Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mit einem Wort: Genial, 16. Oktober 2008
Ang Lee hat es mal wieder geschafft mich zu überraschen. Ich glaube ich kenne keinen Regisseur, der es beherrscht so ganz und gar unterschiedliche Filme zu machen. Seine besondere Stärke liegt meines Erachten darin, den Figuren Tiefe zu verleihen und dieses Kunststück gelingt ihm auch in diesem eigentlich unterkühlten Drama. Auch welchen Raum hier die Liebe einnimmt, obwohl sie so selten zum Zug kommt ist erstaunlich.
Man fühlt sich vage erinnert an einen Wong-Kar-Wai-Film: "In The Mood For Love". Auch dessen Hauptdarsteller hat man sich ausgeliehen: Tony Leung.
Schauplätze 1938 / 41 Hongkong und Shanghai
Zur Handlung:
China in der Zeit des Umbruchs: Das Land wandelt sich von einer Feudalgesellschaft zu einer Republik.
Eine Gruppe chinesischer Studenten gruppiert sich aus einem patriotischen Theaterprojekt heraus zu einer zunächst selbstorganisierten Terrortruppe. Ziel ist ein gewisser Herr Yi, der mit den Japanern kollaboriert und daraus kräftig Kapital schlägt. Er spielt sich wohl auch als Folterer und Richter auf. Sie wollen diesen Yi ermorden. Dabei benutzen sie die junge Wang Jiazhi als mondänen Lockvogel, der sich unter einem schillernden Pseudonym (Frau Mak ) mit Yis Ehefrau befreundet, um so an ihn heranzukommen. Bald beginnt sie ein Verhältnis mit dem extrem vorsichtigen und schwer beschützten Herrn Yi, um ihn in eine tödliche Falle zu locken...
Der Film läuft sehr langsam an und er verschafft auch keinen politischen und gesellschaftlichen Gesamtüberblick über die Kriegssituation und das von Japan zum Teil besetzte China. Das Mahjongspiel und die Gespräche am Spieltisch nehmen viel Raum ein. Man wird aber, wie so oft bei einem Film oder Buch, für das Ausharren belohnt und auch wenn es nie ein Actionreißer wird, übte die Story einen unaufhaltsamen Sog auf mich aus und ich wuchs in meinem Sessel fest, nicht in der Lage mir vorzustellen, wie das ganze noch enden mag. Obwohl man ähnliche Filme "Frau verführt inkognito einen Mann um ihn auszuliefern" schon öfters gesehen hat, bleibt der Film, vor allem durch seine Atmosphäre und die komplexe Gefühlswelt einzigartig. Der Blick bleibt sehr nah an den einzelnen Figuren, besonders an Wang Jiazhi bzw. Frau Mak, intensiv gespielt und unwiderstehlich schön: Tang Wei heißt diese Jungschauspielerin, die hier ihre erste Hauptrolle spielt! Sie schafft es sich mit winzigen Gesten und Blicken mitzuteilen. Es ist eine wahre Freude ihr zuzusehen. Ich wette von ihr wird man noch hören.
Hongkongs Filmstar Tony Leung "gelingt es, den mühsam maskierten Selbsthass des Kollaborateurs Yi zu offenbaren und verleiht ihm zugleich eine fast zarte melancholische Aura." Zitat Filmdienst
Die Sexszenen sind zwar in ihrer Gewalttätigkeit und detaillierten Darstellung verstörend, passen aber zu dem schwer fassbaren Charakter des Herrn Yi, der, in einer Stelle es Films wird es ausgesprochen, diese Gewalt braucht um sich zu spüren. Man kann sich natürlich streiten ob es dieser freizügigen Szenen bedurfte aber diese gewisse Art von Sex ist nun mal der Katalysator für die Beziehung zwischen und Herrn Yi und Wang Jiazhi. Auf traditionelle Art hätte diese Beziehung nicht funktioniert, ja nie stattgefunden. Trotzdem wahrt der Film auch irgendwie die Diskretion.
