Ich kennen die Romane von Fred Vargas erst seit relativ kurzer Zeit, habe in sechs Wochen fünf ihrer Bücher gelesen, darunter zuletzt diesen Krimi, der mir, wie alle ihre schon fast poetisch-philosophisch zu nennenden Krimis, außerordentlich gut gefallen hat.
Sicher ist die Geschichte sehr konstruiert, fern der Wirklichkeit, aber genauso sicher ist es, dass das Mordmotiv eins der originellsten ist, das man je in einem Krimi angetroffen hat.
Nein, Fred Vargas kann man nicht mit den üblichen Maßstäben messen. Ihre Krimi-Welt ist ein Kosmos für sich, bevölkert mit phantastischen Charakteren wie Adamsberg, Danglard oder dem dichtenden Veyrenc mit dem Kindheitstrauma, das ihn und Adamsberg verbindet; ihr Kosmos ist eine schillerndes Universum zärtlicher bis absurder Gedanken, geistreicher Dialoge, düsterer Geschichten, skurriler Einfälle, und am Schluß fügt sich das alles wunderbar zusammen, fast wie von einer Zauberin. Immer gelingt es der Autorin zudem, zwei, drei mögliche Lösungen auf den letzten Seiten zu präsentieren, man denkt, man weiß jetzt, woran man ist, nur um festzustellen, dass man doch wieder an der Nase herumgeführt wurde.
Das ist hohe Krimikunst, auf höchstem Niveau; jeder, der gern literarisch anspruchsvolle Krimis liest, wird an diesem Roman seine helle Freude haben und ihn mit großem Vergnügen lesen.