Rezension zu elektronischem Heizkörperthermostat "elv/eq-3 Classic bzw. Eco"
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Das Produkt dient dazu, den Heizkomfort durch anpassbare, zeitphasengesteuerte Voreinstellungen zu erhöhen und den Heizenergieverbrauch durch Vermeidung unnötiger Beheizung oder Überheizung zu senken. Das eq-3 "Classic" (oder "Eco") macht an sich einen guten Eindruck: Die Bedientasten sind von Größe, Druckpunkt und Funktion her angenehm, das Stellrad, mit dem man diverse Werte reguliert, ist (sehr) leichtgängig und präzise, das Display zur Anzeige der Werte funktionell und die Steuerung des Heizkörpers nach einer kurzen Einregelungsphase gleichmäßig und effektiv. Alternativ bieten die Funk-Schwestermodelle "Comfort" oder "Premium" je nach konkreter Verwendung einige Vorteile.
Gerät und Lieferumfang:
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Das Gehäuse und alle Außenteile sind komplett aus Plastik, das zwar einen ordentlichen Eindruck macht, für eine Wohnung in gehobenem Standard wäre es aber sicher ein kleiner Stilbruch. Der Regler ist (wie vergleichbare Modelle) wuchtiger und länger als ein Standard-Regler, das sollte vorher bedacht werden. Eventuell lässt sich durch geschicktes Platzieren oder "verdrehten" Einbau der Regler auch noch in schwierigen Ecken montieren, so überragt zur Display(ober)seite hin das Gehäuse die Ventilanschlussachse deutlich weniger als nach "unten" hin (aber wenn das Display nicht nach oben ausgerichtet ist, wird das Ablesen und die Bedienung wiederum sehr schwierig werden).
Beigefügt sind außerdem Adapter (ebenfalls Kunststoff) für weitere Ventiltypen (v.a. Danfoss), eine übersichtliche und recht anwenderfreundliche Bedienungsanleitung (dt/engl./frz/ned.) sowie 2 Duracell-Batterien für den sofortigen Betrieb.
Weder bei Tasten noch Adaptern und Batteriefach wäre mir etwas negatives in Bezug auf die Qualität aufgefallen.
Montage/Installation:
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Die Montage ist im Grundsatz (v.a. bei modernen Ventilen mit Schraubgewinde) einfach und lässt sich im laufenden Betrieb durchführen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Heizkörper über einen Zulaufventil verfügt mit einer Regulierung über einen (Metall-)Stift. Für Danfoss RA, RAV, RAVL sind zusätzlich Adapter (wiederum aus Kunststoff) beigelegt. Die Montage ist in der Anleitung für den Normalfall ausreichend beschrieben - faktisch wird einfach der alte Regler entfernt (abgeschraubt) und der neue (mit oder ohne Adapter) aufgeschraubt.
Ältere Heizkörperventile, z.B. aus den Siebzigern, die noch nicht geeignet sind für selbstregulierende Thermostate gängiger Bauart (bei denen z.B. noch einfach über eine eckige Stellschraube der Zufluss auf- oder zugedreht wird, ohne jede Temperaturrückkoppelung) kann man wohl durch einen simplen Austausch nicht umrüsten, der Regler kann meines Erachtens auch nicht durch irgendwelche Adapter installiert werden. Hier hilft wahrscheinlich nur ein Austausch des Ventil-Rohrstücks durch einen Fachmann (nicht selbst probieren! Heizungswasser ist extrem heiß und kann schwerste Verbrühungen mit Lebensgefahr hervorrufen!).
Mögliche Probleme bei Installation:
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Danfoss RAV:
je nach Ventilgegebenheiten bei einem Danfoss RAV muss der mitgelieferte Aufstecker für den Ventilstift ggf. gekürzt werden, damit der Regler den Heizkörperzufluss wirklich komplett schließen kann. In meinem Fall gab der Regler nämlich zunächst eine positive Rückmeldung für eine erfolgreiche Installation, konnte aber, weil der Stiftadapter aufsaß, der Ventilstift aber noch nicht komplett geschlossen hatte, den Zufluss nicht komplett schließen. Folge war ein extremes Überheizen des Raumes. Nach Fehlersuche habe ich den Aufstecker um ca. 1-2 mm vorne gekappt (also auf der "offenen" Seite abgeschnitten) und den Regler erneut installiert - seither funktioniert die Regelung ohne weiteres. (Tip: bei der Installation führt der Regler zunächst eine Adaptierfahrt aus, bei der hörbar der Zufluss zum Heizkörper gesteuert wird. Gegen Ende der Adaptierfahrt sollte - ebenfalls hörbar - der Zufluss zum Heizkörper komplett versiegen. Falls dies nicht der Fall ist, muss wohl nachgebessert werden).
