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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anschaulich - verblüffend - spannend, 9. März 2007
Der Mensch kann einfach nicht aus seiner Haut. Und die ist noch dieselbe wie vor einigen tausend Jahren, als sich der Neandertaler darin wohlgefühlt hat. Deshalb, so die Überzeugung von Jürgen Brater, kann auch kein modernes Gewand, kein Schlips und kein Kragen verbergen, dass der Mensch ewig von gestern sein wird. Am Beispiel alltäglicher Phänomene entschlüsselt der Mediziner und Sachbuchautor in seinem neuen Buch "Wir sind alle Neandertaler", das soeben erschienen ist, weshalb der Erdenbürger sich mitunter seltsam verhält, den Grund für sein Benehmen aber oft nicht kennt.
Verkürzt man die Entwicklung der Gattung Homo", deren letztes Glied wir sind, auf einen 24-Stunden-Tag, so hat der Mensch weit über 23 Stunden als Jäger und Sammler verbracht."
Kein Wunder also, dass er sich als Nostalgiker erweist und bei jeder passenden Gelegenheit Elektrizität gegen altvertrauten Flammenschein eintauscht. Ob Grillen oder Candlelight-Dinner, keine Glühbirne kann die Gemeinschaft und Wärme rund ums Lagerfeuer ersetzen, die schon die Neandertaler zu schätzen wussten. Der Mensch betreibt Mobbing, um sich und seine Gruppe vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Er gähnt, um dazuzugehören und im Restaurant wählt er immer den Tisch an der Wand, um einem Angriff aus dem Hinterhalt vorzubeugen. Der Jetlag, die Babysprache, selbst das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom: Alle haben sie ihren Ursprung in grauer Vorzeit. Sie werden den Menschen sicher noch lange begleiten, aber endlich erfährt er nun weshalb.
"Wir sind alle Neandertaler" entlarvt eine klaffende Lücke zwischen dem ambitionierten Fortschrittsglauben und der tatsächlichen Anpassungsfähigkeit des Menschen. Jürgen Braters Buch eröffnet eine neue Perspektive auf menschliches Verhalten und erläutert anschaulich verblüffende Sachverhalte rund um das spannendste Geschöpf dieser Erde.
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Historie der verbreiteten Lagerfeuerromantik und der Spinnenphobie, 8. Februar 2007
Jürgen Brater erzählt eine fiktive, an aktuellen paläontologischen Erkenntnissen orientierte Geschichte aus dem Alltag eines altsteinzeitlichen Jägers und seiner Sippe und beschreibt im Anschluss an jede Episode, inwiefern darin enthaltene Verhaltensweisen aus der Ur- und Frühzeit unserer Art heute noch in uns fortwirken, und zwar entweder völlig sinnlos oder gar destruktiv.
Zu den mittlerweile sinnentleerten Reflexen gehört beispielsweise, dass uns bei Gefahr die Haare im wahrsten Sinne des Wortes zu Berge stehen, obwohl wir damit mangels eines üppigen Pelzes nun wirklich keinen Feind beeindrucken können, und dass sich viele von uns vor bestimmten Krabbeltieren, aber auch vor grünlichem Schleim und Ähnlichem ekeln - schier bis zum Erbrechen.
Unsere Körper sind bestens an die Anforderungen eines Jäger- und Sammlerlebens angepasst, das sich durch Nahrungsmangel auszeichnet: Daher gieren wir nach allem, was viele Kalorien zu enthalten verspricht, und legen uns in - mittlerweile dauerhaft gewordenen - Zeiten des Überflusses Fettdepots zu, die in der heutigen Zeit unser Überleben keineswegs fördern, sondern eher das Leben durch Wohlstandskrankheiten abzukürzen drohen.
Aberglaube, bereitwilliger, häufig blinder Glaube an - bisweilen völlig unbegründete - in den Massenmedien verkündete, angeblich bevorstehende Katastrophen und unsere an der früheren Clangröße von bis zu 150 Personen orientierte Einordnung in hierarchisch gegliederte Gruppen am Arbeitsplatz: dies und vieles mehr gehört zu unserem steinzeitlichen, zum Teil auch wesentlich älteren Erbe. Warum reden wir mit kleinen Kindern in der Babysprache? Warum bedienen fast nur Männer den Grill? Auch hierin werden wir von unserer alten genetischen Ausstattung gesteuert.
Der Titel ist ein wenig irreführend, denn wir stammen nicht von Neandertalern ab, und viele unserer Verhaltensweisen, auch der im Buch interpretierten, haben wesentlich ältere Wurzeln und verweisen auf unsere Vergangenheit in afrikanischen Savannenlandschaften. Trotzdem stimmt die Prämisse natürlich: In uns steckt viel von steinzeitlichen Jägern (und Sammlern/Sammlerinnen) - das passt jedoch ganz und gar nicht zum großstädtischen Lebensstil, weshalb wir uns eigentlich, um einen Ausdruck aus dem Tierschutz aufzugreifen, eine nicht artgerechte Haltung vorwerfen müssen. Das Buch rüttelt auf und entlarvt manche Eigenart, die wir als "kulturell bedingt" oder gar krankhaft abtun, wie zum Beispiel die Hyperaktivität vor allem männlicher Kinder, als genetischen Ballast aus einer uns mittlerweile sehr fremden Welt.
