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Kirkus Reviews
"Star Wars war gestern - jetzt kommt Walter H. Hunt!"
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Über den Autor
Auszug aus Der dunkle Stern. Roman von Walter H. Hunt. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Das Raumschiff Trebizond hatte soeben die achte Abtastung des Gebiets um den Orion-Sprungpunkt begonnen, als das Masseradar etwas registrierte, das sich jeder Beschreibung entzog.
»Was zum Teufel ...«, begann Captain Richard Abramowicz, der mit ansah, wie sich das Sprungecho auf seinem Pilotendisplay in nichts auflöste. »Rhea, bestätigen Sie, dass alle Systeme einwandfrei funktionieren!«
Rhea Salmonson, der diensthabende Offizier am Steuer, drehte sich nicht um, sondern deutete auf den Bereich oberhalb der Konsole, wo eine Darstellung der Umgebung Gestalt annahm. Sie zeigte zwei immense Sprungstörungen dreißigtausend Kilometer voraus an. Ein Dutzend kleinerer Störungen folgte, während sie hinsah, die auch auf dem Display vor Captain Abramowicz angezeigt wurden.
Sie richtete ihren Blick auf die Konsole vor ihr. »Alle Systeme voll funktionstüchtig, Captain«, antwortete sie dann.
»Schiff gefechtsbereit machen«, befahl Abramowicz sofort und ordnete eine Kursänderung an, die die Trebizond zum Schwerkraftfeld ausrichtete.
Weitere Transponderkodes tauchten auf dem Display auf. Die Schiffe bewegten sich in einer engen Formation, sobald sie den Sprung verließen, vollzogen den Kurs der Trebizond nach und beschleunigten, um das Schiff abzufangen.
»Commodore, sehen Sie sich das mal an.«
Jonathan Durant, Kommandant der Sternbasis Adrianople, sah von der Maschinenstation auf. Sein XO - der derzeit wachhabende Offizier - Arlen Mustafa stand neben dem Pilotendisplay und konzentrierte sich auf ein Gebiet nahe dem Orion-Sprungpunkt, das seit mehreren Minuten nicht mehr aktualisiert worden war.
Das Display einer Sternbasis von der Größe Adrianoples war um einiges umfangreicher als das eines Flottentransporters. Anstatt nur die Bewegungen einer Jägerstaffel beobachten zu müssen, wurde mit dem Display der Sternbasis sämtlicher Verkehr in einem Planetensystem überwacht. Hinzu kam, dass rund um Adrianople mehr los war als anderswo, da die Basis eine zentrale Anlaufstelle für Schiffe war, die mit der Imperialen Großen Aufnahme zu tun hatten.
»Haben Sie eine Diagnose durchgeführt?«
»Auf unserer Seite ist alles in Ordnung«, antwortete Mustafa. »Das Tiefenradar der Überwachungsstation am Orion-Sprungpunkt sendet nicht.«
»Erweitern Sie die Reichweite auf die umliegenden Sektoren. Das kostet uns zwar ein wenig Auflösung, aber wenigstens sehen wir etwas, bis wir jemanden für die Reparatur rausschicken können.«
»Aye-aye, Sir«, sagte Mustafa. »Schalte um.« Er zeigte auf die Konsole, woraufhin die Anzeige zunächst dunkel wurde und sich dann langsam neu aufzubauen begann.
»Mit der nächsten Wache soll sich eine Technikercrew auf den Weg machen und ... Augenblick mal, was ist denn das?«
Vor Durants Augen wurden auf dem Display zwei unbekannte Transponderkodes angezeigt. Das Masseradar, das das Sprungecho und die Raumverzerrung aufzeichnete, nannte Zahlen, die keinen Sinn ergaben. In rascher Folge leuchteten mindestens zwanzig kleinere Echos auf, die sich alle bei hoher relativer Geschwindigkeit in das Schwerkraftfeld bewegten.
»Wer ist da im Einsatz?«, wollte Durant wissen, der die Anzeigen studierte. Laut Radar beliefen sich die zwei großen Echos auf über zwei Millionen Tonnen und sollten eine Länge von mehr als drei Kilometern haben.
»Die Trebizond, Sir.«
»Suchen Sie sie.« Durant schaltete ein Display über der Maschinenstation an. Adrianople rechnete in Kürze mit zusätzlichem Personal, einer Eingreiftruppe unter dem Kommando von Admiral César Hsien, die innerhalb der nächsten Standardtage eintreffen sollte. Derzeit war die Station nur schwach besetzt.
