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Die drei Grundirrtümer der Psychologie (Beltz Taschenbuch / Psychologie)
 
 
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Die drei Grundirrtümer der Psychologie (Beltz Taschenbuch / Psychologie) [Taschenbuch]

Jerome Kagan , Andreas Nohl
3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Beltz; Auflage: 3. Aufl. (1. Dezember 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3407220499
  • ISBN-13: 978-3407220493
  • Größe und/oder Gewicht: 20,9 x 13,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 136.243 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Jerome Kagan
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das Bild auf dem Umschlag illustriert die Grundthese des Buches: Schwarzgewandete, eierköpfige Männlein kauern ehrfurchtsvoll zu Füßen eines rätselhaften, ebenmäßigen Turmes, den sie gebannt anstaunen. Zu viele Konstrukte der Psychologie haben sich nach Meinung von Jerome Kagan zu einem solchen weithin sichtbaren Turmgebäude verfestigt, das kritiklos verehrt wird.

Der Autor ist Professor für Entwicklungspsychologie an der berühmten Harvard Universität und gilt als einer der bedeutendsten Vertreter seines Fachs. Daher kann er es sich leisten, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und liebgewordenen Irrtümern zu Leibe zu rücken. Begriffe wie Angst, Bewusstsein, Intelligenz, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Temperament werden von Forschern und noch mehr von Praktikern oft in unzulässiger Weise verallgemeinert. Dadurch kann es zu grotesken Schlussfolgerungen und Fehlentscheidungen kommen. Dies lässt sich anhand der zitierten Forschungsergebnisse und der dazu passenden kulturgeschichtlichen Anekdoten leicht nachvollziehen.

Kagan ist natürlich auch Psychologe genug, um der Frage nachzuspüren, warum bestimmte irreführende und falsche Konzepte ein so zähes Leben haben und woher ihre Attraktivität eigentlich kommt. Diese Betrachtungsweise spiegelt sich im Originaltitel: Three seductive ideas. Verführerisch sind Ideen z.B. dann, wenn sie "unveränderliche, symmetrische und einfache Inhalte postulieren" und den Eindruck erwecken, die Welt sei aus stabilen Elementen zusammengesetzt. Dieser gefährlichen "Leidenschaft zur Abstraktion" ist das erste Kapitel gewidmet. Anschließend geht es um den verhängnisvollen "Reiz des Kindheitsdeterminismus" und das letzte Kapitel entzaubert das Märchen vom Lustprinzip.

Wenn der Text auch einige etwas umständliche Formulierungen aufweist, handelt es sich alles in allem um ein sehr inspirierendes und stellenweise unterhaltsames Buch, das einen wertvollen Beitrag zur richtigen Einschätzung psychologischer Erkenntnisse leistet. --Stephan Schmidt

Pressestimmen

"Jerome Kagan entlarvt die Vereinfachungsstrategen unter den Psychologen und deren populäre Konzepte. Ein provozierender Lesestoff für alle, eine Inspiration für die nächste Generation von Psychologen." Alison Clarke-Stewart, Professor für soziale Ökologie, University of California -Irvine "Mit seiner differenzierten Argumentation steht Kagan aber in der besten Tradition der Aufklärung." dpa-Wissenschaftsdienst "Jerome Kagans zwingende Schlussfolgerungen sind unentbehrlich für alle, welche die Geschichte menschlicher Entwicklung zu verstehen versuchen." Frank J. Sulloway, Massachusetts Institute of Technology (MIT) "Fast schon eine Pflichtlektüre für jeden Therapeuten." Buchhändler heute

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Kagan statt Goldner 22. Januar 2005
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Kritische Bücher über Psychologie/psychologische Mythen haben in einer Zeit der Medikalisierung der Gesellschaft Hochkonjunktur. Was aber dieses Buch von der Propaganda eines Colin Goldner oder den Plattitüden eines Rolf Degen unterscheidet, ist die wirklich tiefgehende Analyse von Glaubensätzen, die ihre Verführungskraft pseudowissenschaftlicher Simplifizierung verdanken. Die Reduktion von komplexem Leben auf einfache (mechanistische) Wirkungszusammenhänge ist die ständige Versuchung der empirischer Wissenschaft, die hier in aufregend in Frage gestellt wird. Kindheitsdeterminismus, der Mythos der Intelligenz, das Lustprinzip als Motor menschlichen Strebens...all diese heiligen Kühe schlachtet Jerome Kagan und stellt eine ebenso komplexe wie humanistische Menschensicht entgegen. Unbedingt lesenswert!
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
interessant und verständlich 24. Dezember 2006
Format:Taschenbuch
Meine Rezension erschienen in der Zeitschrift Skeptiker - Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken Heft 4/2002

