Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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25 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Hier stehe ich, ich kann nicht anders.", 7. Juni 2004
Luther ist großes Historienkino, das zum einem durch ausgezeichnete Bilder und Kulissen besticht, vor allem aber mit brillanten Darstellern besetzt ist. Joseph Fiennes als Martin Luther scheint nur auf diese Rolle gewartet zu haben, denn er spielt den Reformator so hervorragend, dass man gar nicht satt wird, ihn zuzusehen. Sowohl seine Reden, ob in der Kirche vor der Gemeinde oder auf dem Hof vor dem Kaiser, sind voller Herz und Leidenschaft. Genial! Auch ist es von Regisseur Eric Till sehr mutig, und dank Fiennes sehr gelungen, Luthers Dialoge mit dem Teufel als eine Art Schizophrenie darzustellen. Wenn dieser sich auf das heftigste mit dem Teufel anschreit und dann erschöpft auf den Boden sinkt, bekommt man als Zuschauer Gänsehaut. Die Rolle von Papst Leo X. wurde mit Uwe Ochsenknecht sehr gut besetzt, genau wie Sir Peter Ustinov als Friedrich der Weise mit seiner Rolle als Förderer wie angegossen sitzt. Aber auch die kleineren Parts wurden sehr passend besetzt, wie zum Beispiel Maria Simon als Hanna oder Marco Hofschneider als Ulrich, der lieber sich denn Luther entführen lassen will. Nun ist es sicherlich schwierig, einen dem Zuschauer größtenteils schon bekannten Stoff noch einmal zu verfilmen. Doch Till schafft es immer wieder, durch gut platzierte Pausen und passende Musik eine Spannung aufzubauen, die dem Zuschauer nicht danach fragen lässt, WAS als nächstes passiert, sondern WIE es passiert. Dass der Film an einigen Originalorten, wie zum Beispiel auf der Wartburg, gedreht wurde, macht ihn noch realistischer, und bringt den Zuschauer noch stärker in die Zeit des Endes vom Mittelalter hinein. Und hier liegt auch der einzige Kritikpunkt. Zum einem möchte Eric Till einen gewissen Realitätsanspruch auf diesen Film erheben, was er auch eben durch die Original-Schauplätze und den chronologischen Ablauf erreicht, aber dann durch historische Unebenheiten abschwächt. So hat es, wie im Film dargestellt, keinen direkten Thesenanschlag Luthers an das Wittenberger Kirchtor gegeben, wie auch das ihm immer wieder zugeschriebene Zitat vor dem Kaiser "Hier stehe ich, ich kann nicht anders". Doch ich denke, dass diese Sachen Till bekannt waren. Durch diese Momente werden Luthers Handlungen und Zitate vielmehr symbolisiert. Auch wenn sie so nicht stattgefunden haben, haben sie dennoch einen Anspruch auf Wahrheit. Der Thesenanschlag ist in dem heutigen kulturellen Gedächtnis nun einmal verankert wie auch einige Zitate, die erst in Laufe der Jahrhunderte Luther zugeschrieben wurden. Till kürzt durch diese kurze "Verfälschung" also die Geschichte legitim ab. Zudem hätte ich mir Luthers Weg in das Klosterleben noch ausführlicher gewünscht, wie auch die seine Zeit auf der Wartburg. Doch letztendlich würde man den Film (123 Minuten) dann ins Unendliche ausdehnen können. Und vielleicht habe ich diesen Wunsch nur, weil ich schon lange nicht mehr einen so kurzweiligen, unterhaltsamen und intelligenten Film gesehen habe!
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21 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
die Kurie als Furie ... die Macht und Ohnmacht des Glaubens, 24. März 2008
Diese Proklamation eines dekadenten Ausverkaufs der Religion mit Luther als asketischer Geistesblitz und Leo als ungehobelte Parodie auf die, allein auf Volksverdummung und Ablass erpichte Geistlichkeit ist wohl ein nicht allzu ernst zu nehmender, in Hollywoodmanier dargestellter DreiSterneHistorienschinken mit geringer Identifikationsmöglichkeit und mangelhafter Geschichtsauthentizität.
