kann ich leider nicht vergeben. Mit diesem Zwitterding von Geschichts-Krimi (ist m.E. nach keins von beiden richtig) hab ich mich 2 Wochen schwergetan. Selten so was Kaltes gelesen.
Historisch zu seicht, thrillermäßig zu langweilig.
Vor allem weit und breit kein Sympathieträger. Der Held (Gunther) kommt so markig und kernig daher, als wolle er Philip Marlowe in einem film noir nachahmen. Es wird zwar immer betont, daß er gegen die Nazis ist, aber er ist trotzdem ein Ar.... "Moralisch fragwürdig" wurde hier schon gesagt. Bin gar nicht so pol. korrekt, aber das trifft für mich hier zu.
Es gibt eine Szene, wo er ein forsches BDM-Mädel (fast) vernascht, um ihr "eine Lehre zu erteilen" (was für eine Macho-Heuchelei-Szene !). Es gibt eine Szene (die einzig spannende), in der er ein Haus des nachts ausspioniert, und dann kommt folgendes (sry, das muß ich mal zitieren):
"Den Gestank in der Toilette zu ertragen war mir schwer genug gefallen, doch was jetzt folgte, war noch abscheulicher. Ich konnte weder genau erkennen, was passierte, noch ein Wort verstehen. Aber das Geräusch, das zwei Schwule verursachen, wenn sie sich lieben, ist unverkennbar und erfüllte mich mit einem Gefühl tiefen Ekels. Als sie ihre schmutzige Tätigkeit schließlich wiehernd zum Abschluß gebracht hatten und fortgingen, kichernd wie zwei verkommene Schuljungen, fühlte ich mich so erbärmlich, daß ich ein Fenster öffnen mußte, um ein wenig frische Luft einzuatmen."
Der Gipfel des Unsympathisch-Seins mit diesem Buch ist jedoch, daß es einem nicht ermöglicht wird, auch nur mit einem einzigen der Opfer mitzufühlen. Die Opfer bleiben bloße Schemen, ihre Eltern ebenso.
Die Ermittlungen werden bloß episodenhaft dargestellt. Gunther delegiert und delegiert an noch größere Kretins als er selbst einer ist, deckt den Mord seines Kollegen Becker an einem (womöglich verdächtigen) Flüchtenden, und exekutiert gegen Ende einen Bösewicht. Und geht eine (arschkalte) Affäre ein mit der Stiefmutter eines der Opfer.
Seine Getue mit Heydrich, seine "freche Schnauze", sein "Ruf" als bester Ermittler: pfui, drauf gepfiffen. Ein bißchen Angst, Demut, Bescheidenheit, Menschlichkeit, das alles fehlt.
Ein Ärgernis, dieses Buch. In jeder Beziehung eisekalt.