Seien Sie gewarnt! Dieser Film ist nichts für Freunde subtiler, historisch authentischer und ernst zu nehmender Literaturverfilmungen. Ob Sie daran gefallen finden, hängt davon ab, ob sie bereit sind, die Logikbereiche ihres Gehirns auszuschalten und "moderne" Interpretationen klassischer Genres und Geschichten zu akzeptieren. Wer etwa die "Fluch der Karibik"-Reihe oder den neuen "Sherlock Holmes" mag, könnte auch an dieser abenteuerlichen und doch so wunderprächtig übertriebenen Neuauflage der "Drei Musketiere" seinen gefallen finden. Wer es bodenständiger mag und ein Problem mit Luftschiffen im frühen 17. Jahrhundert hat, der sollte einen großen Bogen um diesen Streifen machen...
Für mich als großer Fan aller vier "Fluch der Karibik"-Streifen allerdings ging mit diesem Film ein Traum in Erfüllung. Noch nie ist es einem Film gelungen, das Feeling und den Spaßfaktor der Piratenreihe so wunderbar zu duplizieren und dennoch eigenständig genug zu bleiben, um nicht als krudes Plagiat durchzugehen. Klar, Paul Haslingers Score erinnert mehr als nur ein bischen an Hans Zimmers Piraten-Klänge, auch der Humor und die Inszenierung der Action lassen manchmal vergessen, nicht an Bord der Black Pearl zu sein, aber dennoch sind die Musketiere frisch genug, um sogar etwas besser zu sein, als der letzte Piraten-Streifen.
Wunderbar sind fast alle Hauptdarsteller dieses unterhaltsamen Streifens. Vom hintersinnigen Christoph Waltz ("Inglourious Basterds") als Kardinal Richelieu über den finsteren Mads Mikkelsen ("Casino Royale") als dessen finsterer Handlanger, über Altpirat im Ruhestand Orlando Bloom als Bösewicht Buckingham bis zu sexy Mila Jovovic ("Resident Evil") als undurchsichtige Superagentin der frühen Neuzeit...alle Schurken sind so exzellent besetzt, dass es einfach Spaß macht.
Auch die Musketiere sind amüsant, wenngleich Ray Stevensons' ("Punisher Warzone") Porthos definitiv der ausdrucksstärkste Symphatieträger der drei älteren Haudegen ist. Besonders erfreulich ist die Besetzung von D'Artagnan. Anders als für den öden Part des "Percy Jackson" ist Jungtalent Logan Lerman wie gemacht für diese Rolle und wirkt ein wenig wie die pubertierende Version von Jack Sparrow, wenn auch ohne Make-Up und Tuntengehabe.
Apropos Tunten...der absolute Shootingstar des Films ist nämlich der 21jährige Newcomer Freddie Fox, der als grenzschwuler König von Frankreich dem Rest des exzellenten Casts die Show stiehlt. Ach ja, und Till Schweiger ist auch dabei, auch wenn sein Auftritt mehr als überflüssig ist...
Die Inszenierung der Luftschiffschlachten ist ganz großes Kino: Abenteuer und Eskapismus pur und erinnert sehr an das Finale von "POTC 3", mit ein bischen "Star Trek II: Der Zorn des Khan" versüßt. Wer auf soetwas seht, der macht sich fast in die Hose vor Freude, solch einen gigantisch inszenierten Unsinn auf der Leinwand mit ansehen zu dürfen. Aber definitiv nichts für Freizeithistoriker und Realismusfanatiker. Was bleibt ist eine flotte, witzige, abenteuerliche Achterbahnfahrt für Fans des Abstrusen...leichtfüßiger Spaß pur mit hohem Unterhaltungswert...Schön, dass es soetwas gibt!