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In der Strafkolonie - Eine Geschichte aus dem Jahre 1914
 
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In der Strafkolonie - Eine Geschichte aus dem Jahre 1914 (Taschenbuch)

von Franz Kafka (Autor), Herausgegeben von Klaus Wagenbach (Autor)
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 128 Seiten
  • Verlag: Wagenbach; Auflage: Neuausgabe (27. April 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803123194
  • ISBN-13: 978-3803123190
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,9 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 668.071 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Ein vorbildliches Buch, ein Beispiel, wie man ein Stück Literatur so mit Materialien zum Thema umgibt, daß dadurch ein besseres Verständnis entsteht.« (Gisela Lindemann, Norddeutscher Rundfunk)


Kurzbeschreibung

Die erfolgreichste Kafka-Edition Klaus Wagenbachs: Die Strafkolonie in ihrer zeitlichen, biographischen, literarischen und politischen Umgebung: Kafkas berühmte, zu Beginn des Ersten Weltkriegs geschriebene Erzählung erscheint in der Fassung der Erstausgabe, samt allen Varianten, Lebens- und Veröffentlichungsumständen. Zugleich wird der Leser in die seltsame Situation des Besuchers der Strafkolonie versetzt - als Reisender, der sich Kenntnisse wünscht: über Strafkolonien, Apparate, die Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt und die Quellen: von Friedrich Nietzsche über Regina von Wladiczek bis zu Arthur Holitscher. Mit einigen Überlegungen zum Verhältnis von Realität, Wahrheit und Literatur.

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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen "Lasst den Menschen, wer immer er sei, nicht verkommen! (Kafka, Schloß-Nachlaß), 11. Januar 2009
Von kpoac - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)   
Diese Rezension stammt von: In der Strafkolonie (Gebundene Ausgabe)
"Jemand mußte Josef K. verleumdet haben, denn ohne daß er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." So beginnt die Geschichte des Josef K., dem von einer mysteriösen Behörde der Prozeß gemacht werden soll. Und je mehr er seine Unschuld verteidigen will, um so tiefer sinkt er ins Gestrüpp undurchschaubarer Gesetze und menschlicher Verwirrungen.

Dieser Gedanke aus Kafkas Roman "Der Prozeß" zwingt nahezu zu Ende gedacht genau zu der Idee, die "In der Strafkolonie" vollendet wird. Beide Erzählungen entstammen dem gleichen Jahr (1914), beide bedingen sich in gewisser Weise und dort, wo das Gericht in einer sturen, mechanischen Art zum Prozeß und zur Verurteilung kommt, genau dort führt die Erzählung zum Aufblitzen des Technokratischen: "Es ist ein eigentümlicher Apparat". Mit dieser Feststellung führt der Offizier den Forschungsreisenden, eingeladen einer Exekution in der Strafkolonie beizuwohnen, in die detaillierte Beschreibung dieser Hinrichtungsmaschine ein.

"Apparat" als Begriff in seiner Doppeldeutigkeit konnte von Kafka (1883-1924) nicht besser verwendet werden, zeigt er hier wie dort (Der Prozeß) auf die Metamorphose vom Menschlichen zum Technischen, in beiden Erzählungen gelten Unkenntnis des Verurteilten zu seinen Vergehen, der rein rationalen, maschinellen, inhumanen Abfertigung zu einem Urteil und seiner Vollstreckung. Selbst die Vergehen sind nicht einmal zu benennen, denn "Die Schuld ist immer zweifellos". Gleichzeitig offenbart diese Sicherheit in Gesetzesfragen, dass niemand sich in das Gericht einzumischen hat, sogar, dass dieses Gericht ohne höhere Gerichte über sich von einer einzigen Person geleitet wird, die zugleich richtet und vollzieht. Das letzte, höchste und wenn man so will jüngste Gericht. Das, was der Mensch nicht kennt, was für unweigerlich und unabwendbar gilt und empfunden wird, was unbekannte Ursache und unbekannte Folge hat, das ist des Menschen Schicksal. Sein vorbestimmter Weg. Sein Leben, welches nur am Ende hoffend sicher ist. Und so ist in der Strafkolonie des Lebens der Tod Erlösung.

Die Vollendung der Strafe dauert 12 Stunden, dem in Unkenntnis verurteilten, dem auch das Verbrechen nicht bekannt gegeben ist, wird von diesem besonderen Apparat das übertretenden Gebot als Stempel auf den Körper tätowiert. Um die sechste Stunde wird der Verurteilte dann still, eine Assoziation von Golgatha. "Verstand geht dem Blödsinnigsten auf" und der, dem Schicksal ein Kreuz ist, entziffert in den folgenden sechs Stunden die Strafe aus den Wunden. Ist die Botschaft geritzt, nimmt der Apparat den Verurteilten mit dem letzten Stich, spießt ihn auf und übergibt ihn der Grube. Im Tod wird er freigegeben. Weil die zweifellose Schuld sich im Tode erst erlöst.

