Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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46 von 54 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine reife und ausgewogene Interpretation, 21. Oktober 2009
Wer Murray Perahias Bach-Interpretationen schätzt, wird auch Pollinis Interpretation des "Wohltemperierten Klaviers, 1.Teil" zu schätzen wissen! Natürlich ist es heutzutage eine Streitfrage, ob man Bach im Sinne der historischen Aufführungspraxis auf einem Cembalo, oder wie hier "traditionell" auf einem modernen Konzertflügel spielen sollte. Die Ausdrucks- und Differenzierungsmöglichkeiten des Konzertflügels übertreffen die doch eher monotonen Klangfarben auch des besten Cembalos um ein Vielfaches, insbesondere, wenn ein Künstler vom Range eines Pollini in die Tasten greift!
Pollini hat sich seit vielen Jahrzehnten mit Bachs "Wohltemperiertem Klavier" beschäftigt und diese "Wanderung durch den Quintenzirkel" mit jeweils 24 Präludien und Fugen wiederholt zyklisch in vielen bedeutenden Konzertsälen aufgeführt. Das Ergebnis dieser langjährigen Erfahrung liegt jetzt endlich auf CD vor, es kann als ausgereift und ausgewogen bezeichnet werden, jenseits aller Extravaganzen z.B. eines Glenn Gould, oder der zwar rhythmisch-prägnanten aber emotional doch eher unterkühlten Darstellung eines Martin Stadtfeld oder auch Friedrich Gulda. Svjatoslav Richters Version ist in Tempowahl und Dynamik extremer, ausgeprägt meditative Momente kontrastieren z.T. allzu extrem mit raschen Tempi oder etwas überzogener Dynamik.
Pollini findet die Mitte, für meine Begriffe kommt er dem Ideal sehr nah. Die so unterschiedlichen Präludien und Fugen in den 24 Dur- und Moll-Tonarten werden in ihrer (tonartenspezifischen) Charakteristik spannend und abwechslungsreich wiedergegeben. Dass Pollini insbesondere bei den Fugen mitsingt, mag den einen oder anderen Hörer stören, mich stört es nicht, da es dokumentiert, wie sehr dieser große Pianist in dieser Musik lebt!
Fazit: eine ausgereifte und spannende Wiedergabe dieses wundervollen Klavierzyklus, sehr empfehlenswert!!
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16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
große Enttäuschung, 5. Dezember 2009
Diese CD habe ich blind im Vertrauen auf den Interpreten gekauft, dessen Chopin-, Brahms- und modernen Aufnahmen Referenzcharakter besitzen. Umso größer die Entäuschung: Es handelt sich um eine völlig überpedalisierte undifferenzierte Aufnahme, die zu einem z.T. grotesken Klangbrei führt (z.B. Präludium c-moll). Dazu eine völlig inkonsequente Stimmführung, indem Themen in der Verarbeitung nur noch teilweise herausgearbeitet werden. Zuletzt präsentiert er Präludien allzu Chopin-nah als bloßes jeu perlé.
Dies alles wird verstärkt durch die schlechteste Aufnahmetechnik, die ich in den letzten Jahren erlebt habe: Es hallt (Münchner Herkulessaal), als ob die Aufnahme in einer Turnhalle entstanden sei - mit dem Flügel in der einen Ecke und den Mikrofonen in der anderen.
klare Empfehlung: Finger weg, das Geld ist in praktisch jede andere Aufnahme besser investiert (mindestens in Gulda, Perahia und Gould).
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Warten hat sich gelohnt. Die Referenzeinspielung des WTK Band I, 4. November 2009
Pollini zwingt zum Hinhören
Das lange Warten hat sich gelohnt. 1985 hörte ich zum ersten Mal, dass sich Maurizio Pollini mit dem Wohltemperierten Klavier von Bach beschäftigt. Leider hatte ich keine Möglichkeit, den Maestro mit diesem Zyklus live zu erleben.
Nun legt Pollini seine Einspielung des ersten Buches vor und reiht sich ein in die zu Recht berühmten Einspielungen von Gould, Gulda, Richter, aber auch von Till Fellner oder Vladimir Ashkenazy. Nach mehrerem genauen Hinhören meine ich: das ist Pollinis gradus ad parnassum. Eine grandiose Einspielung, für mich die Referenz.
Maurizio Pollini verzichtet, im Gegensatz beispielsweise zu Glenn Gould, auf alle pianistischen Manierismen.
Er zwingt zum genauen Hinhören. Seine Dynamik, seine Agogik kommen höchst differenziert daher, wie schon das C-Dur- Präludium BVW 846 in seinen ersten Takten zeigt. Vorwärtsdrängend und doch nicht ungeduldig. Die Basslinie betonend, ohne diese zu übertreiben.
Im D-Dur Präludium BVW 850 entdeckt Pollini für sich und uns einen beschwingten Tanzrythmus, den er äußerst sensibel und ohne jegliche Aufdringlichkeit hörbar und erlebbar macht. Das ist höchste Kunst, Ergebnis einer ständigen und höchst ernsthaften Auseinandersetzung mit der Klavierliteratur von Bach bis Berio.
Maurizio Pollini gelingt es, das richtige Maß zu finden. Einfach großartig und staunenswert.
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