Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
3.0 von 5 Sternen
Ein still, episches Wasser, 24. November 2009
Eine fiktive Biographie, die den Leser in die japanische Welt einführt.
Dieses vorliegende Buch mutet etwas langatmig an, gewinnt aber während des Lesens an aparten Reiz. Es ist die Geschichte der kleinen, französischstämmigen Amerikanerin Aurelia, die Mitte des 19 Jh., zu Zeiten des Umbruchs, in Japan landete.: eine Mischung aus History -u. Unterhaltungsroman. Der Buchrücken irritiert: gibt er einen anderen Sachverhalt wieder, in der eine andere die Hauptprotagonistin spielt. Das Buch mag gerade für Japan - Laien interessant und informativ sein, doch die Geschichte ist, dann und wann, ein wenig schleppend. Ein eingefügtes Glossar erläutert alle eingeworfenen japanischen Begriffe, was sich für den Großteil der Leser als hilfreich erweisen dürfte. Allgemein ist Frau Avery's Stil anfangs gewöhnungsbedürftig. Die Autorin beruft sich auf ihre jahrelangen Japankenntnisse, die sie als ehemalige Tee - Studentin in Kyoto & New York erwarb.
Inhalt: Die Geschichte beginnt mit Aurelias Leben in den USA/ New York. Durch ihren Onkel Charles, der das Amt des Pastors inne trägt, wird das Mädchen vor vollendete Tatsachen gestellt: sie, ihre Mutter und er, werden zukünftig in Japan ihren Dienst absolvieren und den ''heidnischen Barbaren'' christliche Werte näher bringen. Der Umbruch steht kurz bevor und der Zeitpunkt scheint damit ideal. Die Ausländer werden ins Land komplimentiert. Bevor es zur Abreise kommt, erkrankt Aurelias Mutter, weshalb Onkel und Nichte vorausfahren. Die Nachricht vom Tod der Mutter kommt während der Überfahrt.
Die einsame Neunjährige sieht sich mit einem Leben voller Stagnation entgegen. Wie der Zufall es will, bricht in der gemeinsamen Unterkunft Feuer aus - in den Flammen Aurelia's Onkel. Aurelia läuft in dieser Nacht einem anderen Schicksal entgegen und landet dabei im Hause Shin. Von da an ändert sich alles. Nur mühsam, mit minimalen Japankenntnisse, lebt sich das Mädchen ein. Eine Verbündete findet sie in der älteren sechzehnjährigen Yukako, die schon bald verheiratet werden soll. Viele Jahre ziehen ins Land, neue Reformen treten in Kraft, und das ehrwürdige Haus Shin, sieht sich schweren Zeiten entgegen. Aus dem Mädchen wird eine innig fleischgewordene Japanerin, die die Brücken ihres alten Lebens abgebrochen hat. Die längst vergangenen ruhmreichen Tage der Samurai (Kriegskaste), zählen fortan als obsolet, der Adelsstand wird seiner Länderrein beraubt, Zwangsumsiedlungen vollzogen und nur wenige Glücklichen bleiben oben auf. Einzig, dem umsichtigen Shin - Oberhaupt ist es zu verdanken, daß die Familie diese Krise übersteht. Doch auch Yukako will einen Beitrag leisten; einer der aus Ehrgeiz & Verzweiflung entsteht. Ein aufkommender Skandal scheint greifbar.
Die Geschichte spiegelt einen Selbstfindungstrip wider, den die Hauptprotagonistin Revue passieren läßt. Interessant ist das Thema Homosexualität, und, durch die Meiji Restauration aufkommenden Gesetzte, eine vergebliche anfängliche Einführung des Egalitarismus.
Der Lebensweg - hier von 1856 bis 1929 geschildert - der Dienstmagd Aurelia, die in Japan nur noch Urako gerufen wird, zählt nicht zu den dynamischsten Geschichten. Sicher, das japanische Flair nimmt hier eine gewichtige Rolle ein, und dürfte den ein oder anderen vereinnahmen; aber manche Passagen sind zu ausgedehnt. Der Leser bekommt auch einen Anriß in die Welt der Blumen & Weiden: der Geishas, die in Kyoto/ Kioto- einst Miyako- ausschließlich Geikos genannt wurden. (Ich verweise hier besonders auf das informative Werk von Liza Dalby, >>Geisha<<, sowie >>Die wahre Geschichte der Geisha<< v. Mineko Iwasaki.) Die Teezeremonie, wie der Buchtitel schon andeutet, ist ein fundamentierter Grundplot. Aurelia schildert nicht nur ihre Lebensgeschichte und die Prozedur des Teeweges; sie impliziert dabei steht's ihre Herrin, Lehrmeister, Freundin und Lebensanker Yukako. Diese ist somit indirekter Hauptdarsteller dieser Geschichte, sowie Dreh - und Angelpunkt der Erzählerin. Nebenbei werden bedeutsam geschichtliche Fakten eingewebt, wie u.a. die Wehrpflicht, der Bürgerkrieg, die 'Samuari Rebellion', Einführung des westlichen Kalenders, etc. Aller Ereignisse aufzugreifen erscheint sinnlos, da einfach zu viele einhergehen.