Aber: Je länger dieses Versteckspiel von Wang Jiazhi als sinnlicher Köder andauert, desto mehr verliert sie sich in dieser Rolle, und verliert auch gleichzeitig den Halt in ihrer eigentlichen Funktion als Terroristin.
Leider verliert sich manchmal auch die Geschichte ein wenig, aus der Story hätte man durchaus noch etwas mehr herausholen können. Dies ist nicht Ang Lees stärkster Film. Aber fast.
Die Schauspieler sind bis in die klitzekleinsten Nebenrollen wirklich allererste Sahne!
Die Kamera üppig, elegant, kühl und trotzdem voller unterdrückter Gefühle. Wie der Film selbst.
DVD: Bildschärfe und Farben werden den prächtigen Bildern des Filmes gerecht.
Deutsch 5.1 Chinesisch 5.1, deutsche Untertitel,
Bonus: Featurette, 7 versch. Interviews , B-Roll, Trailer
Titel: Gefahr und Begierde / Lust, Caution / Se Jie
Regie: Ang Lee
Länge: 156 (Min)
China / USA 2007
FSK: 16
Hauptdarsteller:
·Wang Jiazhi/ Frau Mak - Tang Wei
·Herr Yi - Tony Leung
·Kuang Yu Min - Lee-Hom Wang
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33 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine erotische Tragödie, 21. Januar 2008
Man sollte sich den Film nicht wegen der Bettszenen ansehen. Man sieht zwar in der zweiten Hälfte des Films durchaus viel, viel nackte Haut, viele verschiedene Stellungen, sogar mehr als in fast allen anderen Kinofilmen. Wer aber hinter die Oberfläche sieht, wird in den Bettszenen weniger Erotik als viel mehr Traurigkeit sehen. Und selbst wenn die Hauptdarstellerin hier sehr schön anzusehen ist, bei einem auch nur einigermaßen sensiblen Beobachter wird das genannte Gefühl die eigentlich schönen Bilder dominieren.
Aber fangen wir mit dem Beginn der Geschichte an. Es geht um eine Gruppe von jungen Studenten, die - so würden wir heute sagen - eine Terrorgruppe gründen. Zwar stehen sie auf der Seite der Guten, nämlich auf Seiten der Nationalchinesen, die unmittelbar vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gegen die in China einmarschierten Japaner und die chinesischen Kollaborateure kämpfen. Aber dennoch, man kann es nicht anders beschreiben, es geht hier um die gefährliche Mischung aus Fanatismus, Naivität, Gruppendynamik und Nichtwissen, die Menschen zu extremen Mitteln greifen lässt. Eine Handlungsweise, die wir heute nun einmal Terrorismus nennen. Und am Ende muss natürlich nicht das eigentliche Ziel, der kommende Mann der japanfreundlichen Marionettenregierung dran glauben, sondern ein ganz anderes, ungeplantes, vielleicht sogar zufälliges Opfer. Es geht dabei nicht mehr um die Frage, ob die Taten gerechtfertigt sind. Entscheidend ist, dass alle Planungen aus dem Ruder laufen. Und so ist es schnell vorbei mit den großen Idealen und den Aufbruchsjahren und der Jugend der Studenten.
Alle Beteiligten sehen sich erst drei Jahre später wieder. Nicht nur die Studenten, sondern auch der Kollaborateur, das geplante Opfer. Doch alle sind mittlerweile zerstörte Menschen. Am stärksten wird das klar in der Person des mittlerweile zum Minister beförderten Volksfeinds. Und am allerklarsten wird das in den eingangs beschriebenen Bettszenen mit der jungen, schönen Studentin, die ihn in eine Falle locken soll. Ist er im ersten Teil noch eleganter Verführer, der gerade nicht den letzten Schritt macht, ist jetzt bereits die erste sexuelle Begegnung zwischen beiden als Vergewaltigung inszeniert - trotz der Bereitschaft der Studentin, sich nicht nur mit ihm einzulassen sondern ihn sogar aktiv zu verführen. Und es geht so weiter. Diesen Mann, der eine zerstörte Seele und eine zerstörte Sexualität hat, kann kaum noch etwas reizen. Er lässt durchblicken, dass er Menschen foltert, dass er deshalb zu keinen Gefühlen mehr fähig ist. Und man sieht ihn leiden. Selbst im Bett mit einer schönen Frau. Aber auch die andere Seite, die Auftraggeber des geplanten Mordes sind nicht besser. Mitgefühl haben alle Seiten in diesem Krieg längst verloren. Und so muss das alles natürlich am Ende in einer Katastrophe enden.
