Im Jahre 1625 kommt der junge d'Artagnan völlig abgebrannt nach Paris, wo er sein Glück bei den Musketieren machen will. Zunächst wird der streitlustige Gascogner in einige Händel mit den drei illustren Musketieren Athos, Porthos und Aramis verwickelt und es sieht so aus, als solle er den Abend nicht mehr erleben, doch als einige Männer der Leibgarde des Kardinals einen Streit mit den Männern des Königs – die Garden des Kardinals Richelieu und die Musketiere des Königs Luis XIII. unter Hauptmann Treville stehen in einer Dauerfehde – geraten, rauft man sich zusammen und von da an heißt es "Einer für alle und alle für einen!"
Aufgrund einiger Zufälle und d'Artagnans Nachforschungen wird dieser tiefer in eine Intrige am Hofe verwickelt; Anna von Österreich, die Königin von Frankreich, ist eine Affäre mit George Villiers, den Herzog von Buckingham, verwickelt. Sie bemüht sich ihrem Gatten treu zu bleiben, aber gibt dem Herzog ihre zwölf Diamantenspangen. Der Kardinal indes will gegen die französische Opposition vorgehen, wozu die Freunde der Königin gehören, und schickt also die verführerische Lady de Winter aus um zwei Spangen zu stehlen, während er gleichzeitig dem König rät ein Fest zu geben, bei dem Anna die Spangen tragen möchte – klar, daß d'Artagnan die Königin nicht kompromittiert sehen mag, zumal er das Herz der Vertrauten der Königin erobern will…
Wer bisher nur die Filme gesehen hat, wird von dem Buch überrascht sein, denn die Musketiere sind keine strahlenden Helden, die der guten Königin treu ergeben und dem bösen Kardinal feindlich gesonnen sind, sondern eher armselige Glücksritter, die ihr Geld verprassen und über Rachegefühle und Liebesbeziehungen motiviert sind. Kardinal Richelieu wird dagegen als moralisch integerer Mann dargestellt, der zwar auch persönliche Ziele verfolgt, aber in erster Linie sich um das Wohlergehen Frankreichs sorgt. Alle Figuren werden recht ambivalent gezeichnet, selbst die Hauptantagonistin Lady de Winter tut nicht nur Böses, sondern muß auch solches erleiden. Überhaupt ist sie nicht unsympathisch und die Kapitel, in denen sie ihre Überzeugungskünste spielen läßt, gehören zu den gelungensten im ganzen Buch.
Aber es gibt auch ein paar Schwachstellen; so wird sehr weit ausgeholt und damit entwickelt sich die Geschichte nur langsam. Es gibt allerlei Zufälle; so viele, daß die Plausibilität arg strapaziert wird – in einem modernen Roman wurde man damit nicht mehr durchkommen. Schließlich gibt es gegen Ende der Geschichte, im französischem Kloster, eine schwache Stelle – entweder ist Dumas hier ein Fehler unterlaufen oder aber die Figuren agieren nicht besonders glaubwürdig.
Insgesamt sind Dumas "Die drei Musketiere" nicht umsonst ein Klassiker der Weltliteratur: Die Figuren sind interessant, die Geschichte ist spannend und unterhaltsam und nimmt geschickt Einzelheit aus der Geschichte, wie die Opposition zwischen Richelieu und Königin Anna, auf.