Der Reisende ist Zuschauer, Begutachter, gegen die Todesstrafe, weil "in europäischen Anschauungen befangen", aber eben auch hörig gegenüber den Kompetenzen. Einmischen gehört nicht zu den Gepflogenheiten und so duldet er im Stillen, wissend, dass unabhängig von ihm die Dinge ihren Lauf nehmen. Einmischung in eine Welt, in der er als Reisender zu Besuch ist, ist im nicht auferlegt. Auch hier zeigt Kafka seine kritische Haltung, vielleicht aus biographischer Sicht.

Der Offizier, begeistert vom Apparat, von der Macht und getrieben vom toten "alten Kommandanten", der aber immer noch posthum als Geist leitend war. Ihm galt es zu folgen, immer - auch wenn der Offizier sich einzig mutig fühlte, dieses zu zeigen. "Dieses Verfahren [...] hat gegenwärtig keinen offenen Anhänger mehr. Ich bin der einzige Vertreter des Erbes des Kommandanten". So will er den Reisenden überreden, gegen den neuen Kommandanten zu sprechen und als dieser sein klares "Nein" zeigte, wandelt sich die Geschichte des Offiziers in die Notwendigkeit, den Verurteilten frei zu geben und das, was die Maschine bewirkt, sich selbst zu geben. "Sei gerecht" wird er sich selbst einstechen lassen und während der Prozedur zerbricht die Maschine, sie vollendet nicht die Tilgung der Schuld, sie schafft nicht mehr, den toten Offizier in die Grube zu werfen, nicht mehr, das Absolute im Tode zu erreichen. "Kein Zeichen der versprochenen Erlösung war zu entdecken". Dem zuvor Verurteilten bleibt ein lautloses Lachen, dem Offizier fehlt jede Mimik eines glücklichen Endes, dass er als verführtes Opfer sehnlich pries, als in eigener Entscheidung reales Opfer nicht erreichte.

Mystisch wird Kafka in vielen Erzählungen. Auch hier lässt er den Reisenden zum Grab des alten Kommandanten gehen. Nicht auf dem Friedhof wurde der Frevler begraben, in einem Teehaus unter einem Tisch befand sich ein Grabstein. Die Prophezeiung sagt, der Kommandant würde wieder auferstehen, wo er jetzt doch mitten unter ihnen ist, und die Wiedereroberung der Kolonie betreiben. "Glaubet und wartet" ist die Inschrift des Grabsteins, die alle Umstehenden mit dem Reisenden gelesen haben. Und auch alle Leser dieser Erzählung. Der Reisende verließ die Kolonie allein, er hielt sogar die, die mitzugehen drohten vom Sprung ins Boot ab. Der Denkende ohne Handlungsbereitschaft und Glauben will mit denen, die handeln und glauben, nicht in einem Boot sitzen.

Kafka der Zweifler, befindet sich hier inmitten derjenigen, die an Recht und Ordnung bis zur Selbstaufgabe glauben. Kafka, eben dieser Reisende, dem es hier gelang, in nicht unmittelbar religiöser Rede davon denkend zu sprechen, dass ein Leben ohne die Existenz Gottes, ohne Metaphysik nur ein vegetieren sei. "Dass der autonome Mensch, unfähig, Schatten zu werfen und Schatten zu tragen, konturenlos sei", wie Walter Jens mal schrieb.

Kafkas Attribute und Fähigkeiten, die Rationalität des Irrationalen, die Selbstverständlichkeit des Paradoxen, die Alltäglichkeit der Metaphysik zu zeigen in einer wahrhaft besessenen Detail-Freudigkeit, kommen auch in dieser bravourösen Erzählung voll zu Geltung. Keiner außer ihm ist in der Lage, die Frage nach dem Menschen so nahe an den Rand der Antwort zu schieben.

Von daher empfiehlt der Rezensent Kafka und eben diese Erzählung.
##
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen "Kafka ist ein Lüstling des Entsetzens", 22. November 2006
Von Stephan Seither (Berg (Rheinland-Pfalz)) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: In der Strafkolonie. CD. (Audio CD)
Zum Sprecher (Eine Stimme für 4 Personen):

Schaut man sich im Internet um, wird die Stimme des hier eingesetzten Sprechers, Oliver Nitsche, mit folgenden Merkmalen beschrieben: "Mitteklräftig", "Frisch", "Warm" und "Markant" sei die Stimme des Sprechers - stimmt bis hierhin ohne jeden Zweifel - nur fehlt ihr in diesem Fall (meine Meinung nach!) das gewisse Gespür für Dramatik, plätschert die Erzählung einfach ihrem Ende entgegen.... - aus diesem Grund ein Stern Abzug....


