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36 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lachen und Weinen, 19. März 2005
Eigentlich ist hier schon alles Wichtige und Richtige über "Sommersturm" gesagt worden, aber ich kann es doch nicht lassen, auch noch meinen Senf dazu zu geben. Es ist verdammt schade, dass diesen Film im Kino nur relativ wenige Leute gesehen haben. Nicht, dass er ein Flop gewesen wäre, aber wenn man bedenkt, was für bescheuerte Streifen Millionen von Leuten vor die Leinwand ziehen, könnte man trotzdem das blanke Heulen kriegen."Sommersturm" beginnt eher wie ein durchschnittlicher ZDF/RTL/PRO7-Fernsehfilm, um dann im Laufe der Zeit immer deutlicher einen geradezu magischen Sog zu entwickeln, der ihn weit über den Durchschnitt emporhebt. Es ist die Coming-Out-Geschichte eines ganz normalen (schwulen) Jugendlichen mit allen tragikomischen Verwerfungen und Verwicklungen, die jedem selbst davon Betroffenen so schmerzlich in Erinnerung sind. Lachen und Weinen liegen hier stets ganz dicht beieinander. Zum Beispiel die Probleme mit dem anderen Geschlecht - diese manchmal ans Komödiantische grenzenden, letztlich vergeblichen Versuche, genau so zu sein und zu handeln wie deine besten Freunde, die nun mal alle auf Mädchen stehen. Die Versuche, deine wirklichen Gedanken vor ihnen zu verbergen. Und die Verzweiflung, wenn man sich mit seinen Gefühlen scheinbar niemandem offenbaren kann. Oder das erste wirkliche Verliebtsein in einen anderen Jungen. Die Woge von widersteitenden Emotionen und diese unglaubliche, im Leben immer wiederkehrende, geradezu existenzielle Enttäuschung, wenn der Auserwählte ganz unbedarft von seiner Freundin schwärmt oder gar in deiner Gegenwart mit ihr intime Zärtlichkeiten austauscht. All das und mehr zeigt der Film auf eine unglaublich natürliche und verständnisvolle Weise. In einem Hamburger Kino, ein paar Sitze neben mir, hörte und sah ich einen etwa 50-jährigen Mann, der von Weinkrämpfen geschüttelt wurde - anscheinend überwältigt von Erinnerungen an seine eigene Jugend, die durch gewisse Szenen wie ein Sommersturm wieder in ihm hochkamen. Und mir wäre es ganz ähnlich ergangen, wenn ich mich nicht mühsam zusammengerissen hätte (warum habe ich das eigentlich getan?). Der großartige Hauptdarsteller Robert Stadlober spielt hier vielleicht die Rolle seines Lebens, umgeben von weiteren erfrischenden Darstellern, die dieses Melodrama prägen. Nicht zu vergessen der phantastische, liebevoll zusammengestellte Soundtrack, der hier für eine Gänsehaut nach der anderen sorgt. Der Komponist Niki Reiser ist offensichtlich stark von dem unvergleichlichen Richard Robbins beeinflusst worden, der legendäre Merchant/Ivory-Werke wie "Maurice", "Was vom Tage übrig blieb", "Zimmer mit Aussicht" und andere mit seiner orchestralen Melancholie geprägt hat. "Sommersturm" prägt sich tief ins Bewusstsein ein, und man kann ihn sich immer und immer wieder ansehen. Was ließe sich letztlich Schöneres über einen Unterhaltungsfilm sagen?
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