Trotz mehrfach gezeigter, teilweise witziger und erheiternder Dialoge Luthers im Ringen um die wahrhafte Aussage der Bibel sowie seiner, nicht zu überhörenden Zellenmonologe im affektiven, bodennahen Kampf mit dem Teufel, fehlt die cineastische Offenbarung eines religionsgeschichtlichen Abrisses über die schmerzhafte Entstehung der Evangelisch-Lutherischen Kirche und weiterer Konfessionen des Protestantismus, und es springt auch kein Funke der, die Kirche spaltende, religiösen Inbrunst des Mittelalters, angefacht durch diesen reformatorischen Ideologien und Idealisten mit ausschließlicher Orientierung an "Jesus Christus als dem fleischgewordenen Wort Gottes", auf den Zuschauer über.
Bleiben überzeugende, eindrucksvolle und soweit akkurate Sequenzen über spätmittelalterliche Dominanzen, prunkvolle Ausstattung und Kleidung, idyllische Stadtansichten und über das Volk in belassener Dummheit, Armut und Dreck und, neben ansonsten leidenschaftslosen Dialogen und in Mimik und Geste blassen Hauptdarstellern, als weitere sehenswerte Lichtblicke und Aktionen, ein freudig verschmitzt und grandios aufspielender Sir Ustinov als Friedrich der Weise sowie letztlich, konfrontiert von der Allmacht des Glaubens, die wie vom Blitz getroffenen Zuschauer mit ihrem Motto: "Hier sitzen wir und können nicht anders."
...richtig gestellt werden sollte [nach Wikipedia und anderen] zumindest:
* Die Einteilung der Bibel in Kapitel und Verse wurde erst 1551, also fünf Jahre nach Luthers Tod, vorgenommen.
* Als Luther in Rom einen Ablass erwirbt, beten Gläubige auf den Stufen fälschlicherweise das lateinische Vaterunser mit direkt angehängten Doxologie "Quia tuum est regnum ...(Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.)". Dieser Brauch kam in den reformatorischen Kirchen aber erst durch Luthers Bibelübersetzung auf.
* In den Gemächern des Papstes sieht man ein Modell des Petersdoms, das eindeutig dem Entwurf von Michelangelo nachempfunden ist, welcher aber erst einige Jahrzehnte später entstand.
* Per Buchdruck verbreitet wurden nicht die 95 Thesen sondern Luthers Schrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen", die Luther allerdings erst 1520 verfasste, also drei Jahre nach seinen Thesen.
* Das Antiquarium der Münchner Residenz ist zur Zeit Luthers noch nicht existent.
* Der Reichstag zu Worms findet vor den Fresken der Wartburg statt, die erst 1854/55 von Moritz von Schwind geschaffen wurden.
* Hieronymus Aleander wurde erst 1538 durch Papst Paul III. in den Kardinalsstand erhoben.
* Die Begegnung zwischen Friedrich dem Weisen und Martin Luther ist historisch nicht nachgewiesen.
* Der Film vermischt die Wittenberger Unruhen (ausgehend von Andreas Karlstadt) von 1522 (Luther als Junker Jörg auf der Wartburg) mit dem Bauernkrieg von 1525.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Der Reformator, die Kirchenmafia und ein Feldzug im Namen des Laientheaters, 2. November 2009
Kurzzusammenfassung:
Am Anfang des 16. Jahrhunderts hat der Antichrist, bisweilen auch Teufel oder Belzebub genannt, die Welt übernommen. Da steht der letzte Gerechte auf Erden auf und zieht gegen ihn zu Feld. Sein Name: Martin Luther. Sein Schicksal: Reformator.
"Luther" ist
1. ganz und gar nicht zu meinem Wohlgefallen.
2. zu rasant vollgestopft mit Ereignissen, um auch nur annähernd einen Charakter entwickeln zu können.
3. leider zu banal und hoffnungslos aufgesetzt, um auch nur ansatzweise Spannung oder Dramatik zu entwickeln.
4. ein ambitionierter Name samt oberflächlichem auf ernsthafte Tiefe getrimmten Laientheater.
5. gescheitertes Popcornkino.