Die japanische Mentalität assoziiert man mit Zielstrebig - und Gewissenhaftigkeit, akribisch penibel, sowie Voreingenommen -u. Borniertheit. Die Japaner leben nicht für ihr Ziel, sondern für den Weg dorthin. Trotz all dieses Eigenschaften, kann man sich dieser Welt nicht entziehen. Ein Volk, das sich seiner Philosophie unterwirft und gleichzeitig nach potentieller Individualität strebt; dabei die groteske Anziehungskraft nicht einbüßen muß. Da sind innere Konflikte vorprogrammiert. Die Vorurteile, die Ost & West einander entgegenbringen, sind noch heute präsent. Japans diplomatische Öffnung, brachte das jahrhundertalte System zu Fall; darunter bescherte das provisorische Imperium die Neuordnung der Stände. Erst mit der neuen Verfassung von 1947, öffnete Japan notgedrungen alle Barrieren.
Nun, da mir so viele Vergleichswerke zur Hand stehen, kann ich dieses dem Mittelmaß zuordnen. Das Ganze ist mir ein Hauch zu monoton. Auch Aurelias wandelnder Charakter, muß aus der Sicht eines Japaners betrachtet werden, da man als Durchschnittseurasier sicher Anstoß daran nehmen könnte. Ein Pluspunkt: Die Mischung aus Biographie, philosophischer Eleganz & Geschichtsfakten. Ich habe es möglichst schnell, in einem Zug, gelesen, um den Eindruck sich setzen zu lassen. Ich war vor allem vom Ende angetan.
Ein guter Einstieg für Japaninteressierte und Menschen, denen es nach Eleganz &.Sinnlichkeit verlangt. Innige Japan - Kenner werden entweder zugreifen oder ihre gesättigten Finger davon lassen. Wer u.a. >> Die Geisha << mochte, könnte auch hier seine Freude finden. Es soll ein poetisch, pittoresk angehauchtes Werk sein...
Nun, jeder muß selbst entscheiden, inwiefern es zutrifft.
Fazit: ''Exotische'' Darstellungen können einen Roman nicht alleine tragen - dazu bedarf es ein bißchen mehr. Wer also eine dynamsiche Handlung erwartet, der sei hier enttäuscht. Gerne würde ich 3 1/2 Sterne vergeben, was aber nicht zur Option steht. Ein dicker Extrastern für die signifikanten Geschichtsfakten, denen man sich zuwandte.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
3.0 von 5 Sternen
Die Integration in eine fremde Kultur..., 12. Juli 2009
Die Teemeisterin: Roman
...wird mit auffallender Achtsamkeit erzählt. Obwohl der Titel vermuten lässt, das sich die Handlung vorwiegend um die Teemeisterin Yukako dreht, ist dies nur auf den ersten Blick der Fall. Anhand ihres Lebens wird zwar die Geschichte Japans vom 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert exemplarisch verdeutlicht, d.h. welche Wandel die Gesellschaft sowohl kulturell als auch politisch ereilte, doch steht neben ihr (zumindest erzählerisch beinahe gleichberechtigt) die junge Ausländerin Aurelia. So ist es auch Aurelias Perspektive, aus der die Ereignisse beschrieben werden. Als kleines Mädchen kommt sie mit ihrem Onkel nach Japan, verliert allerdings durch die Verkettung unglücklicher Umstände ihre Familie und wird von der traditionellen Teemeisterfamilie Shin als Dienerin namens Fräulein Urako aufgenommen. Anfangs ist Fräulein Urako vieles fremd und unverständlich, ebenso wie dem Leser, dem dank ihrer notwendigen Lernbereitschaft die japanische Kultur der damaligen Zeit einfühlsam nahe gebracht wird. Auf diese Weise erwirbt man im Vorbeigehen nicht nur Grundkenntnisse der japanischen Sprache, sondern auch Einblicke in die komplexen kulturellen Konventionen und sozialen Strukturen. Natürlich kommt dabei die Tradition der Teezeremonie nicht zu kurz. Dieser langsamen Zelebration des Teebereitens passt sich der Erzählstil an, der gerade nicht auf Tempo setzt, sondern wunderbar meditativ und geruhsam daherkommt. Trotz dieser sorgfältigen Erzählweise bleiben jedoch einige von Yukakos Aktionen wenig plausibel und obwohl im Schluss vorher angeklungene Elemente aufgenommen werden, wirken sie eher plakativ, wodurch sie den träumerischen Charme des Buches einbüßen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
4.0 von 5 Sternen
Geschmacksache, mir schmeckts, 8. Juli 2009
Kinder-Rezension
Ein leicht zu lesendes und unterhaltsames Buch, dass neben diversen Liebesgeschichten einen Einblick in die japanische Tee- und Lebenswelt am Ende des 19. Jh. bietet. Die Entwicklungsgeschichte von Yukako finde ich leider an manchen Stellen nicht ganz so gelungen und das Ende ist ziemlich überzogen. Trotzdem habe ich das Buch mit kontinuierlicher Spannung (oder vielmehr Entspannung :-) ) gelesen und mich keine Sekunde lang gelangweilt.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
|
|
|
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|