Ende des 15. Jahrhunderts glaubten viele Menschen in Europa, dass Hexen mit ihren dämonischen Kräften Krankheiten verursachen können. Zur gleichen Zeit wurden wissenschaftliche Erkenntnisse verworfen und ihre Anhänger verfolgt, wenn sie den Auffassungen der Kirche widersprachen. Aus heutiger Sicht können wir über solche Vorstellungen nur lächeln, doch jede Epoche hat ihre

eigenen Mythen und Tabus, ihren eigenen intellektuellen Zaun, an dem nicht gerüttelt wird. Diese Begrenzungen betreffen nicht nur Vorstellungen in der allgemeinen Öffentlichkeit, sondern beeinflussen auch die Arbeitenvon Wissenschaftlern und deren Methoden. Jerome Kagan, Professor und Entwicklungspsychologe an der Harvard University, geht in seinem Buch drei solcher Überzeugungen der Gegenwart auf den Grund. Diese Three seductive ideas, wie der englische Titel lautet, können einer kritischen Überprüfung

nicht standhalten und haben dennoch einen mehr oder weniger großen

Einfluss.

Der erste Irrtum besteht in dem Glauben, dass die meisten psychischen Prozesse beliebig verallgemeinert werden können. Kagan zufolge meinen viele, es sei nicht sonderlich wichtig, den untersuchten Forschungsgegenstand  sei es Ratte, Affe oder Mensch  zu spezifizieren oder das Umfeld zu berücksichtigen, in dem das Subjekt handelt 

sei es Labor, natürlicher Lebensraum, Arbeitsplatz oder Zuhause (S. 7). Begriffe wie Kommunikation, Angst oder Lernen seien demnach Konstrukte, die keine präzisen Informationen über das handelnde Subjekt geben. Sie sind zu allgemein, um wirklich aussagefähig zu sein. Als Analogie sei auf den

Begriff Krankheit verwiesen, der für sich allein genommen kaum eine differenzierte Aussage ermöglicht. Kagan behandelt vier psychologische Begriffe: Angst, Bewusstsein, Intelligenz und Temperament. Hinter

diesen Begriffen verbirgt sich jeweils eine ganze Klasse von Phänomenen, die aufgrund ihrer höchst unterschiedlichen Qualitäten ihre Besonderheiten verlieren, wenn sie durch die Ungenauigkeit der Sprache zusammengefasst

werden. Als zweiten Grundirrtum behandelt Kagan die weit verbreitete Annahme, dass bestimmte Erfahrungen in den ersten zwei Lebensjahren

für immer bewahrt bleiben bzw. einen sehr dominanten Einfluss auf die Persönlichkeit eines Kindes haben. Da wird Müttern ein schlechtes Gewissen eingeredet, wenn sie früh in den Beruf zurückkehren, wenn sie mit ihrem Kind schimpfen oder wenn die Umweltbedingungen nicht optimal sind. Selbstverständlich haben Erfahrungen in früher Kindheit einen Einfluss auf die spätere Entwicklung. Doch die Überschätzung der Mutter-Kind-Bindung und die These des Kindheits-Determinismus sind in der oben genannten Form nicht haltbar. Beispielsweise erreichen sozial-emotionale Persönlichkeitseigenschaften ihre Stabilität erst im höheren Erwachsenenalter. Langzeitstudien mit Kindern hätten klar gezeigt, dass

das Persönlichkeitsprofil und die Charakterzüge eines 2-Jährigen nicht geeignet sind eine zuverlässige Prognose über zukünftige Persönlichkeitsmerkmale abzugeben. Kagan weist auch darauf hin, dass das Gehirn  oder genauer die Frontallappen, in denen Informationen