Nach der Lektüre beobachtet der Leser sich selbst und seine Mitmenschen mit anderen Augen und wird manches weitere uralte Erbstück an sich und ihnen bemerken. Man lernt durch dieses Buch, sich und "die anderen" besser zu verstehen und zu akzeptieren. Zu einer Abkehr von den Errungenschaften der Technik möchte das Buch natürlich nicht auffordern, aber es weist auf spannende und unterhaltsame Weise darauf hin, wie wir uns in unserem gewohnten Umfeld unserer Natur stellen können.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr zu empfehlen!, 19. April 2007
Der Mensch hat diverse Stadien der Entwicklung durchgemacht, was sein Erscheinungsbild und sein Handeln mit der Zeit verändert hat. Viele Verhaltensmerkmale jedoch sind geblieben, wie beispielsweise der Blindarm, das Gähnen oder die Weisheitszähne, die uns heute eher hinderlich sind, den früheren Menschen jedoch beim Überleben hilfsam waren.
Der Autor geht auf verschiedene Punkte ein, die seiner Meinung nach Überbleibsel sind und erklärt damit unser Verhalten .
Dabei geht er nach einem bestimmten Muster vor.
Er wählt verschiedene Themen und damit Oberkapitel aus: - Ursprung und Entwicklung, - Feuer und Licht, - Aberglaube und Mystik, - Körper und Sinne, - Angst und Schrecken, - Nervenkitzel und Action, - Essen und Trinken, - Krankheit und Leid, - Misstrauen und Anteilnahme, - Männer und Frauen und schließlich natürlich - Liebe und Sex.
Nehmen wir das Kapitel zu "Feuer und Licht". Wie bei allen weiteren Kapiteln auch, folgt nun erst einmal eine kurze Episode, wie es in früherer Zeit gewesen sein könnte. Die beiden Hauptpersonen sind dabei Ugur und seine Frau Wala, die in einer recht großen Sippe mit Schamanen leben. Hier wird erzählt, was das Feuer für die Sippe bedeutet und wie man Feuer mit primitivsten Mitteln herstellen kann. Des weiteren folgen diverse Denkansätze und Erklärungen zu Themen, die damit in Zusammenhang stehen. Als erstes wird die "Lagerfeuerromantik" besprochen. Hier wird erklärt, warum Menschen sich einem Lagerfeuer nicht entziehen können, obwohl Feuer im Grunde etwas Böses und Schmerzhaftes ist. "Der Mann am Grill" als Statussymbol - die meisten Frauen können sich nicht einmal vorstellen, den Grill bedienen zu müssen, "Traumhaus mit offenem Kamin", "Candlelight-Dinner", aber auch das "Feuerwerk", das eine ungebrochene Faszination, vor allem für Kinder auslöst.
Die einzelnen Aufsätze sind wirklich interessant, zwar hat man einiges davon schon einmal ansatzweise irgendwo gehört oder gelesen, jedoch noch nie in diesem direkten Zusammenhang. Die Episoden aus Ugurs Leben machen das Ganze dann auch immer noch verständlicher für den Leser.
Nimmt man Beispielsweise das Gähnen. Jeder muss ab und zu gähnen, obwohl dies keine Funktion erfüllt. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir aus Sauerstoffmangel gähnen uns der Akt des Gähnens selbst jedoch nicht mehr Sauerstoff einbringt. Auch hier liegt wohl ein Rudelverhalten vor. Wenn der Anführer ein paar mal herzhaft gegähnt hat, zogen sich auch die anderen Rudelmitglieder zum Schlafen zurück, da sie von seinem Gähnen angesteckt worden sind. Dasselbe gilt für die Gänsehaut. Heute ist sie nutzlos, doch zu einer früheren Zeit, in der man den Gegenüber womöglich noch einschüchtern musste, wirkte man dadurch größer und gefährlicher. Der Autor vergleicht das mit dem Sträuben des Fells bei einem Hund, wenn er die Zähne fletscht und in Angriffsposition geht.
Die Geschichten und Aufsätze sind allesamt unterhaltsam geschrieben, sodass es Spaß macht, sie zu lesen. Man ist auch nicht gezwungen jedes Kapitel zu lesen, sondern kann zu jenen weiterblättern, die einen besonders interessieren, da sie unabhängig voneinander sind.
Das Inhaltsverzeichnis gibt Auskunft über die Oberkapitel, jedoch nicht über die Unterteilungen.
Im Anhang findet man dafür ein Register, in dem die Hauptpunkte wie "Gute Tat, Gähnen, Haare, Rückenschmerzen" und so weiter, mit Seitenzahlen aufgeführt werden.
Die Sprache ist leicht verständlich, sodass man kein Fremdwörterlexikon benötigt, um dieses Buch lesen zu können.
Das Buch ist gebunden, hat einen Schutzumschlag, der in grau gehalten ist und einen Neandertaler auf dem Cover trägt und dem Buch einen edlen Eindruck verleiht.
Das Buch ist in der neuen deutschen Rechtschreibung gehalten, wobei ich hier gerne den Satz aus dem Einband zitieren möchte Die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung ist in den letzten Jahren ohne Not zerstört worden. Dieses Buch orientiert sich überwiegend an der neuen Orthografie, folgt bei der Getrennt- und Zusammenschreibung aber den Regeln der sprachlichen Vernunft".
Alles in allem liegt hier ein interessantes und durchaus spannendes Buch vor, von dem man noch einiges lernen und neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln kann. Dieses Buch ist sehr zu empfehlen!
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