Spannung bezieht dieses Szenario eigentlich nur aus dem Thema Liebe, das sich ebenfalls durch den Film zieht, auch wenn es oft kaum erkennbar ist. Wird sich die schöne Studentin doch noch in den bösen Minister verlieben? Und ihn dann doch am Ende beschützen statt ihn den Attentätern auszuliefern? Wen verrät sie eigentlich am Ende? Ihren bösen, gewalttätigen Liebhaber, dessen Leidenschaften sie zu befriedigen versucht? Der zumindest im Rahmen seiner beschränkten Möglichkeiten versucht, Gefühle zu zeigen? Oder doch den gut aussehenden Studenten, in den sie sich im ersten Teil des Films verliebt hat, der sie aber permanent für die gute Sache verrät? Aber ist im Krieg überhaupt Raum für ein Gefühl wie Liebe? Muss man sich dagegen nicht sogar wehren?
Die Inszenierung ist natürlich herausragend, wie immer von Ang Lee, dem wir auch "Eissturm", "Das Hochzeitsbankett" und "Tiger and Dragon" verdanken. Man fühlt sich zu Hause im China der 30er und 40er Jahre, wenn man den Film sieht. Großartig ist insbesondere ein Besuch der beiden Hauptpersonen im Viertel der Japaner dargestellt. Es gelingt Ang Lee, die japanischen Invasoren und deren ja auch sehr artifizielle und ausgefeilte, jahrtausendalte Kultur im Vergleich zu China als eine Ansammlung von fremdartigen Barbaren und merkwürdigen Riten erscheinen zu lassen. Ein gutes Beispiel, wie suggestiv die eigentlich unauffälligen Bilder des Films wirken können. Die Haupt- und Nebendarsteller leisten großartiges. Selbst die aus "Twin Peaks" bekannte Joan Chen als gelangweilte Hausfrau weiß zu überzeugen. Die sparsam eingesetzte Musik leistet viel. Der Film enthält wenig Action aber viel Psychologie, die aber nie langweilig wird.
Ein Film, der seine Preise verdient hat.
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8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein historisch erotischer Spionagethriller, 17. Mai 2008
Siebenunddreißig Seiten lang ist die Kurzgeschichte der chinesischen Schriftstellerin Eileen Chang, die Ang Lee (Brokeback Mountain)zur Vorlage für seinen Film nimmt. Daraus machen er und sein langjähriger Drehbuchautor und Produzent James Schamus ein Zweieinhalbstundenepos. Das verlangt Geduld vom Zuschauer. Ein gewisses Missverhältnis sind diese 159 Minuten, gerade auch deswegen, weil Lee bei der Verfilmung von Jane Austens mehr als vierhundert Seiten dicken Roman "Verstand und Gefühl", mit dem Titel "Sinn und Sinnlichkeit" (2002), schon nach 131 Minuten zum Ende gekommen ist. Jetzt kehrt der zweifache Oscar-Preisträger mit einem neuen berauschend-sinnlichen Meisterwerk zurück.
Zum Plot: Drehort des Films ist das pulsierende Shanghai der 40 er Jahre während der japanischen Besetzung und des chinesischen Widerstandes. Wie große Teile Chinas leidet auch die pulsierende Metropole unter der Besatzung der Japaner. Die Protagonistin Wang Jiazhi (die Debütantin Tang Wei) ist ein gutes Mädchen das den Job eines bösen Mädchens verrichtet. Sie, die ihr doppeltes Spiel hinter zwei Identitäten verbirgt, wird zu Anfang unter dem Namen Mak Tai Tai eingeführt und nimmt mit drei anderen Frauen 1942 in Shanghai, im Hause eines hohen Beamten, an einer Partie Mahjong teil. Als Herr Yi (Tony Leung), der mit der japanischen Besatzungsmacht kollaboriert, nach Hause kommt, verraten zunächst nur verstohlene Blicke, das zwischen ihm und Mak ein wohl gehütetes Geheimnis besteht. Kurze Zeit später tätigt Mak in einem in der unmittelbaren Nachbarschaft liegenden Cafe einen Telefonanruf, der nur aus einem Satz besteht: "Die Operation kann starten."
