Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
unschlagbarer film aber selbst erschlagen danach, 10. Oktober 2007
Der freie Wille ist ein Film der sich nur schwer mit einem der Filme vergleichen lässt, die ich vor diesem Film gesehen habe. Er überrascht und schockiert zugleich, zeigt Dinge von einer Seite, von der sie nur selten zu sehen sind und dies auf eine so natürliche und reale Weise, dass man sich teilweise selbst angegriffen fühlt. Doch das macht den Film zu dem was er ist.
Ein Sexualstraftäter wird aus dem Gefängnis entlassen. Zunächst steht nicht die Opfergeschichte einer Vergewaltigung im Vordergrund sondern das Schicksal des Täters selbst, wie man es nur selten betrachtet. Wie schwer es ist, sich zu resozialisieren; wie auch Kraft und Wille nicht reichen um diesem "Drang" zu entfliehen. Als er ein Mädchen kennen lernt, scheint ihm das den nötigen Halt zu geben um in unserer Gesellschaft, in der über Sexualität offen gesprochen und überall damit geworben wird, zu bestehen.
Doch es wird nicht nur über ihn gesprochen, radikal und ohne Rücksicht auf Gefühle der Zuschauer werden Szenen gezeigt, die das Schicksal und die Not der Opfer so deutlich zeigen, wie wir es vielleicht gar nicht sehen wollen.
Zeigen ist sowieso das, was der Film mehr macht als alles andere. Die richtige Stimmung muss nicht durch Filmmusik erreicht werden, sie stellt sie, wenn man sich auf die Thematik des Filmes einlässt schnell von selbst ein. Gespräche werden nur so geführt, wie sie real sind. Die Gedanken der Charaktere werden nicht unnötigerweise verbalisiert, was den Film zu einem macht, der den Alltag und das Leben zeigt wie es ist.
Das macht wohl auch die Erschlagenheit aus, die sich am Ende einstellt. Man wird gezwungen nachzudenken. Wer schuld hat. Warum wer schuld hat.
Man fühlt mit dem Täter, mit dem Opfer. Man ist selbst die Gesellschaft. Man bekommt vor Augen geführt, wie schwer es sein kann mit Problemen umzugehen, die wir nicht kennen.
Ein ganz und gar großartiger Film, der näher beleuchtet was länsgt hätte näher beleuchtet werden sollen und der zeigt, dass pauschale Urteile nicht angebracht sein können.
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30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Tat des Vergewaltigers verdammt nicht nur das Opfer und den Täter, sie verdammt die Welt, 29. April 2007
Es gibt immer wieder Filme (zum Glück gibt es sie) bei denen man zugleich sagen muss: "Schau dir das unbedingt an, aber ich glaube, du wirst es nicht sehen wollen". Was so widersprüchlich wirkt, ergibt sich schnell durch die Eigenart des Gegenstandes:
"Der freie Wille" ist ein Film über Vergewaltigung, allerdings ignoriert er weitgehend die Opfer und stellt den Täter als Hauptperson in den Mittelpunkt. Zwangsläufig entwickelt der Betrachter Emotionen für und gegen diesen Täter, er hat Mitleid und Verständnis bei gleichzeitiger Abscheu und Verurteilung. Ebenso ergeht es dem ganzen Film: Er ruft Interesse und Empathie hervor und führt doch dazu, dass man sich abwendet und sich fragt, ob es gut ist, dass zu sehen.
Es bedarf sozusagen der Vereinbarung sich auf die Persektive des Films für die Dauer der Laufzeit (164 min.!!) einzulassen und erst nachträglich Fragen zu stellen.
Theo Stoer wird vorgestellt als cholerischer Mensch, der (bereits in den ersten 15 Minuten des Films) eine junge Frau brutal vergewaltigt, was in fast allen Einzelheiten zu sehen ist. Neun Jahre und vier Monate später sitzt er - äußerlich verändert - ruhig vor einem Gremium, dass seine Haftenlassung in eine Wohngemeinschaft beschließen soll.
Es folgen Szenen voller Sprachlosigkeit und leiden an der Normalität des Alltags, in denen dieser Theo versucht bürgerlich normal zu leben. Diese bürgerlich normale Welt ist allerdings nicht unbedingt menschenfreundlich und voll von versteckten sexuellen Signalen, wie z.B. zahlreichen erotisierenden Werbeplakaten.
Dann lernen wir Nettie kennen, die Tochter des Druckereibetreibers, der Theo angestellt hatte. Vater und Tochter verbindet offensichtlich eine schwierige Vergangenheit, die eine Trennung nicht leicht macht, aber dennoch löst Nettie sich - und ist ähnlich einsam wie Theo.
Beide finden über Zufälle zueinander und es scheint, dass die gegenseitige Liebe ein neues, gemeinsames Leben ermöglicht. Aber, so drückt es Theo einem WG-Kollegen gegenüber aus, "es kommt wieder was". der Zuschauer wird erneut Zeuge einer Vergewaltigung. Nicht so explizit wie beim ersten Mal, aber immer noch schlimm genug, um nicht hinschauen zu wollen. Es wird nicht die letzte Szene dieser Art sein.