Danfoss RAVL (Nachtrag):
Falls die Installation fehlschlägt, weil der Hub/Stellbereich zu groß ist (Fehlermeldung F2) und dies trotz offenbar korrekt aufgesetzen Adapters und richtigen Auschraubens, kann - behelfsweise - ein 5-Cent-Stück zwischen Thermostat und Ventilanschluss eingesetzt werden (in Anschlussstutzen des eq-3 vor Aufschrauben eingelegt), um den Abstand soweit zu verringern dass die Heizung grundsätzlich gesteuert werden kann. Alternativ könnte auch ein Aufstecker wie für RAV helfen, der beigelegte ist jedoch für RAVL-Stifte zu weit. Befolgen dieses Hinweises im Übrigen jedoch auf eigenes Risiko - während die obige Korrektur bei RAV offensichtlich zu 100% die beabsichtigte Regelfunktion herstellt, bin ich mir bei diesem Behelf nicht ganz so sicher. Dieses Manko trübt den sonst recht guten Eindruck und rechtfertigt nahezu einen Abzug von einem Stern, andererseits ist es ein Einzelproblem und es läuft ja immerhin dennoch.
Bedienung:
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Die Bedienung erfolgt durch Ablauf eines (vorher eingestellten) automatischen Programmes oder manuelle Bedienung am Gerät. Die Automatik kann jederzeit durch manuelle Einstellung bis zum nächsten voreingestellten Stellzeitpunkt übergangen werden, alternativ kann als Modus dauerhaft Manuell eingestellt werden. Eine Bedienung über Funk oder in Verbindung mit einem externen Fenstersensor ist nicht möglich (dafür gibt es 2 funkfähige Schwestermodelle).
Die Regelung erfolgt in 0,5°c-Schritten, was aus meiner Sicht ausreichend präzise und evtl. sogar in der Handhabung/Bedienung einfacher sein dürfte (zB kann man bezweifeln, ob noch "präzisere" 0,1°c-Schritte wirklich sinnvoll sind und faktisch effektiv umgesetzt werden). Es gibt 7 Stellzeitpunkte für 3 "Heizphasen" (unter der Annahme, dass jeweils nach Ende einer "Heiz"phase die Temperatur heruntergeregelt wird - alternativ denkbar wären auch steigende/sinkende Heiz-Kaskaden), jedenfalls lassen sich 6 unterschiedliche Temperaturphasen zu frei wählbaren Zeiten einstellen, und zwar tages-, wochenend-, unterwochen- oder wochengenau (wobei die 1. Phase immer um 0.00 Uhr beginnt, die letzte immer um 23.59 Uhr endet). Für jede Phase lässt sich die Temperatur frei wählen zwischen 5°c - 29,5°c. Die Temperatur zur Regulierung wird direkt am Regler gemessen, kann also von der Temperatur an anderen Stellen des Raumes abweichen. Dafür gibt es aber eine Korrekturmöglichkeit in den Voreinstellungen.
Mir gefällt auch sehr die separate Taste für Komfort- und Absenktemperatur, mit der durch einmaliges Drücken bis zum nächsten Stellzeitpunkt eine (vorher festgelegte) Komforttemperatur (zB 21°c) aktiviert wird, bei weiterem Drücken eine (vorher festgelegte) Absenktemperatur (zB 17°c), etc. So erspart man sich die Feinjustierung am Stellrad.
Es gibt noch einige weitere Funktionen wie Kindersicherung (die zB auch das leichtgängige Stellrad gegen unabsichtliches Verstellen durch schwere Vorhänge schützt), Frostschutz, Kalkschutz etc. - dazu siehe Artikelbeschreibung.
Noch ein Wort zur Nutzung: die Raumtemperatur sollte auch nachts und in ungenutzten Räumen 16°c möglichst nicht unterschreiten, v.a. um Schimmelbildung zu vermeiden. Außerdem bringt extremes runterkühlen und später wieder aufheizen letztlich keine Energiersparnis. Sinnvoller ist häufiges (Stoß-)Lüften, was die Wohnung trocken hält und deshalb einen geringeren Heizaufwand bedeutet.
Nutzbarkeit für ältere Menschen/Menschen mit Seheinschränkungen:
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Die Ablesbarkeit auch für ältere Menschen ist an sich recht gut, da die Anzeige der aktuellen Soll-Temperatur deutlich erfolgt, das Display hat Übergröße, wird durch große Ziffern gut ausgenutzt (ist leider nicht immer bei allen Geräten mit Display der Fall) und ist auch ausreichend kontrastreich. Einziges Manko: das Display ist nicht beleuchtet bzw. beleuchtbar; das hätte die Lesbarkeit nochmals erhöht. Die Schwestermodelle mit Funksteuerung haben allerdings ein beleuchtbares Display. Dass die manuelle Änderung der Temperatur über das Stellrad erfolgt, dürfte auch den Erwartungen und Gewohnheiten älterer Menschen entgegen kommen. Das Studium der Bedienungsanleitung sowie die Erstinstallation und Programmierung sollte man ihnen aber trotzdem nicht zumuten.
Verbesserungswünsche:
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Die potentiellen Schwierigkeiten bei Installation (RAV/RAVL) sollten in der Anleitung zumindest thematisiert werden oder die Adapter (v.a. für RAVL) verbessert oder erweitert bzw. der Anschlussstutzen (Abstand) überarbeitet werden. On top wünschen würde ich mir noch eine Möglichkeit zur Anzeige der aktuellen Ist-Temperatur und noch mehr mögliche Stellzeitpunkte, oder, dass eine bestimmte Wunschtemperatur zB durch manuellen Tastendruck für eine begrenzte Zeitspanne, zB die darauffolgenden 30 min, aktiviert werden kann.
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