6. kein Ansatzpunkt zur Beleuchtung der historischen Gestalt und fern historischer Authentizität. (Diesen überflüssigen Punkt - schließlich ist Hollywood mit an Bord - erwähne ich nur, weil mir bei dem Gedanken graust, dass dieser Streifen in Schulen zur Thematik Reformation herangezogen werden könnte. Liebe Lehrer, Ihr seid gefordert. ;-)
7. der eher blamable Versuch einem großen Mann ein strahlendes Denkmal zu setzen, und diesen dabei doch zum selbstgerechten Einfaltspinsel degradiert.
8.-94. ...
95. mit tadellosen *hüstel* Kostümen und Kulissen ausgestattet.
Im Einzelnen:
"Hier stehe [bzw. sitze] ich und kann nicht anders." Recht hat der gute Mann und an der Stelle möchte ich alle fundamentalistischen Evangelikalen (Was bin ich doch froh, dass die Amis zu faul oder whatsoever sind, andere Sprachen zu lernen.) und Extremfreunde dieses Streifens vorwarnen, dass ich mich nach zwei Stunden derartigen Schmarrn's weder in sonderlich gnädiger noch diplomatischer Laune befinde.
Aber egal, zurück zu Luther und einem der hydraköpfigen Grundprobleme des Films schlechthin: Die Zeit reicht durch die Bank nicht. Ein Blitz vom Himmel, er wird Mönch. Ein Besuch in Rom, er wird zum Heiligen. So schnell kann man gar nicht mitgucken, wie flott der gute Mann sein Leben durch(sch)reitet. Schande aber auch, dass sich Rom schon nach den ersten zehn Metern von seiner besten oder soll ich sagen einzig *tärää* wahren Seite zeigt: herumhur*nde Bruder, verdummtes ausgebeutetes Volk, dekadenter Kirchenadel, einen Ablasshandel im ganz großen Stil und einen Papst, der in goldener Ritterrüstung umher reitet. Au Backe Bruder Martin, was sind das nur für böse Leut' und dekadentes Pack? Auf, eil geschwind, die Christenheit braucht Dich. So eilt der gute Bruder Martin gen Heimat in Wittenberg und wird für seine ersten kirchenkritischen Töne zum Gelehrten in Wittenberg ernannt. Ab da geht die Post ab: Selbstmörder, die nicht anständig beerdigt werden dürfen, bettelarme Mütter ohne Kerl, schamlose Finanzexperten der Kirche und ein betrügerischer Ablasshandel... herrliche Steilvorlagen, die Bruder Martin auch unverzüglich zu nutzen weiß. Und weil er ein ganz Guter ist (und vom Drehbuch keine Zeit bekommt), kann er gar nicht schnell genug das Mäntelchen seiner Religion und jahrelang treu befolgter Lehre abwerfen. Auf die Vertiefung seiner schließlich nur epochal historischen Entscheidungen kann ja gut verzichtet werden. Wenn man denn einen Hauch an persönlicher Zerrissenheit, emotionaler Bedrängnis und innerer Kämpfe sucht, dann kann ich nur auf ein paar Zwiegespräche mit dem "Teufel" in der Klosterzelle verweisen, in der er sich unter orgiastischen Verrenkungen wohl zu hinterfragen sucht!? Ob's nun aber der Teufel, mangelnde Hygiene oder die olle Klaustrophobie waren, kann ich so genau nicht sagen, 's sah jedenfalls arg amüsant aus. Klingt eindimensional, ist es auch. Aber entschuldigt, was bin ich wieder kleinkariert, meiner Treu, denn wenn die Bösen so offensichtliche Meistersünder sind, kann der Gute doch auf das Aufzeigen eigener Motive gut und gern verzichten. Und wenn ich ganz kleinkariert wäre, würde ich doch glatt behaupten, dass dieser Luther genau so selbstgerecht und blasiert ist wie der korrumpierte Kirchenadel. Mach ich aber nicht, 's geht ja schließlich um Luther und der hat mit seiner hoffnungslos blassen Darstellung und der Non-Stop-Hohle-Phrasen-Drescherei genug zu leiden. Doch, doch, der von mir sehr geschätzte Joseph Fiennes zeigt mit seinem schwermütig asketischen Blick mehr