Hat Theo den Kampf gegen seine Triebe verloren? Gab es da einen Willenskampf? Kann und will Nettie ihm und sich helfen?
Der Film skizziert nur Charaktere. Wir wissen über diese Menschen fast nichts und so gibt es auch keine Erklärungsansätze für ihr Handeln. Wir beobachten nur, werden Zeugen der Monströsität des Alltags und den Abgründen unserer "normalen" Welt.
Der Film ist mit Handkamera und fast farblosem Material gedreht, die Inszenierung ist schlicht, im Stile eines Dogma-Films und Jürgen Vogel (Theo), Sabine Timoteo (Nettie) und Manfred Zapatka (Netties Vater) liefern so Grandioses, eben weil sie von den Zwängen der Erklärungen und Eindeutigkeiten befreit sind. Und es bleibt, was diesen Film wie ein kalter Hauch durchzieht: Fremdheit.
Der Film sagt weder, dass jeder nur so handelt, weil es sein freier Wille ist, noch wird behauptet, alle Menschen seien determiniert und ihr Schicksal unausweichlich. Gerade weil der Film so viele Möglichkeiten dazwischen bietet, ist er so verstörend und beängstigend.
Man sollte "Der freie Wille" gesehen haben, aber wirklich dazu raten, sich dem Film auszusetzen, kann man nicht.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Verstörend, 24. Oktober 2007
Eines gleich vorweg: der Film ist nichts für "Freizeitcineasten", die sich eben mal eine DVD reinziehen wollen. Man muss sich (möglichst frei von Vorurteilen) auf den Film einlassen und darf sich getrost auf ein paar harte Stunden gefasst machen.
Über die Handlung und die Arbeit des Ensembles wurde hier schon genug geschrieben. Mir persönlich gefällt u.a. die Tragik der Figur des Sozialarbeiters, seine Machtlosigkeit, seine Resignation gegenüber den Tatsachen des Lebens. Fazit: Auch Sozialarbeiter sind Menschen. Nur dass ihr Scheitern (in diesem Fall wohl eher: Überforderung aufgrund persönlicher Probleme) schlimmstenfalls ihre Schützlinge ins Verderben stürzen kann. Unter anderem.
Der Film enthält sich bewusst jeder Bewertung der Charaktere und deren Handlungen. Das zwingt den Zuschauer dazu, sich selbst mit den teils unerträglichen Tatsachen auseinanderzusetzen. Die meisten sozialkritischen Filme verwöhnen uns mit schablonierten Denkmöglichkeiten. Das erlaubt uns in den meisten Fällen, uns von der eigenen "political correctness" überzeugen zu dürfen. Dies funktioniert bei diesem Film nicht. Erstens ist er kein sozialkritischer Film, er ist überhaupt nicht kritisch. Er erzählt. Zweitens lässt er uns mit unserer im Verlauf der Handlung frisch erworbenen Selbsterkenntnis gnadenlos allein. Das verstört. Drittens liefert er uns keinerlei Anhaltspunkte über die Ursachen der gezeigten Unsäglichkeiten. Einzige Erklärungsmöglichkeit ist unser eigenes Verständnis (oder Unverständnis) der Geschehnisse und deren Auslöser - wobei ich mir im Verlauf des Films mehrmals wünschte, nichts verstanden zu haben.
Bei jedem anderen Film hätte ich die ausschliessliche Arbeit mit der Handkamera als negativen Kritikpunkt aufgeführt. Hier führt diese Art der Kameraführung dazu, dass wir uns mitten im Geschehen wiederfinden. Es gibt demnach kein Entkommen, wir sind Teil des Ganzen und es hilft auch nicht, die Augen vor den weiteren Geschehnissen verschliessen zu wollen. Das gelegentliche Zittern des Bildes deckt sich mit den Empfindungen des Zuschauers - die erschreckendsten Szenen sind zugleich auch die zittrigsten.
Ob "Der freie Wille" Überlänge hat oder nicht, kann ich nicht objektiv beurteilen. Der Regisseur erwähnt in einem der Interviews (Bonus-DVD), dass eine der längeren Versionen ihm um Einiges kürzer vorkam. Paradox? Wohl eher nicht. Ich kann das durchaus nachvollziehen. Ich persönlich brauchte die ganzen "langen", ruhigen Szenen, um mich auf die verschiedenen Charaktere einstimmen zu können. In einigen Details hätte ich mir durchaus mehr Information gewünscht, z.B. das Verhältnis zwischen Nettie und ihrem Vater, das Unvermögen des Sozialarbeiters oder auch die nächtlichen Wanderungen Theos. Doch der Film funktioniert, so wie er ist. Ob weniger in diesem Fall wirklich mehr wäre - darüber lässt sich streiten!
"Der freie Wille" ist einer der besten Filme, die ich je gesehen habe. Ich würde ihn trotzdem nur mit allergrösster Vorsicht weiterempfehlen denn manche Menschen dürften erhebliche Probleme mit der geistigen Verarbeitung des Gesehenen haben.
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