Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"1984" - paradox und oft falsch interpretiert!, 31. März 2007
Das bekannteste Werk (geschrieben 1948) neben "Farm der Tiere" von George Orwell (verstorben 1950) war auch sein letztes und damit sein Lebenswerk. Es gilt bis heute als einer der Paradelektüre bei Thematik "Unterdrückung der Gesellschaft durch ein totalitäres System" und das wohl zu Recht. Dabei hat Orwell nicht als erster den kritischen Gedanken an Politik, Staat oder gesellschaftliche Entwicklung diskutiert. So stellte Aldous Huxley 1932 das Buch "Schöne Neue Welt" fertig und bereits 1920 wurde ein Roman mit dem Titel "Wir" von Jewgenij Samjatin verfasst. Während ersteres heute immer noch in aller Munde ist und oft mit "1984" verglichen wird, ist das zweite Buch fast vollkommen untergegangen. Und das, obwohl offensichtlich eben dieses "Wir" einer der Grundlagen für George Orwells Roman gewesen ist. Denn während Huxley den Kapitalismus und den technischen Fortschritt kritisch beäugt, wurde Orwell - ebenso wie Samjatin - durch seine Erfahrungen mit dem Kommunismus stark beeinflusst. So ähneln sich die Geschichten sehr (und ich kann jedem 1984-Leser das Werk "Wir" nur empfehlen). Und genau an diesem Punkt wird Orwells Hintergedanke oft missverstanden oder falsch interpretiert: Wer kennt nicht den Ausdruck des "gläsernen Menschen" in unserer heutigen Zeit? Viele verbinden dieses mit dem Zitat "Big Brother is watching you" und kritisieren des Weiteren den technischen Fortschritt elektronischer Verfahren und computer-gestützter Anwendungen, d.h. die Informationstransparenz im modernen Zeitalter. Doch eben jenes ist das Paradoxe, denn Orwells Gesellschaft in 1984 ist über Güter- und Mengenknappheit definiert. Die Massen der Menschen werden dadurch beherrscht, dass Ihnen die Gedanken-Freiheit entzogen wird. Dieses geschieht über die Kontrolle der Lebensverhältnisse durch eine künstlich gehaltene Mangelsituation und eine damit entstehende Konzentration der Menschen auf die notwendigsten Bedürfnisse. Technischer Fortschritt wird nicht nur eingeschränkt, gar gestoppt. Orwell kritisiert somit im Grunde nicht eine mögliche Zukunft, sondern die damalige Vergangenheit, Orwells Gegenwart. Dieses Paradoxon findet sich in Kleinigkeiten: Beispielsweise ähnelt Der große Bruder" mit dem Schnauzer bildlich Stalin (1927 bis 1953 Diktator der Sowjetunion). Doch am deutlichsten wird es am Titel: 1984 - nicht mehr oder weniger das verdrehte Datum der Fertigstellung des Buches 1948! Doch Orwell geht viel weiter und schmückt das Buch mit vielen paradoxen Theorien: "Krieg ist Frieden - Freiheit ist Sklaverei - Unwissenheit ist Stärke". So wird eine in sich logische (aber doch wahnsinnige) Politikstruktur der Macht selbst letztendlich paradox: Die Partei setzt sich zum Ziel die komplette "Macht über Menschen. Über den Körper - aber vor allem über den Geist." So legt die Roman-Figur O'Brien aus Sicht der Partei klar dar: "In unserer Welt wird es keine Gefühle geben außer Angst, Wut, Triumph und Selbsterniedrigung...Es wird keine Kunst, keine Literatur, keine Wissenschaft geben...Es wird keine Neugier, keinen Lebensgenuss geben... immer wird es den Rausch der Macht geben, die ständig wächst und immer subtiler wird." An diesem Punkt werden Menschen zur leeren Hüllen zu leblosen Geschöpfen. Und sollte die Partei ihr Ziel erreichen, bliebe ihnen nur Macht über die Leblosigkeit, also leere Macht.
Die Faszination, die der Roman ausstrahlt und bis heute an die Leser überträgt, liegt in der Wahrnehmung, d.h. in der gefühlten Realität. Mit dem oben beschriebene Paradoxon des "gläsernen Menschen" - des Gefühls "Big Brother is watching you" - trifft Orwell den Nerv des Lesers. Trotz des oft nicht leichten Schreibstiles und dem langsamen Aufbau des ersten Drittel des Buches (1 Stern Abzug, da sich einige Leser sicherlich teils überwinden müssen, weiter zu lesen) schafft es die Geschichte, spätestens mit der dramatischen Darstellung im dritten Teil, unglaublich nahe zu gehen und realistisch zu wirken. Hierzu kommen viele kleine Motive, die sich im Laufe der Handlung ansammeln, und direkt oder indirekt auch in die moderne Zeit übertragbar sind.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Klassiker, ein Meisterwerk dieses Jahrhunderts., 9. November 1998
Von Ein Kunde
Mit 1984 gelang dem Autor George Orwell ein Meisterwerk dieses Jahrhunderts. Es geht um eine Vision der Welt im Jahre 1984 (nota bene: Buch fertiggestellt in 1949). Nach einem einem halben Jahrhundert des Elends entschied sich Orwell mit kritischem Blick an die desolate Situation heranzuwagen und kreierte eines der besten Bücher unserer Zeit. Es ist ein Buch, das jeder in seinem Regal stehen haben sollte und zumindest einmal gelesen. Die Geschichte regt zum Denken an, insbesondere die Frage "Was wäre, wenn es wirklich so schlimm gekommen wäre." Big Brother kontrolliert ganz Ozeanien und es gibt nichts, daß man tun kann, wenn da nicht Winston Smith wäre, der sich mit seiner Geliebten Julia gegen das System sträubt. Schon der erste Satz setzt die bedrückende Atmosphäre des Romans: "It was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen." Absolut lesenswert, ein Muß, ein doppelplusgutes Buch.
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