|
|
38 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Absolut sehenswert!, 11. Februar 2005
Der Papst kommt nach Berlin und in der Nacht passieren einige interessante Geschichten. Das Obdachlosenpärchen Hanna (Meriam Abbas) und Victor (Dominique Horwitz) kommen zu 180 Mark und beschließen, sich einen schönen Abend zu machen und sich für eine Nacht ein Hotelzimmer zu nehmen. So richtig mit Dusche, Frühstück und allem drum und dran. Der Bauer Jochen (Oliver Bässler) will ein bisschen "Spaß" haben und gerät an Patty (Susanne Bormann). Doch statt "Spaß" erleben die beiden die Nacht ganz anders gemeinsam. Der Geschäftsmann Hendrik Peschke (Michael Gwisdek) trifft am Flughafen statt auf den erwarteten Geschäftspartner auf den afrikanischen Jungen Feliz (Ricardo Valentim), der nicht abgeholt wird und eine Gruppe Jugendlicher stiehlt ein Auto um ein wenig Spaß (ohne Anführungszeichen) zu haben...Alle drei Geschichten entwickeln sich zwar selten wirklich unvorsehbar, aber auch nicht berechenbar und nie ohne eine gute Portion Spannung, Humor, Interesse oder Kombinationen der drei. Immer wieder kreuzen sich die Wege der drei Pärchen, ohne dass sie sich wirklich begegnen, immer wieder tauchen kleinste Nebenrollen und Statisten mehrfach auf (der Taxifahrer, der Obdachlose, der eine Zeitung verkauft, der Straßenmusiker, etc.) was die drei Handlungsstränge sehr schön und ungezwungen vernetzt. Klischees und kitschigen Situationen weicht Regisseur Andreas Dresen geschickt aus und spielt sogar ein wenig damit. Dadurch gelingt es dem Film, düster und hoffnungsvoll zugleich, authentisch und unkonstruiert zu wirken. Alle Ereignisse werden schillernd erzählt, ohne aber dem Zuschauer die rosarote Brille aufzusetzen. Man hat das Gefühl, all das könnte sich durchaus abspielen und doch wirkt es teilweise zu fantastisch, um wahr zu sein (aber ist es das wirklich?). Er zieht einen in den Bann und am Ende wünscht man sich schon, der Film würde nicht nur eine Nacht spielen. Alle Schauspieler machen ihre Arbeit sehr gut, was unter anderem auch daran liegt, dass für viele Nebenrollen authentische Schauspieler eingesetzt wurden (der obdachlose Zeitungsverkäufer wird beispielsweise von einem Mitglied der Obdachlosenschauspieltruppe "Die Ratten" gespielt und erhielt für einen Kurzfilm, den er später drehte, sogar eine Oskarnominierung), die selbstverständlich ihr Wissen und ihre Meinung nicht für sich behielten und damit einen großen Teil zum authentischen Flair beitrugen. Dominique Horwitz verlieh der Rolle Victors laut Dresen sehr viel mehr Leben und Farbe, als das Drehbuch vorsah und auch Meriam Abbas nimmt man die Rolle jederzeit ohne Bedenken ab. Susanne Bormann spielt ihre Rolle ebenso brilliant, was auch durch die vorangegangenen Recherchen beeinflusst wurde (so fand sie beispielsweise ihr Kostüm nicht "nuttig" genug, musste jedoch feststellen, als sie sich damit testweise an einen echten Straßenstrich stellte, dass sie sehr schnell einen Freier hätte haben können) und auch Oliver Bässler, in seiner ersten Filmrolle (er kommt vom Theater), überzeugt mit seinem Können. Der junge Ricardo Valentim hat das Glück, dass er im ganzen Film nur einen Satz sprechen muss und kann sich so ganz auf seine ausgezeichnete Mimik konzentrieren. Dennoch werden sie alle von Michael Gwisdek übertroffen, der mit seinen zahlreichen Improvisationen für so manche ungeplante aber nicht ungelegene Pointe sorgt und seinen Goldenen Bären als bester Darsteller für diese Rolle mehr als verdient hat. Die Musik tat für mich natürlich ihr übriges. Zweimal kommen Fear Factory vor. Einmal mit "Shock" und zum Abspann ertönt "Timelessness", als die Jugendlichen mit dem gestohlenen Wagen am Ziel sind und ihn in Brand stecken. Für mich ist dieser Film der beste deutsche, den ich je sah und auf jeden Fall einer meiner All-Zeit-Lieblinge. Eine Schande, dass es so unkonventionelle und gute Filme so schwer haben, einen Verleih zu finden. Durch den Deutschen Filmpreis in Silber jedoch sind Produzent Peter Rommel und Regisseur Andreas Dresen sicherlich darin bestätigt worden, dass es sich immer wieder lohnt, ein Wagnis einzugehen und solche Projekte in Angriff zu nehmen.
|