Dietmar Friedmann legt mit seinem Buch über die drei Persönlichkeitstypen nach eigenen Angaben eine neuartige Persönlichkeitstypologie vor, die nicht mehr phänomenologisch, sondern prozessorientiert sein will. Der Ansatz ist dabei recht einfach: ausgehend von den drei Grund-Tätigkeiten des Menschen: fühlen, denken, handeln, kennt er drei Grundtypen von Menschen: Beziehungs-, Sach- und Handlungstypen. Dieses Grundschema wird zwar verfeinert und ergänzt, etwa in dem er von jedem Typ zwei Varianten unterscheidet. Im Wesentlichen ist er aber davon überzeugt, dass dieses Modell, wenn der Typ nur richtig diagnostiziert wird, universal anwendbar ist.
Friedmann ist deshalb auch bemüht, Parallelen zu anderen Persönlichkeitstypologien diverser psychologischer Schulen, aber auch in der Literatur oder der antiken Mythologie zu entdecken. Das letzte Kapitel des Buches setzt die Friedmannsche Dreitypenlehre in Bezug zur psychoanalytischen Charakterkunde (Riemann etc.), zum Enneagramm und zum homöopathischen Konstitutionstypenmodell. Sein Anliegen dabei ist zu zeigen: im Grunde ähneln sich die Persönlichkeitstypologien trotz mancher Unterschiede, denn sie beruhen alle im Wesentlichen auf den drei Grundtypen.
Friedmann bringt somit einen hochinteressanten, neuen Ansatz, sehr theoriegeleitet, aber dennoch nach seinen Angaben in der therapeutischen Praxis hochbewährt. Die Informationen über die einzelnen Typen nehmen jedoch im Verlauf des Buches durch die Anwendung auf unterschiedliche Gebiete (etwa Skripts, Spiele, Märchen, Dramen, andere Typologien) derart zu, dass manches auch schon wieder unscharf wird. So habe ich selbst etwa trotz zweimaligen Durcharbeitens des Buches nicht herausgefunden, ob ich nun eher ein Sachtyp (das würde man wohl auf den ersten Blick annehmen) oder doch ein Beziehungstyp (eben nicht rein phänomenologisch, sondern strukturell betrachtet) bin. Vielleicht würde bei einer Neuauflage ein ausführlicher Selbst-Typentest ratsam sein.
Überraschend sind manche Zuordnungen seiner Typen zu jenen in anderen Modellen. Gewundert hat mich etwa, dass er den Riemannschen schizoiden Typen für einen Beziehungstypen hält, den depressiven Typen hingegen für einen Sachtypen - nachdem ich vor kurzem Riemann nochmal gelesen hätte, würde ich es umgekehrt sehen. Ebenso erstaunt den Enneagramm-Kenner, dass der "Neuner" in Friedmanns Interpretation plötzlich recht aktiv und tatkräftig daherkommt.
Alles in allem ein vielversprechender Ansatz - und als Theologen würde mich gar nicht wundern, wenn auch im Bereich der menschlichen Persönlichkeit mal wieder die "Drei-heit" hervorscheint.