Adrianople war ein ruhiger Posten, der nur von Forschungsschiffen angeflogen wurde. Gegen Raumpiraten konnte man sich allemal zur Wehr setzen, aber gegen so etwas wie das da ...
Durant kannte Laperrieres Bericht. Duke William, der Erste Lord, hatte ihm diesen Bericht überhaupt nicht zeigen wollen - »das ist ein Bestandteil der Anhörung vor dem Kriegsgericht«, hatte er gesagt -, lenkte aber schließlich doch ein, nachdem er Hsien mit dem größten Teil dessen, was von Cicero zurückgekehrt war, für Reparaturarbeiten nach Denneva geschickt hatte. Durant empfand den Bericht als genauso unglaubhaft wie der Erste Lord, aber es gab keinen Zweifel, dass das Hohe Nest daran glaubte.
Nun war der Hohe Kämmerer fort, der Erste Lord war fort, der größte Teil von Durants Schiffen befand sich außerhalb des Systems - zwar mit dem Befehl, so bald wie möglich zurückzukehren, aber dennoch außerhalb des Systems. Die einzigen Neuzugänge in letzter Zeit waren die Mitglieder eines wissenschaftlichen Teams des Shiell Institute aus New Chicago, die sich die Ausrüstung der Aliens ansehen sollten, die Laperriere bei ihrem Rückzug von Cicero mitgenommen hatte.
Fast ein Jahrhundert Frieden hatte die befehlshabenden Offiziere gelehrt, vorsichtig zu sein, aber nicht unentschlossen. Durant überprüfte seine Ressourcen und dachte über seine Möglichkeiten nach.
Eines war sicher: Er konnte nicht so handeln wie Laperriere. Selbst wenn er es gewollt hätte, würde er dazu gar nicht erst die Gelegenheit bekommen.
»Arlen«, sagte er, »stellen Sie eine Verbindung zu allen Schiffen in dem Gebiet her, vor allem zur Trebizond, falls Sie sie ausfindig machen können. Zehn Minuten. Ich bin in meinem Bereitschaftsraum.«
»Sie verfolgen weiter unseren Kurs, Skip«, sagte Lieutenant Rhea Salmonson. »Die beiden großen Bogeys sind unverändert auf dem Weg ins System.« Die Trebizond war seit zwanzig Minuten unterwegs, die Kom-Station hatte zur Sternbasis Adrianople noch keine Verbindung herstellen können, aufgrund einer das ganze Spektrum umfassenden Interferenz.
Sie waren allein - wenn man von den zehn unbekannten Schiffen absah, die ihnen folgten, während sie die äußerste Umlaufbahn kreuzten. Die Trebizond konnte sich den Verfolgern in den Weg stellen, die am nächsten waren, aber gegen alle zehn würde sie sich wohl nicht behaupten können - und dabei kamen die beständig näher. Noch hatten sie das Feuer nicht eröffnet. Abramowicz hielt es für denkbar, dass sie sich noch nicht in Feuerreichweite befanden. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann würde sich das aber bald ändern. Wenn nicht, ergab dieses Verhalten nicht im Geringsten einen Sinn.
Er blickte vom Pilotendisplay auf und sah, dass sein WS4 die Rampe vom Lift herunterkam. Die Trebizond hatte erst seit Kurzem einen Fühlenden an Bord. Bislang war es Abramowicz nur möglich gewesen, die Vorschriften über den Umgang mit Fühlenden zu lesen, zu mehr war er noch nicht gekommen.
»Melde mich wie befohlen, Captain«, erklärte der WS4 und salutierte.
»Mr. Trang«, entgegnete Abramowicz. »Sie sind mit der aktuellen taktischen Situation vertraut?« Vo Trang war ursprünglich ein Angehöriger der Navy. Abramowicz konnte sich erinnern, dass der Mann zum Waffenoffizier ausgebildet worden war.
»Das bin ich, Sir.«
»Können Sie irgendwas ... ähm ... fühlen?«
»Ja, Sir, das kann ich. Seit unserem Kurswechsel, Sir, höre ich ...«
»Sie »hören«?«
»Jawohl, Sir.« Zum ersten Mal bemerkte Abramowicz, dass dem Mann der Schweiß auf der Stirn stand. Einige andere Offiziere hatten den Blick von ihrer Brückenstation abgewandt, da das Gespräch zwischen ihrem Captain und dem Fühlenden sie interessierte. Die üblichen beiläufigen Unterhaltungen waren verstummt, auf der Brücke war es mit einem Mal völlig ruhig.
»Ruder, Bericht!«, befahl Abramowicz ungehalten, der in erster Linie etwas gegen die Anspannung tun wollte.
