Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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44 von 48 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Brillante Einfälle, erstklassige Darsteller, eine universelle Botschaft - perfekte Unterhaltung, 8. Juli 2007
Steuerfahnder Harold Crick beginnt einen neuen Tag wie unzählige andere davor. Nur mit dem Unterschied, dass jeder seiner Schritte und jede seiner Handlungen von einer allgegenwärtigen Frauenstimme kommentiert werden. Als ihm der eigene Tod angekündigt wird, setzt er alles daran, den Lauf des Schicksals bzw. die Absicht seiner Schöpferin (?) zu ändern.
Die ungewöhnlich, für geradlinige Gemüter (bspw. Steuerfahnder) gar zu schräg anmutende Story weiter zu erläutern, ist unmöglich, ohne verblüffende Handlungstwists zu verraten. Daher bleibt zunächst nur der Verweis auf ähnlich verrückte Streifen wie BEING JOHN MALKOVICH, ADAPTION und VERGISS MEIN NICHT.
Ebenso wie in letztgenanntem Werk Jim Carrey gelingt in STRANGER THAN FICTION Will Ferrell ein Meilensprung vom Komiker zum ernstzunehmenden Leading Actor. Wer sein reduziertes Spiel als Untalent herabredet, hat vermutlich den tragikomischen Charakter Harold Crick nicht verstanden, dessen anfangs unscheinbarer, fast deprimierender Erscheinung sich der normalerweise extrovertierte Ferrell bemerkenswert unterordnet. Die graduell und subtil vollzogene Wandlung zum sympathischen Liebhaber meistert er dann umso anrührender (und sehr viel glaubwürdiger als im leider gescheiterten VERLIEBT IN EINE HEXE).
Emma Thompson - Seiten könnte man über ihre Schauspielkunst füllen! Die kettenrauchende Schriftstellerin mit Schreibblockade und zynischer Weltsicht erfüllt sie derart oscarreif mit Leben, dass man jeder von ihr getragenen Szene entgegenfiebert. Verbal Paroli bietet ihr das immer wieder gern gesehene Energiebündel Queen Latifah (CHICAGO) als Assistentin. Die Show wird ihr lediglich von Dustin Hoffman gestohlen, der mit seiner jüngsten Rollenwahl unerhört kontinuierlich ein glückliches Händchen bewiesen und meist kleine Parts ganz groß und denkwürdig gemacht hat (WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN, DAS PARFUM). Als koffeinsüchtiger Literaturprofessor darf er die Mehrzahl der komischsten Dialoge - siehe "die 23 Fragen", ein Brüller - bestreiten.
Die letzte Hymne sei Maggie Gyllenhaal, der nicht minder talentierten Schwester von Jake (BROKEBACK MOUNTAIN), gewidmet, deren längst überfällige Entdeckung durch ein breiteres Publikum als den heimlichen Fans von SECRETARY hoffentlich auf diesen Film folgt. Selten, wenn nicht sogar nie sah man eine anmutigere, wortgewandtere Bäckerin auf der Leinwand.
Bereits seit STAY wird der Rezensent mit jeder Ankündigung eines neuen Werkes des Schweizers Marc Forster, auf dessen Konto so unterschiedliche Genrebeiträge wie MONSTER'S BALL und WENN TRÄUME FLIEGEN LERNEN gehen, in vorfreudige Erregung versetzt. Nicht vielen Regisseuren gelingt dermaßen unangestrengt und teilweise liebevoll die verschiedensten Emotionen im Zuschauer zu wecken, ohne dabei den Intellekt zu vernachlässigen. Ein Kunststück, das wir gerne noch sehr viel öfter bestaunen wollen. Dieses Feelgood-Movie behalten wir solange als Meisterstück in wohliger Erinnerung.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ich denke, also müsste ich doch sein, oder? , 2. August 2007
Harold führt ein vollkommen strukturiertes Leben. Es ist Steuerprüfer, achtet pingelig auf Ordnung, Pünktlichkeit und Sauberkeit und erfüllt auch sonst sämtliche Klischees einen langweiligen Spießers.
In seine genauestens verplante und streng rationale Welt paßt es nun gar nicht, dass er plötzlich Stimmen hört. Genauer gesagt eine Stimme und die spricht auch nicht zu ihm, sondern über ihn.
Da Psychotherapeuten ihm nicht helfen können, treibt es ihn in seiner Verzweiflung zu einem Literaturprofessor. Der nimmt sich dem ungewöhnlichen Fall an behauptet nach einigen Nachforschungen, dass Harold die Hauptperson des sehnsüchtig erwarteten neuen Romans einer bekannten, aber sehr zurückgezogen lebenden, Autorin sein müsse. Eine Schriftstellerin die ausgerechnet dafür bekannt ist, dass ihre Hauptfiguren am Ende der Geschichte das Zeitliche segnen.
Die Aussicht auf einen baldigen Tod gefällt Harold ganz und gar nicht, hat er sich doch erst kürzlich in eine schöne Bäckerin verliebt und auch sonst ganz andere Pläne für seinen weiteren Lebensweg. So versucht er Kontakt zu seiner Meisterin aufzunehmen und sich gegen die Fremdbestimmung zur Wehr zu setzen.
Statt die verschiedenen Realitätsebene zu trennen, vermischt "Schräger als Fiction" diese ganz bewußt, so dass die Grenzen verwischen. Eine strenge Analyse der Handlung würde fraglos den einen oder anderen Logikfehler aufdecken, aber dadurch beraubt man sich der philosophischen Gedanken die hinter all dem stecken. Ist Harold eine Romanfigur die sich verselbstständigt hat, oder ist er ein normaler Mensch, der seine Individualität zurückgewinne muss? Ist unsere gesamte Welt nur die Illusion eines höheren Universums? In wie weit hat man sein Schicksal selbst in der Hand?