Präsenz im Schweigen, als seine hochgestochene Weisheiten und seiner zum Scheitern verurteilten Versuche, sich auch nur den Hauch einer Identifikationsfigur zu geben, denken lassen. Aber wer ist eigentlich dieser Christus, von dem er immer wieder spricht? Erschien es mir doch eher so, als würde er vielmehr auf jede Steilvorlage die Antwort geben und nur so ganz nebenbei eine neue Religion aus dem Ärmel schütteln. Aber apropos neue Religion, eigentlich will er das ja alles gar nicht und die politischen Folgen sind auch alles andere als offensichtlich, aber als waschechter Idealist in heiliger Mission darf man sich schließlich auch einmal blind stellen und den Zuschauer mit tränentreibenden Momenten erfreuen. *schnief*
Ein wahrer Christenmensch ist er übrigens auch, die Perfektion in Person. Ich denke zu gern an diese warmherzige Episode zurück, als eine Bettlerin ihr letztes Geld in einen Ablassbrief investierte und sich glücklich davon trollen wollte. Luther stellt sich ihr entgegen, belehrt sie im heiligen Zorn über den Trug des Ablasshandels und dampft mit dem Ablassbrief davon. Dass er die gute Frau im naiven Glauben und ihres allzu kurzen Glückes beraubt zurück lässt, ihr noch nicht einmal eine verständliche Erklärung gibt und damit insbesondere ihren Glauben, dem sie vollen Herzens anhängt, a bissel unsensibel (Ich weiß, ich weiß, er ist ein Kerl.) durch den Dreck zieht, ficht den aufrechten Christenmensch nicht an, hat er ihr doch immerhin den Geldwert für den Brief zurückerstattet. Geld und Glauben, woher kommt mir das nur so bekannt vor, hm?
Steilvorlage - selbstgerechte Empörung - große Worte, so funktioniert der Einheitsbrei. Yeah! Wie schon xsagt, keine Zeit für mehr: Wasser predigen, Wein trinken. Eieiei. Wenigstens wird Luther von seinem Anhang und Gegnern adäquat unterstützt. Ihre Begeisterung, sich in mittelalterliche Trachten zwängen müssen, zeigen sie allgemein in großen leeren und unglaubwürdigen Gesichtern und einer bewundernswert hölzernen Darstellung. Dass sie ihre Phrasen ebenso emotionslos wie leiernd herunterbeten, versteht sich dabei von selbst, man hat ja auch seinen Stolz. Brav auswendig gelernt. Nachdem der fähige Alfred Molina nur ein Kurzauftritt als feuriger Steuereintreiber vergönnt war, kann am ehesten noch Sir Peter Ustinov als nettes seniles Großväterchen und nebulöser Förderer Luthers einen charmanten wenn auch reichlich überflüssigen Eindruck hinterlassen. Seine Motive bleiben im Dunkeln. Aber wer braucht schon Erklärungen? Es geht schließlich um die "Wahrheit", was immer das auch sein mag, und da werde ich mich hüten, den Helden dieses Stückes zu hinterfragen. Ebensowenig wie ich die albernen Revoluzzer, die ach so tränentreibenden Bauernmassaker, die Jagt-den-Kleriker-Aufstände, das zu Heilsbringern hochidealisierte Fürstenvolk und die glanzvolle Romantik ("Wir musizieren gut zusammen...") thematisieren werde. Den Vogel schlechthin schießt im Übrigen ein Deutscher ab. Wahrlich, ich habe schon viele Absonderlichkeiten über die damaligen Päpste vernommen, aber wie Uwe Ochsenknecht durch seine schiere Präsenz das Papstum in die höchsten Weihen der Lächerlichkeit befördert, dafür gebührt ihm meine ganze Anerkennung. Well done, Uwe.
Bleibt mir nur noch die Ehre, die DVD zur Hand zu nehmen, sie mit einem ernst-mildem Blick zu betrachten und sie in bester lutherischer Tradition gen Boden entschweben zu lassen. Über die Schulter und zu den Knochen, versteht sich. Mahlzeit!
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