Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Humorvoller Roman über Alter und Tod, 10. August 2002
Mit ihrem Roman "Memento Mori" hatte die Engländerin Muriel Spark 1959 ihren ersten Erfolg, ihr Markenzeichen auch damals: unbändig köstlicher Humor, natürlich auch ganz schwarzer. Der Roman ist sehr lebendig geschrieben, die vorkommenen Personen sind allerdings im Greisenalter oder mindestens siebzig.Godfrey Colston, siebenundachtzig, liest gerne Todesanzeigen und beobachtet Menschen um festzustellen, ob sie schon Anzeichen von Senilität aufweisen. Lisa Brooke hatte viele Liebhaber, darunter auch Godfrey. Ein Jahr vor ihrem Tod beschloss sie, ihren Lebenswandel zu ändern und ehelos zu bleiben. Auf ihrer Beerdigung kündet Godfrey an, er lasse sich auch verbrennen, wenn seine Zeit gekommen ist - "Leichen unter der Erde infizieren nur unsere Trinkwasserversorgung" -. Doch vorerst bemüht er sich, seine Ehefrau Charmian in ein Altenheim unterzubringen. Seit fünfzehn Jahren schon leidet sie an Gedächtnisschwund, ist zeitlich desorientiert und glaubt, dass sich ihr Mann gegen sie verschworen hat. Mrs. Pettigrew, die schon bei Lisa Brooke als Haushälterin geargeitet hat und hinter dem Vermögen ihrer Herrschaft her war, hat eine Anstellung im Hause der Colstons gefunden und will nun dort die Erbschaft erschleichen. Der Alltag der Alten wird durch lästige Anrufe eines offenbar Verrückten gestört. Zuerst meldet sich diese Stimme bei Lettie Colston. "Denken Sie daran, daß sie sterben müssen", hört sie durch den Telefonhörer. Ihr Bruder Godfrey wird sichtlich nervös, als diese Anrufe auch ihn erreichen und Charmian, sie findet in ihrer senilen Unschuld zufällig eine treffende Antwort: "...In mancher Beziehung läßt mein Gedächtnis mich ja im Stich..., aber irgendwie kann ich meinen Tod nicht vergessen, wann immer das auch sein wird." Das besondere an diesem Roman ist die Kombination eines sehr ernsten Themas - Alter und Tod - mit grenzenlosem Humor. Oft entwickelt sich der Humor aus den Dialogen und sprüht dann in Kaskaden. Nicht ein einziges Mal macht die Autorin sich über die Alten lustig. Im Gegenteil, manchmal stellt sie Verwirrspielchen an, dass der Leser dann selber überlegen muss, ob die eine oder andere Romanfigur verwirrt ist oder nicht und nebenbei erfahren wir Weisheiten über den Umgang mit den Tod. Dieses Buch ist unbedingt weiterzuempfehlen und viele werden sicher große Freude daran haben.
|
|
|
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Klassiker , 22. April 2007
Dieser Klassiker der englischen Literatur aus dem Jahr 1959 schildert einen Reigen sehr alter Persönlichkeiten aus der upper middle class und ihrer Art und Weise, sich dem Altsein zu stellen; bis heute frisch und aktuell, hintergründig, unterhaltsam, unsentimental, makaber, mit Tiefgang und dabei versöhnlich. Er berichtet in nüchterner, schlichter Erzählweise, die leider recht holperig übersetzt ist, mit vielen sehr gut beobachteten Details, Demenzen und Altersdefekte, Redeweisen und Bosheiten bei den Colstons - Godfrey, der unter krankhaftem Geiz leidet, seine demente Frau, eine frühere Romanschriftstellerin, seine hartherzige Schwester Dame Lettie, die einfache, gütige Hausangestellte Mrs. Antony - sowie von zwölf Insassinnen einer Pflegeabteilung, ihren witzigen Beschäftigungen mit Testamenten und Horoskopen, und von weiteren ebenfalls uralten Freunden und Bekannten. Eine handfest spannende Handlung mit Krimi-Elementen - ein anonymer Anrufer, Erpressung, Bigamie, Raubmord - transportiert sehr gut die unausgesprochen aufgeworfene metaphysische Frage, ob die Art und Weise, die letzte lebenszeit zu erleben, Konsequenz des ganzen - gestörten oder harmonischen - Lebens ist. Übeltaten erscheinen als Irrtümer, hervorgerufen aus Angst um das eigene Wohlbefinden, Rachedurst, Eifersucht. Das Böse ist komplex, es braucht viel Energie, Nachdenken, Nachforschen, intellektuelle Bemühungen, die nie befriedigend zu Ende geführt werden können. Das Gute tritt dagegen ganz schlicht auf, als einfache Geduld und Hilfsbereitschaft, die nicht fragt und forscht, die ohne erzieherische Taktik und Korrektur-Massnahmen auskommt. Diese typisch britische Ansicht wird überzeugend vermittelt. Unbedingt empfehlenswert!
|
|
|
2.0 von 5 Sternen
Englischer Humor - nicht jedermanns Sache, 19. November 2009
Humor ist nicht jedermanns Sache, englischer schon gar nicht. Und so könnte es denn sein, dass so mancher Leser sich nach spätestens 50 Seiten diesem Buch abwendet und sich fragt, ob er sich den Rest wirklich auch noch antun will.
Das Buch der im Jahre 1918 geborenen "Dame Commander of the British Empire" Muriel Spark aus dem Jahre 1959 wirkt nicht nur angesichts seines Sujets reichlich antiquiert. Ähnlich wie die Bücher Evelyn Waughs ist auch dieser Roman "ein bösartiger, witziger, makabrer, schauerlicher, geistvoller, skurriler Roman" (Walter Jens), den man wohl nur bei ausreichend anglophiler Neigung goutieren kann.
Fazit: I am awfully sorry, but I was not at all amused.
|
|
|
|