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von Margaret Atwood
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So erging es auch Tony, der Historikerin, Charis, die eigentlich Karen heißt, und Roz, der selbständigen Geschäftsfrau. Alle drei hatten in ihrem Leben das Pech, dem Unglück in der Person von Zenia zu begegnen. Einmal monatlich gehen sie gemeinsam zum Essen, und obwohl Zenia seit vier Jahren tot ist, lecken sie noch immer die offenen Wunden, die sie in ihrem Leben hinterlassen hat.
Margaret Atwood hat ihren Roman exakt durchkonstruiert: Bei einem gemeinsamen Essen schildert jeweils eine der drei Hauptpersonen ihre Biographie und wie es zur Begegnung mit Zenia kam. Die Überraschung ist perfekt, als gegen Ende des Treffens die totgeglaubte Zenia aus dem Nichts auftaucht und an ihnen vorbeirauscht. Alles deutet darauf hin, daß sich der Alptraum in neuer Besetzung zu wiederholen scheint. Zenia verkörpert die reine Bosheit -- sie will Zerstörung um jeden Preis. Sie nutzt die Schwächen ihrer Opfer hinterlistig aus. Gleich einem Zauberer, läßt sie jede Protagonistin nur den Teil ihrer Geschichte sehen, den sie selbst erkennen will. Sie kann über die Frauen nur deshalb Macht gewinnen, weil diese ihre Wünsche und Sehnsüchte auf sie projizieren.
Zenia arbeitet mit Spiegeln: Spiegel ist jeder, der ihr zusieht. Aber hinter dem zweidimensionalen Bild ist nichts anderes als eine dünne Schicht aus Quecksilber.
Die Bosheit macht auch vor den Männern nicht halt. Folgendermaßen widerfährt es dem Ehemann von Roz: "Zenia hat ihm etwas gestohlen, hat ihm das eine gestohlen, das er immer beschützt hat! Vor 'allen' Frauen, selbst vor Roz. Vielleicht könnte man es 'seine Seele' nennen. Zenia hat sie ihm aus der Brusttasche geklaut, als er gerade nicht hinsah -- mit derselben Leichtigkeit, mit der man einen total Besoffenen ausnehmen kann -- hat sie begutachtet und hineingebissen, um zu sehen, ob sie echt ist, und die Nase gerümpft, weil sie ihr doch zu mickrig war, und sie weggeworfen, weil sie zu der Sorte Frau gehört, die haben will, was sie nicht hat, und bekommt, was sie will, und es dann, wenn sie es hat, verachtet".
Die Räuberbraut ist ein gelungener Roman, der durch seine sehr präzise und detaillierte Beschreibung besticht. Die kleinen, unscheinbaren Nebensätze, die ganz genau geplant sind und auf zukünftige Ereignisse hindeuten, lassen das Buch einen Sog entfalten, dem man sich nur schwer entziehen kann. Margaret Atwood gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Kanadas -- dies hat sie mit diesem Roman erneut unter Beweis gestellt. --Manuela Haselberger
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