Aus der Amazon.de-Redaktion
Pablo Casals führte Kreuzzüge für diese Musik. Als er das erste Mal eine gebrauchte Kopie der Partitur in einem Musikladen in die Hand nahm, war Bach beim allgemeinen Publikum nicht allzu populär und die Cellosuiten wurden nie öffentlich gespielt. Wenn Cellisten sie überhaupt kannten, dann benutzten sie sie als Fingerübungen. Nachdem er sich zwei Jahrzehnte lang mit den Suiten befasst hatte, trat er endlich zum ersten Mal öffentlich mit ihnen auf. Möglicherweise handelte es sich dabei tatsächlich um deren Weltpremiere. Casals beherrschte die Musik völlig und bis er in den Dreißigerjahren dann schließlich seine Aufnahmen machte, hatten sich seine Konzerte zu ausgereiften, meisterhaften und liebevollen Auftritten entwickelt.
Auch wenn sein Stil für unsere Neunzigerjahre-Vorstellung von Bach ein wenig zum Romantischen neigt, so geschieht dies niemals auf negative Weise. Diese Zusammenstellung, mit einem bemerkenswert gut erhaltenen Aufnahmeklang, sollte sich jeder Musikliebhaber anhören. Heute erkennt man, dass Casals sich manchmal zu sehr anstrengte, um etwas herüberzubringen -- wohlwissend, dass die meisten seiner Zuhörer die Musik noch niemals zuvor gehört hatten. Insofern sollten wir uns auch einige neuere Aufnahmen dieser Suiten anhören (allen voran die von Starker auf RCA), um eine mehr nach innen gerichtete, subtilere Version dieser Musik kennen zu lernen -- eine Musik, die viel zu großartig ist, als dass man sie in nur einer Version voll begreifen könnte. --Leslie Gerber