Inhaltlich ist der Film mehr als die Summe seiner Teile. Zwar mangelt es der Liebesgeschichte an Komplexität und die Handlung ist weder dramatisch tiefschürfend noch umwerfend witzig oder spannend, aber am Ende kommt dabei ein skurriles und intelligentes Filmvergnügen heraus.
Neben der originellen Grundidee überzeugen vor allem die großartigen Schauspieler. Emma Thompson, Dustin Hoffman und Maggie Gyllenhaal brillieren in Nebenrollen und Will Ferrell, der bislang vor allem in überdrehten Slapstick-Rollen aufgefallen ist, beweist, dass er auch leiseren und hintersinnigen Humor transportieren kann.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Geben Sie diesem Film eine zweite Chance - auf englisch!, 28. Dezember 2008
Ein gutgemeinter Hinweis: Filme, deren Titel ins Deutsche übersetzt werden und dabei klingen, als hätte man ihnen im Akt der Übersetzung alle Knochen gebrochen, sollte man nicht in der deutschen Synchronfassung sehen. Zugegeben, um STRANGER THAN FICTION auch nur annähernd adäquat überetzen zu können, hätte man das Vokabular des Originaltitels gänzlich fallenlassen und neue Wege gehen müssen. Dass dies nicht getan wurde, spricht Bände für das, was einen in der deutschen Fassung erwartet. Der deutsche Titel SCHRÄGER ALS FIKTION jedenfalls liest sich wie eine Fahrt quer zur Panzerspur.
Warum also gebe ich diesem Film 5 Punkte? Und warum sollten Sie ihm eine zweite Chance geben? Deswegen: Weil es sich hierbei um eine der ganz wenigen Komödien der neueren Kinogeschichte handelt, die Tiefe besitzen und eine Geschichte erzählen, kurz: die so etwas wie eine Seele haben.
Nur funktioniert der Film leider nicht auf Deutsch. Ich habe es versucht. Ich habe den Film in der deutschen Fassung angesehen und dachte: Na ja, ganz nett? Und dann sah ich ihn in der englischen Originalfassung. Was ich zu sehen bekam, war ein lustiger, bewegender, nachdenklich machender Film, der durch die Darstellungen und vor allem den Sprachgestus der einzelnen, hervorragend besetzten Figuren getragen wird, die in der Synchronisation komplett untergepflügt werden. Will Ferrels perfekt austarierte Drögheit in der Darstellung des Steuerbeamten Harold Crick und deren allmählicher Verfall wirkt in der deutschen Synchronisation so, als stehe der Mann dauerhaft unter Tranquilizern. Emma Thompsons insbesondere in den Voice-Over-Passagen wunderbar ausgespielter britischer Akzent gehen in der deutschen Fassung einfach vor die Hunde. Die wunderbare Maggie Gyllenhaal und der knorrige Dustin Hoffman werden ebenfalls ins Mittelmaß einsynchronisiert. Es gibt einfach Filme, denen unsere deutsche Behandlung der Synchronisation ganz und gar nicht bekommt. Dieser ist einer von ihnen.
Beispiel gefällig? Harold Crick (Will Ferrell) schenkt der von Maggie Gyllenhaal gespielten Plätzchenbäckerin eine Sammlung verschiedener Mehlsorten. Das mag vielleicht putzig sein, aber in der Originalversion wird es poetisch: "I've brought you flours." Und genau dieser Reibungsverlust in der Übersetzung kostet den Film in meinen Augen Kopf und Kragen.
Die Geschichte selber ist natürlich auf den ersten Blick abenteuerlich. Der dröge Steuerbeamte Harold Crick (Will Ferrell) hört plötzlich eine weibliche Stimme, die seinen Tagesablauf und seine innersten Gedanken nur für ihn hörbar narriert. Die anfängliche Irritation schlägt in blanke Not um, als schließlich an der Bushaltestelle ein verhängnisvoller Satz fällt, der mit den Worten "Little did he know that this seemingly insignificant incident ..." beginnt und auf "... would lead to his imminent death" endet.
Auf seiner Suche nach der unsichtbaren Erzählerin wendet sich Harold Crick unter anderem an einen Literaturprofessor, der ihm nach einigem Hin und Her die Aufgabe stellt, herauszufinden, ob er sich in einer Tragödie oder eine Komödie befinde. STRANGER THAN FICTION vollbringt das Kunststück, potentiell beides sein zu können, eine Tragikomödie im besten Sinne, die im kleinen über das Schicksal des fremdgesteuerten und dagegen rebellierenden Harold Crick referiert, aber nichtsdestotrotz an der ganz großen Frage kratzt, ob nicht auch unser aller Leben von einem auktorialen Erzähler bereits vorgeschrieben ist und es sich nicht möglicherweise dagegen zu kämpfen lohnt. Und das ganze mit einem herzerwärmenden Humor und mit wunderbaren Schauspielern.
Die Extras - das nur als abschließende Einschätzung - sind auf dieser DVD ebenfalls großzügiger hinterlegt als das für gewöhnlich der Fall ist. Es gibt eine ganze Reihe von Outtakes bzw. Hintergrundinformationen zum Film und diverse Kurzdokumentationen, von einem doppelten Kommentar ganz zu schweigen (einziges Manko: zum Teil ohne Untertitel). Das Geld ist also gut angelegt.
Fazit daher: Unbedingt gucken. Und unbedingt auf englisch. Bitte!
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