Drei Söldner fahren während des Irak-Krieges 1991 durch die Wüste in Richtung kuwaitischer Grenze. Plötzlich erspähen sie ein großes metallisches Wrack. Trotz einiger Bedenken nähert sich die Gruppe dem Objekt. Es handelt sich nicht wie erwartet um einen Panzer, sondern um einen Rolls Royce. Alle Insassen sind tot. Im Wagen befinden sich Diamanten im Wert von 30 Millionen DM. Die drei beschließen, die Beute in der Wüste zu verstecken und sie später abzuholen, da sie sie während des Krieges unmöglich aus dem Land schmuggeln können. Da werden sei von einem Flugzeug angegriffen und einer wird getroffen. Seine Kameraden lassen ihn zurück, denn 15 Millionen sind immer noch besser als 10 Millionen.
Geschäftstüchtig zeigen sich auch Frank Schätzing und der Goldmann-Verlag. Knapp drei Jahre nach seinem Megabestseller "Der Schwarm" ist noch kein neuer Roman von Schätzing in Sicht. Also legt man einfach ein älteres Werk neu auf, versieht es mit einem kurzen Vorwort und hofft, wahrscheinlich zu Recht, auf einen neuen Bestseller. Nach "Tod und Teufel" und "Mordshunger" war der erstmals 1997 erschienene Roman "Die dunkle Seite" der dritte Roman des Kölner Autors.
Nach dem Vorspiel während des Irak-Krieges, spielt der Roman in weiten Teilen im Köln des Jahres 1999, vom Autor aus gesehen also zwei Jahre in der Zukunft. Der türkische Gemüsehändler Üsker wird grausam gefoltert und anschließend ermordet. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Zeitgleich erhält die ehemalige Polizistin und Privatdetektivin Vera Gemini von einem Simon Bathge den Auftrag, einen gewissen Andreas Marmann zu finden. Recht schnell wird klar, dass die beiden Handlungsstränge zusammenhängen. Durch einen alten Freund bei der Polizei gelangt Vera an ein Foto, welches Üsker, Bathge und Marmann in Uniform während des Irak-Krieges zeigt. Was will Bathge? Ist er Opfer oder Täter? Warum wurde Üsker gefoltert? Was will der Täter? Wo ist Marmann? Vera Gemini macht sich auf die Suche und schwebt schon bald in Lebensgefahr.
"Die dunkle Seite" ist ein echter page-turner und bestätigt einmal mehr, warum Frank Schätzing oftmals als deutscher Dan Brown bezeichnet wird. Allerdings wimmelt es im Roman nur so von Klischees. Die abgehärtete und von der Männerwelt enttäuschte Privatdetektivin, die aber insgeheim doch auf der Suche nach Wärme und Zuneigung ist. Ihr väterlicher Freund und Informant bei der Polizei. Der zynische und einsame Hauptkommissar. Die unvermeidliche Liebesgeschichte. All das wirkt doch eher abgedroschen. Aus heutiger Sicht unfreiwillig komisch wirkt die Beschreibung der technischen Ausrüstung von Vera Gemini. Ihr Equipment, das uns hier als revolutionär und einzigartig beschrieben wird, gehört heute zur Standardausrüstung jedes Unternehmens und findet sich wahrscheinlich auch in so manchen Wohnzimmer.
Fazit: "Die dunkle Seite" bietet trotz mancher Schwächen kurzweilige Unterhaltung und ist als Urlaubs- oder Gute-Nacht Lektüre durchaus zu empfehlen. Man darf gespannt sein, welcher Thematik sich Frank Schätzing in seinem nächsten Roman annehmen wird.