Nun folgt ein Rückblick auf den Campus der Universität Hongkong im Jahre 1938. Wang schließt sich einer patriotischen Theatergruppe an, die im Untergrund Widerstand gegen die japanischen Besatzer leistet und die es sich zum Ziel gemacht hat, den hohen Beamten und Kollaborateur Yi in eine tödliche Falle zu locken. Die Verschwörer beschließen, dass Frau Mak versuchen soll das Vertrauen von Herrn Yi zu erlangen, um mit ihrer Hilfe einen passenden Moment für ein Attentat auszukundschaften. Doch erst drei Jahre später führt der elegante Herr Yi überraschend einen kleinen Tanz auf, um sich mit Wang Jiazhi unterm Regenschirm begegnen zu können. Diese Szene gehört zu den schönsten im Film und ist der Beginn einer langsamen Annäherung. Zwischen beiden beginnt eine sadomasochistische Affäre, bei der nur schwer auszumachen ist, ob Frau Mak noch ihrem Auftrag folgt oder ihrem Herzen. Dass die beiden sich ineinander verlieben, durchkreuzt anfangs das geplante Vorhaben. Wenn es auch zunächst den Anschein hat, dass sich nicht nur die verführerische Frau Mak immer mehr in einem Netz aus Gefahr, Begierde und Obsessionen verliert, ist doch schwer zu sagen, wer hier der Jäger und wer die Beute ist. Der skrupellose Herr Yi nutzt den Sex, um endgültig herauszufinden, wer die Frau wirklich ist. Endlich allein mit der jungen ultimativen Schauspielerin Wang Jiazhi, die so gar nicht zur Mata Hari zu taugen scheint, vergewaltigt der Verhörspezialist Herr Yi sie in einer brutalen Attacke. In einer Wohnung, die er eigens zu solchen Zwecken zu unterhalten scheint, kettet er sie mit Handschellen ans Bett. Das hatte man einem mit melancholischen Augen daher kommenden Leung nicht zugetraut. Frau Mak spielt die Rolle ihres Lebens, doch aus körperlicher Lust entwickelt sich mehr und mehr ein obsessives Verhältnis, ein gefährliches Roulette der Gefühle und einer grenzenlosen Begierde, in dem sie sich schließlich verliert.
Auch wenn der Film den Goldenen Löwen von Venedig als Bester Film und Beste Kamera bekommen hat, muss Kritik erlaubt sein. Gefahr und Begierde" hätte noch ein wesentlich besserer Film werden können, hätte Ang Lee die ersten fünfzig Minuten auf schlappe zehn gerafft und sich auch später von der einen oder anderen langatmigen Szene beim schwer begreiflichen Mahjong - Spiel, oder in der Wohngemeinschaft der dilettierenden Widerstandskämpfer getrennt. So bleibt über lange Szenen leider nur ein schön fotografiertes, langatmiges Melodram, auch wenn uns Lee dabei Sexszenen von einer Bildschärfe und Deutlichkeit zeigt, wie sie es sie zuvor mit chinesischer Besetzung noch nie gegeben hat. Auch wenn man in China auf Grund dieser Sexszenen nur eine verstümmelte Version zu sehen bekommt, wird der Eindruck von einer Amour fou vermittelt, wie das Kino sie liebt und wie Ang Lee sie zu drehen versteht. Ein sehr vielschichtiger Film, um Liebe und Verrat, Lust und Täuschung, atmosphärisch unheimlich dicht. Ein Film der unter die Haut geht.
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