Stereoplay
Der heute erst 18jährige Moskauer Konstantin Lifschitz ist mit Sicherheit keine pianistische Eintagsfliege, auch wenn er das Glück hatte, schon sehr früh von einem renommierten "Label" entdeckt zu werden, sodaß er gleich mit seiner ersten CD (stereoplay 11/94) die Klavierkritiker in aller Welt für sich einnehmen konnte und zuletzt von einer deutschen Jury sogar zum "Nachwuchskünstler 1995" gekürt wurde. Nun hat er sich mit Bachs Goldberg-Variationen einen gewaltigen Brocken vorgenommen und sich dem Vergleich mit Glenn Gould ausgesetzt, der Bachs späten Variationenzyklus in gleich zweifacher Referenz-Version 1955 und 1981 für die Nachwelt fixierte. Und Lifschitz besteht die Herausforderung technisch souverän und musikalisch respektabel, auch wenn er im Vergleich zu beiden Gould-Zyklen durchwegs eine deutlich langsamere, für einen 18jährigen doch sehr grüblerisch-abgeklärte Gangart einschlägt, so daß er insgesamt (mit allen Wiederholungen) knapp 80 Minuten beansprucht - gegen 38 (ohne Wiederholungen) beim 23jährigen Gould. Neben den puren Zeitrelationen ist es vor allem die deutlich an der spätromantisch-russischen Klavierschule ausgerichtete, klangintensive, bodenständig-energische Musizierhaltung Lifschitz', die seine Deutung im Vergleich zu den Versionen des kanadischen Bach-Rebellen so unfrisch, so gediegen-konservativ und unoriginell erscheinen läßt. Trotzdem ist es insgesamt eine sehr beachtliche Leistung eines noch sehr jungen und großen Talents, das vielleicht darauf achten sollte, sich nicht allzu früh einen bequemen "Altersstil" zurechtlegen: Wer in so jungen Jahren das Risiko scheut, wird nicht alt. ** Interpret.: 07-09
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