»Unverändert«, meldete Salmonson. »Nächstes feindliches Schiff zweiundzwanzigtausendsechshundert Kilometer voraus, beschleunigt weiter.«
»Was haben Sie gehört, Mr. Trang?«
»Stimmen, Sir. Ich bin ... es ... sie wollen, dass ich ihnen zuhöre. Ich kann sie kaum ...« Mit dem Handballen rieb er sich über die Stirn. »Je näher sie kommen, umso schwerer fällt es mir, sie zu ignorieren.«
»Was würde geschehen, wenn Sie ihnen zuhören?«
»Befehlen Sie mir das bitte nicht, Captain.« Zorn - oder vielleicht Angst - ?ackerte in Trangs Augen auf. »Ich halte das für keine gute Idee, Sir.«
»Wieso nicht?«
»Ich ... ich bin mir nicht sicher, was den Grund angeht, Sir. Aber ich weiß nicht, ob sie mich gehen lassen würden.«
»Sie sollten das besser erklären, Mister.«
Trang sagte nichts, sah kurz trotzig den Captain an und schaute dann zu Boden.
Abramowicz zuckte mit den Schultern. »Die Stimmen kommen von den Bogeys.«
»Ich glaube ja, Captain.«
»Sie wollen also sagen, dass das, was da an Bord ist ...« Abramowicz deutete auf das Display vor ihm, woraufhin die taktische Situation einer Darstellung des vordersten fremden Schiffs wich - ein großes plumpes Ding, unregelmäßig geformt, umgeben von einer gleichermaßen unregelmäßigen Signatur der Abwehrfelder. »... dass das in der Lage ist, seine Stimme über mehr als zwanzigtausend Kilometer zu projizieren - und zwar so stark, dass Sie glauben, es habe Sie erfasst und lasse Sie nicht wieder los?«
»Ja, Sir.«
»Was würden Sie als sichere Entfernung ansehen?«
»Captain?« Trang wandte sich ein Stück von ihm ab, um sich die Daten auf dem Display anzusehen, die langsam aktualisiert wurden.
»Wie weit müssten wir weg sein, damit Sie in Sicherheit sind?«
»Ich bin mir nicht sicher, Captain. Ich glaube ...«
Was Vo Trang auch gedacht haben mochte, wurde in diesem Augenblick bedeutungslos. Als sich der Fühlende wieder zu Abramowicz umdrehte, was das, was er in seinen Augen gesehen hatte, durch etwas anderes ersetzt worden.
»Trang?«, fragte der Captain.
»Das ist für Sie einfacher auszusprechen«, erwiderte der, »als der Name, den ich in Wahrheit trage. Dieses Schiff hat unserem k'th's's länger als erwartet getrotzt.«
»Was ist denn ein k'th...«
»Unwichtig«, unterbrach ihn Trang oder das, was mit der Stimme des Mannes sprach. »Wichtig ist nur, Captain, dass Sie mir gut zuhören.«
»Und wenn ich das nicht mache?« Abramowicz gab dem Marine Sergeant an der Waffenstation ein Zeichen, doch der starrte so wie jeder andere auf der Brücke reglos ins Nichts - bis auf ihn selbst und den Fühlenden, der neben dem Platz des Piloten stand.
»Dann werden Sie sterben«, sagte Trang beiläufig, »und wir suchen uns einen anderen. Sie sind nicht wichtig, Captain Abramowicz. Diese Fleischkreatur, durch die wir sprechen, ist von Wert. Sie dagegen werden lediglich Nahrung für das k'th's's sein. Dennoch haben wir keinen Befehl, Sie zu töten, und das werden wir auch nicht machen, wenn Sie uns gut zuhören und das tun, was man Ihnen sagt. Sie haben eine Standardminute, um sich Ihre Antwort zu überlegen.«
Mehr als zwanzig Holobilder schwebten über dem Tisch in Durants Bereitschaftsraum in der Luft. Keines von ihnen zeigte Rich Abramowicz, obwohl Arlen Mustafa die Trebizond hatte lokalisieren können, nachdem sie in den Erfassungsbereich einer anderen Überwachungsstation gelangt war. Sie befand sich auf direktem Weg ins Schwerkraftfeld und wurde von einem Rudel Höllenhunde verfolgt.