ausgewertet werden,  in den ersten zwei Jahren noch wachsen, sich also entwickeln. Dazu schreibt er: Emotionale Erfahrungen werden noch nicht voll realisiert und viele frühere Erinnerungen können verloren gehen (S. 162). Er betont weiter, dass es im Leben eines Kindes viel wichtigere Einflussfaktoren gibt. Beispielsweise hat die Geburtsreihenfolge einen mehr oder weniger großen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung.Der US-Psychologe Frank Sulloway hat beeindruckendes Belegmaterial gesammelt (1997, Der Rebell der Familie). Verkürzt dargestellt, sagt dieses, dass Erstgeborene eine wohlwollendere Haltung zur Autorität haben, während Spätergeborene eher rebellischer Natur sind. Doch Zweijährige sind kognitiv noch gar nicht in der Lage solche Konstellationen zu erfassen. Kagan schreibt dazu: Die wichtigen psychologischen Konsequenzen der Geburtsreihenfolge müssen warten, bis die Kinder in der Lage sind, ihre Beziehung zu einem Bruder oder einer Schwester einzuschätzen und über die

verschiedene Haltung der Eltern zu jedem einzelnen Mitglied der Familie nachzugrübeln (S. 186). Doch auch die Identifikation mit einer ethnischen oder sozialen Gruppe sowie die jeweils historische Ära haben einen

viel stärkeren Einfluss auf die Entwicklung der Persönlichkeit als Erlebnisse in den ersten Lebensjahren. Kagan geht aber auch der Frage nach, warum sich der Mythos so eisern hält. Er nennt zunächst die Empfindung

der Stimmigkeit. Durch diese Vorstellung wird teilweise auch die Last der Verantwortung für die Lebenschancen Unterprivilegierter weg von der Gesellschaft genommen und auf den Einzelnen abgewälzt. Dieser

Mythos ist aber auch deshalb für Eltern sehr verführerisch, weil er sie in dem Glauben wiegt, ihre Bemühungen sicherten dem Kind eine gute Zukunft. Auch der Glaube an die These, dass die Veränderungen im Gehirn

durch frühkindliche Erfahrungen später nicht mehr verschwinden, wirkt auf viele plausibel. Als letztes weist er noch auf die generelle Schwierigkeit für Erwachsene hin, sich vorzustellen, wie ältere Kinder gemachte

Erfahrungen interpretieren. All dies bedeutet, dass die Erlebnisse in den ersten Jahren ein Kind auf den Weg bringen, doch der Weg des Lebens hat zahlreiche Abzweigungen und Kreuzungen. Im dritten Kapitel wird

die Idee behandelt, dass der Mensch sich primär an dem Lustprinzip orientiert, also versucht seine Befriedigung zu maximieren,

wie es beispielsweise das Menschenbild der Ökonomen (homo oeconomicus) impliziert. Menschen tendieren jedoch dazu, verschiedene Arten von negativen Gefühlen (Traurigkeit, Scham, Schuld) zu vermeiden, anstatt

auf die Maximierung des Nutzens durch das Glücksgefühl beim Erreichen eines bestimmten Wunschziels (Reichtum, Macht, sexuelle Befriedigung) aus zu sein. Menschen sind demnach tendenziell risikoscheu. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass dieses Vermeidungsverhalten von Schuld oder Scham einen Grundbeitrag leistet, auf der die menschliche Moral basiert. Aus diesem Buch ergeben sich weitreichende Folgen für die Sozialwissenschaften,die nach Kagan noch in den Kinderschuhen stecken. Diese sollten nach Kagan grundlegend andere Methoden entwickeln, um ähnliche Erkenntnisfortschritte zu ermöglichen, wie es in der Biologie, Chemie oder Physik längst üblich ist. Dieses Buch sei jedem empfohlen, der fernab verkrusteter Ideologien

einen provozierenden Lesestoff bevorzugt.
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16 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
kritisch und fundiert 16. Mai 2001
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Dieses Buch ist super. Nach der Lektüre hat man das Gefühl, dass das was man in der Alltagspsychologie so kennt, zum größten Teil wahrscheinlich falsch ist. Naja, es gibt Gott sei Dank noch Kenner der Szene, die ihr Fachgebiet fundiert kritisieren können. Gerade in der Psychologie scheinen viele sich für Experten auszugeben/zu halten. Auch der vor allem von Psychoanalytiker immer benutzte Kindheitsdeterminismus ist quasi empirisch widerlegt. Das interessiert die Vertreter der Psychoanalyse herzlich wenig, klar wer sein Paradigma als Religion versteht interessiert sich natürlich nicht für das was links und rechts passiert. Dieses Buch ist meiner Meinung nach ein wichtiger Beitrag zu einer selbstkritischen Betrachtung der Psychologie und ist vor allem auch Laien zu empfehlen, da es einfach und verständlich geschrieben wurde.
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