Zur Handlung:

Ein Offizier führt einem Reisenden die Möglichkeiten seiner Hinrichtungsmaschine vor - fürchtet jedoch zugleich die Meinung des Reisenden, da dieser evtl. die Abschaffung der Hinrichtungsmethode durchsetzen könnte und verliert sich zwischen absurden Argumentationen, um seinen Status als Richter und Vollstrecker in einer Person erhalten zu können....

Anfangs noch voller Euphorie, versucht der Offizier, zunehmend verzweifelt, die Zustimmung des Reisenden für seine angeblich geniale Bestrafungsmethode zu erlangen....

Der Reisende begreift langsam aber sicher, welche Bedrohung der Offizier in ihm und seiner möglichen Meinung sieht - hält mit ihr jedoch nicht hinterm Berg und beschleunigt somit den Lauf der sich radikal ändernden Dinge....

Verurteilter und Soldat erfüllen die Rolle der schweigenden Statisten....


Die Personen der Erzählung:

Der Offizier - verliert sich vollständig in seiner Rolle des Technokraten, ohne Blick für den Verurteilten und dessen Rechte - vielmehr ist er absolut davon überzeugt, die ihm zur Verfügung stehende Hinrichtungsmaschine unbedingt einsetzen zu müssen - egal um welchen Preis!

Der Verurteilte - auf erschreckende Weise neugierig auf die Funktionen der Hinrichtungsmaschine, welche ihn das Leben kosten soll....

Der Reisende - als kritischer Beobachter der laufenden Folter / Hinrichtung

Der Soldat - ignoranter Erfüllungsgehilfe des Offiziers

Zum Autor:
Franz Kafka - je mehr ich von ihm zu lesen, bzw. zu hören bekomme, umso mehr verstehe ich übrigens die Kommentare seiner Zeitzeugen, wie z.B. diesen hier: "Kafka ist ein Lüstling des Entsetzens".

Halte ich Texte von Kafka in Händen, versuche ich mir stets vorzustellen welche Reaktionen er wohl mit seinen Aussagen zu Lebzeiten provoziert, bzw. hervorgerufen haben mag? Lesen sich viele seiner Ideen in der Gegenwart immer noch (ein wenig) "fremd", müssen sie zu seiner Zeit einfach wie Texte von einem anderen Stern geklungen haben?!




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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Meilenstein deutscher Erzählkunst, 23. März 2008
Von helmut seeger "liberaler" (karlsruhe) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 100 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Diese Rezension stammt von: In der Strafkolonie (Broschiert)
"In der Strafkolonie" ist nicht nur Franz Kafkas gelungenste Erzählung, sondern neben Borcherts "Schischiphusch" auch die beeindruckendste deutsche Erzählung, die ich kenne - und das aus zwei Gründen:
1. Vordergründig geht es um einen Reisenden, der in einer Strafkolonie ein Hinrichtungsverfahren "begutachten" soll, das mit einer speziell konstruierten Maschine durchgeführt wird.
Kafkas Kunstgriff liegt darin, dass er dem Reisenden die Feinheiten der Maschine von einem Offizier anpreisen lässt, der von diesem Verfahren vollkommen überzeugt ist und den Akt des Folterns mit der gleichen Begeisterung schildert wie andere den Liebesakt und den Reisenden gewinnen will, das Verfahren beim Kommandanten zu befürworten.
2. Der Reisende begutachtet das Verfahren im Auftrag des aktuellen Kommandanten, welcher ein Gegner der Folter ist, während der frühere Kommandant, dessen Geist noch über der Kolonie zu schweben scheint, ein vehementer Verfechter der härtesten und brutalsten Strafen gewesen war.
Indem der Reisende sich am Ende des Vortrags gegen die Maschine ausspricht, entzieht er sozusagen die Existenzgrundlage des Offiziers und vertreibt den Geist des ehemaligen Kommandanten.
Natürlich endet - wie alle großen Erzählungen Kafkas und das Leben selber - auch diese Geschichte tödlich und als der Reisende am Ende die Kolonie verlässt, hat diese kleine Erzählung den Eindruck vermittelt man hätte literarisch am Ende einer Epoche der Folter teilgehabt.
Mehr kann Literatur nicht leisten.
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4.0 von 5 Sternen In der Strafkolonie - Kafka
Hab es noch nicht gelesen, aber war etwas erstaunt, dass die Anhänge den größen Teil ausmachen. Das muss aber nicht heißen dass die Geschichte nicht hält was sie verspricht ...
Vor 7 Monaten von P. Prskawetz veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen Sollte man "gehört" haben
Mein Vorredner hat die Geschichte ja schon gut geschildert. Nur stimme ich nicht mit meiner Meinung über den Sprecher überein.
Ich finde den Sprecher sehr gut. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 16. Juni 2007 von N. Blasi

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