»Ich benötige Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit«, sagte Durant an die Holobilder gewandt. »Ihr Masseradar sollte eintreffende feindliche Objekte anzeigen. Ein paar von ihnen sind ... Nun, nichts im Adrianople-System kann ihnen etwas entgegensetzen, aber das ändert nichts daran, dass sie hier sind. Ich habe einen Kom-Strahl vorbereitet und mit den aktuellsten Daten nach Denneva abgesetzt, damit man dort über unsere Lage informiert ist. Die Eurydice und die Aragon habe ich bereits zum Gasriesen geschickt, der sich gegenüber dem zum Orion hin gelegenen Sprungpunkt befindet. Beide haben den Auftrag, zu beobachten, aber nicht einzugreifen.« Jeder der Captains bestätigte das mit einem knappen Nicken oder einer Geste.
»Was ist mit der Trebizond?«, fragte einer der anderen Captains, Darrin Feng von der Arcadia, dem Schwesterschiff der Trebizond.
»Wir konnten keinen Kontakt zur Trebizond herstellen. Es gibt keinen Hinweis auf einen Beschuss, aber aus irgendeinem Grund ist man nicht in der Lage, auf unsere Rufe zu reagieren. Angesichts dessen, was wir über den Feind wissen, befehle ich Ihnen allen hiermit, sich von der Trebizond fernzuhalten.«
»Wir sollen sie sterben lassen?«, fragte Feng, während andere zustimmend murmelten.
Sie ist vielleicht längst tot, dachte Durant. Und wir womöglich auch schon.
Während sie zusahen, zeigte das Masseradar, wie die Trebizond Kurs und Geschwindigkeit änderte. Die Verfolger kamen näher und näher. Plötzlich wurden die Abwehrfelder des Schiffs abgeschaltet, womit es dem Gegner ausgeliefert war.
Nicht ein einziger Schuss war abgefeuert worden.
Kaum hatte Abramowicz mit einem Kopfnicken sein Einverständnis gegeben, brach Vo Trang auf dem Deck zusammen. Plötzlich war die Brücke wieder mit Leben erfüllt, jeder kümmerte sich wie noch ein paar Minuten zuvor um seine Aufgaben, bevor Vo Trang übernommen worden war.
»Dr. Ellis auf die Brücke«, rief Abramowicz in die Bordsprechanlage. »Steuermann, Kurs ändern«, fügte er in kühlem Tonfall an, nannte die neuen Koordinaten und die Fluggeschwindigkeit. Rhea Salmonson drehte sich zu ihm um und sah ihn erschrocken an, doch er nickte nur. »Machen Sie schon.«
»Brücke, hier ist Hafner«, kam die Stimme seines XO aus dem Lautsprecher. »Ich bin im Maschinenraum - wir werden gepackt! Skipper, haben Sie verstanden?«
»Kommen Sie rauf, Kit«, erwiderte er. »Ich weiß, dass wir gepackt werden. Und man wird auch das Schiff entern.«
»Wie bitte?«
»Auf die Brücke, Commander, und zwar sofort. Das ist ein Befehl.« Wenn Sie weiterleben wollen, dachte er und hockte sich hin, um nach seinem WS4 zu sehen. Trang war bewusstlos, schien aber normal zu atmen. Was immer ihn in seinem Griff gehabt hatte, es schien ihn wieder losgelassen zu haben.
»Felder abschalten«, sagte Trang, dessen Augen geschlossen waren.
Abramowicz machte erschrocken einen Satz nach hinten und musste mit einer Hand seinen Sturz bremsen.
»Captain ...«
»Tun Sie's«, zischte er. »Fahren Sie die Felder runter.«
»Captain«, warf Salmonson ein, die ihn ansah. »Wir befinden uns mitten im Kreuzfeuer. Wenn wir die Felder abschalten, sind wir tot.«
»Wir sind tot, wenn wir es nicht machen«, konterte er, packte den bewusstlosen Fühlenden und schüttelte ihn. »Sagen Sie's ihnen, verdammt!«
Trang schlug die Augen auf und verzog den Mund zum Ansatz eines Lächelns. »Also gut. Sie werden verschont werden, wenn Sie meine Anweisungen exakt befolgen. Schalten Sie Ihre Abwehrfelder ab, und machen Sie sich bereit, ein Abordnung zu empfangen.«
Abramowicz ließ Trang zurück aufs Deck sinken. Irgendwo in den Augen des Mannes konnte er Angst und Entsetzen ausmachen.
»Felder abschalten«, wiederholte Abramowicz. Sein Befehl wurde ausgeführt, und dann sah er auf dem Display, wie eines der feindlichen Schiffe näher kam, um am Shuttlehangar anzudocken.
