deren "Bioport" infizieren oder wie Pilze Sporen bilden. Allegra verblutet an einer Stelle fast, als der hilflose Pikul in einer Krise die Nabelschnur zu ihrem "Gamepod" durchschneidet. Der Film ist mit dem perfekt gemachten Action-Reißer "Matrix" kaum zu vergleichen, denn "eXistenZ" entwickelt sich langsam und die Realitätsebenen sind, anders als bei "Matrix" nicht klar voneinander zu trennen, zumal Cronenberg uns gleich zu Beginn in die Irre führt, was wir erst spät bemerken. So kommt es immer wieder zu Verschiebungen der Realitätsebenen. Das Ziel des Spiels ist es zu gewinnen, aber woran man den Sieg erkennt, bleibt weitgehend unklar. "eXistenZ" ist für mich somit weitgehend auch eine Allegorie ("Allegra") auf unsere reale Existenz als Menschen, bei der wir auch nicht wissen, ob es einen verborgenen Sinn oder ein Ziel gibt. Mir persönlich hat der Film "eXistenZ" wegen seines surrealen Humors, seinen unvorhersehbaren Handlungssträngen und den zahlreichen guten Schauspielern gefallen und ich finde, dass der Film sehr gut unterhält und zu Diskussionen anregt.
Nach dem Ende des Films kommt mir mein reales Leben jedoch so unecht vor. Sagt mir die Wahrheit: Sind wir immer noch im Spiel?