Ein geliebter Mensch verlässt die gemeinsame Wohnung und das gemeinsame Leben. Zurück bleibt der Verlassene: Verzweifelt, verwirrt, leer. Die Eltern des Anderen holen seine Dinge ab. An den Dingen macht der Verlassene seine Verletzung fest. "Wer isst jetzt die Orangenmarmelade? Und wer zahlt mir die 40 Euro zurück?" Ein geliebter Hund stirbt im Haus der Mutter und mit ihm stirbt sinnbildlich die Macht eines tyrannischen Vaters. Die Mutter hat zugleich im Lotto gewonnen und befreit sich aus einem Leben voller Tristesse und Terror. Der Sohn baut eine neue Beziehung zu ihr auf in den Tagen des Sterbens. Als sie den Hund begraben, erschaffen sie ein neues Leben für sich. Finn-Ole Heinrich erzählt diese beiden Geschichten so präzise, dass es Lust an der Sprache macht und so intensiv, dass es einen emotional trifft. Es geschieht wenig und zugleich ganz viel in diesen Geschichten. Wo andere tausend Seiten "plotten", ohne dass Relevantes passiert, versetzt Heinrich ganze Seelenwelten. Spaceman Spiff streut Lieder zwischen die Literatur, die ähnlich funktionieren. Er macht wenig mit der Gitarre und der Stimme, aber alles glüht vor Genauigkeit. Und berührt. Die Geschichten sind sachte mit Musik unterlegt, die erste mit einem steten Pluckerbeat, der erst stört und einen dann in die hoffnungslose Trance des Verlassenen hineinzieht wie ein Herzschlag. Der muss ja auch immer weitergehen, selbst wenn das Herz gebrochen wurde. Einer der besten jungen Schriftsteller und einer der besten jungen Singer-/Songwriter haben hier sinnvoll und ganz still mitreißend ihr Wesen verschmolzen. Fantastisch.