»Wenn Ihre Abordnung an Bord ist, werden Sie uns dann in Ruhe lassen?«
»Da Sie so gut kooperieren«, erwiderte Trangs Stimme, »lautet die Antwort, ja.«
Trangs Kopf kippte zur Seite weg, er verdrehte die Augen. Abramowicz fühlte seinen Puls - erst am Handgelenk, dann am Hals -, konnte ihn aber nicht finden.
Der Bugschirm der Eurydice zeigte mehr Details, als der Captain eigentlich sehen wollte.
Amir Abu Bakr, dessen Onkel ein Viertel des imperialen Oahu gehörte (und der es zu horrenden Preisen an Höflinge vermietete), hatte einen der ruhigsten Posten im ganzen Sol-Imperium gesucht und gefunden: Captain eines Schiffs, das am Richtung Orion gelegenen Randgebiet mit der Großen Erfassung beschäftigt war. Zumindest war es ein ruhiger Posten gewesen, bis die Kommandantin der Cicero-Basis mit den Überresten ihres Kommandos aufgetaucht war, um anschließend auf einem Schiff der Zor zu irgendeiner Mission aufzubrechen. Seitdem jagten eine Übung und eine Inspektion die nächste, ganz abgesehen davon, dass jeder Einsatz der Eurydice bedeutete, in ständiger Gefechtsbereitschaft zu sein.
Bis zu Laperrieres plötzlichem Auftauchen und ebenso jäher Abreise war die Eurydice so gut wie nie eingesetzt worden, aber das hatte sich jetzt alles geändert.
Und bis vor vier Stunden war Abu Bakr davon überzeugt gewesen, dass das alles bloß Laperrieres Schuld war. Als er nun aber das Ding anstarrte, das den Bugschirm ausfüllte, wurde ihm klar, wie dumm das gewesen war.
Ganz bestimmt, so überlegte er, denkt der Kommandant der Aragon jetzt das Gleiche. Bloß dass der nicht der Neffe von Natan Abu Bakr war.
»Wie sollen wir denn gegen so etwas kämpfen?«, warf er in den Raum und stützte das Kinn auf seine gefalteten Hände, während er im Pilotensitz saß und den Bugschirm betrachtete.
»Unser Befehl lautet, gar nicht einzugreifen«, bemerkte sein XO.
»Das weiß ich auch, Peter«, fuhr er ihn an. »Aber ich glaube nicht, dass die hergekommen sind, um Treibstoff zu tanken. Irgendwann wird irgendjemand gegen sie kämpfen müssen.«
Das Schiff wies eine unregelmäßige Form auf und maß von Bug bis Heck über drei Kilometer. Es hatte nichts vom Stromlinienförmigen der imperialen Schiffe, weder Backbord noch Steuerbord waren zu erkennen. Überhaupt wirkte es so, als habe jemand ein paar Klumpen grauen Tons zusammengedrückt. Scans hatten ergeben, dass das Schiff aus einer Vielzahl von kleinen Sektionen zu bestehen schien.
»Captain«, sagte der Kom-Offizier. »Ich habe den Kontakt zur Aragon verloren.«
»Dann stellen Sie ihn wieder her«, gab Abu Bakr beiläufig zurück.
»Ich ... ich kann sie nirgends finden, Captain.«
»Was?« Er schaute vom Bugschirm auf das Pilotendisplay und sah die letzte bekannte Position der Aragon, als das Symbol von Grün zu Blau wechselte - was bedeutete, dass das Masseradar nichts gefunden hatte und stattdessen eine Position anzeigte, die anhand des letzten Bewegungsvektors berechnet worden war.
»Captain!«
Abu Bakr richtete seinen Blick wieder auf den Bugschirm. Ein fremdes Schiff - nicht das gigantische, sondern eines, das mehr der Größe der Eurydice entsprach - näherte sich schnell ihrer Position. Auf dem Pilotendisplay wurden bereits Waffenentladungen registriert, und die Abwehrschilde des imperialen Schiffs begannen, die einwirkende Energie zu absorbieren.
»Zielen und feuern!«, sagte Abu Bakr und klammerte sich an den Armlehnen seines Sitzes fest. »Kurs nehmen auf ...« Er gab Kurs und Geschwindigkeit vor und hoffte, ein Stück des Planeten zwischen die Eurydice und den Angreifer zu bringen, der unerbittlich auf sie zuhielt. »Befehl ausführen! Und suchen Sie nach der Aragon!«
Auf der Brücke der Sternbasis Adrianople sah Commodore Jonathan Durant voller Entsetzen mit an, wie die Eurydice und die Aragon sich gegenseitig unter Beschuss nahmen.