Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Meisterwerk, das schwer im Magen liegt, 20. August 2007
Ich möchte vorausschicken, dass, auch wenn meine Rezension für dieses Werk nicht nur loben ausfällt, ich keiner von den gar nicht wenigen Menschen bin, die Elfriede Jelinek den Nobelpreis von Grund auf missgönnen. Ihre Sprache hat nicht ihresgleichen und das ist auch der Hauptpunkt, den ich diesem Buch zugute halte. Jelineks Sprache ist ungemein kompakt, subtil werden literarische Andeutungen eingestreut, die Worte und Sätze sind geschliffen und von expressionistischer Kraft und Sätze wie: "Kunst und Ordnung, die verfeindeten Verwandten.", oder "Derzeit bleibt der junge Mann lieber mit sich allein, einen besseren Kameraden kennt der Wolf nicht, bevor er die Ziege trifft.", sind einfach großartig.
Die absolute Kunstsprache, so gekonnt sie auch sein mag, kommt allerdings dem Lesefluss nicht zugute. Man muss schon sehr konzentriert lesen und kommt dennoch langsam voran. Erschwerend kommt hinzu, dass Jelinek darauf verzichtet, Anführungsstriche zu verwenden und auch den Sprecher nicht immer benennt, sodass man bei der wörtlichen Rede aus dem Kontext schließen muss, wer gerade spricht. Gelegentlich wird die Beschreibung geradezu zum Selbstzweck, wenn Metaphern so stark ausgebaut werden, dass ihr Bezug zur Realität verloren geht. Der Text zerfällt in Episoden, die wie Schaukastenbilder einzeln beleuchtet werden, aber nicht recht zusammenzugehören scheinen.
Die Handlung ist schnell erzählt und geht nur geringfügig über das hinaus, was auf dem Buchrücken steht. Der eigentliche Konflikt des Romans in weniger ein personeller als ein psychologischer.
Jelinek schreibt mit großer Verachtung und Zorn, an kaum jemandem wird ein gutes Haar gelassen. Durch eine Brille, die weniger rosa nicht sein könnte, wirft sie einen Blick auf Charaktere und Gesellschaft. Wenngleich sie die Vulgärsprache nicht scheut, rutscht sie sprachlich nie ins Geschmacklose ab, was sie inhaltlich durchaus tut. Das allerdings ist Teil des Programms des Romans. Sexuelle Abarten werden bis zum Ekel beschrieben. Ob das nun richtungweisend oder banal ist, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist, dass, so krank das Erzählte auch sein mag, die Autorin mit der Sprache umzugehen versteht.
Insgesamt ist "Die Klavierspielerin" formal gesehen ein Werk von großer schriftstellerischer Meisterschaft - Spaß allerdings macht es keinen.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Gewalt der Begierde und Gewalt der Sprache, 11. Mai 2005
Erika Kohut, von ihrer Mutter zur Pianistin gedrillt, hat es nur zur Klavierlehrerin geschafft. Sie lebt noch mit Mitte 30 mit der Mutter in einer Hass-Liebe-Beziehung zusammen. Ihre "Befriedigung" zieht sie vor allem aus Schikane gegenüber ihren Schülern, Selbstverstümmelung und Voyeurismus. Ganz gleich, welche Anzahl Sterne ich dem Buch gebe, das Resultat stellt nicht zufrieden. Fünf Sterne für eine phanastische Sprache, für die Kunst, aus althergebrachten Redewendungen, Sprichwörtern und Floskeln Neuschöpfungen zu bauen, die genau ins Schwarze treffen und damit den Sinn des Alten verändern und beim Lesen aufhorchen lassen. Vier Sterne für die Beobachtungsgenauigkeit, den Blick für Einzelheiten und das Verfolgen einer Szene bis zum Ende. Beispiel dafür ist die Beschreibung einer Eiskunstläuferin (S. 107), die Spünge übt und Pirouetten dreht, und deren Bewegung von der Autorin bis zur kleinsten Muskelanspannung wiedergegeben ist. Aber - und daher keine 4 oder 5 Sterne - dieses detailgetreue Beobachten wird so auf die Spitze getrieben, dass es zum Sezieren wird. Jede Handlung, jeder Gedanke, jedes Gefühl der einzelnen Personen wird auseinandern genommen und negativ beleuchtet. Liebe ist nichts anderes als der Wunsch nach Machtausübung und Unterwerfung des anderen; Gefühle wie Freundschaft, Zärtlichkeit, Mitleid, Sympathie, Zuneigung, usw. werden ausgeklammert. Wenn man Büchern, die ihre Personen und deren Handlungen mit der rosaroten Brille der selbstlosen und allumfassenden Liebe ausstatten, Realitätsferne und Unglaubwürdigkeit vorwirft, so gilt das auch - wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen - für dieses Buch. Die von Jelinek beschriebene Seite des Menschen gibt es, aber es ist eine Seite und nicht das gesamte Wesen. 3 Sterne für das Buch sind also lediglich ein schlechter Kompromiss und nur rein rechnerisch zu werten.
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14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Vom Ekel und der Wortgewalt, 1. März 2005
Auch ich - ich geb' es zu - habe Jellinek erst in die Hand genommen, nachdem die Nachricht über ihren Nobelpreis die Literaten-Nation gespalten hat. Und ich habe eine Goldgrube gefunden: kein zeitgenössischer Autor und keine zeitgenössische Autorin ist so wortgewaltig wie die Jellinek, keiner und keine kann so virtuos mit Worten umgehen. Sicher: die Geschichte der "Klavierlehrerin" ist nicht vergnüglich. Soll sie nicht, darf sie auch gar nicht sein! Eine Frau, gefangen in der eigenen Unzulänglichkeit, der anerzogenen Arroganz und der Tyrannei der Mutter, kann sich nicht selbst entkommen, kann nicht aus sich heraus - und inszeniert die eigene Vergewaltigung, durch die sie sich erhofft, die Verantwortung für sich selbst - das bisschen Verantwortung, das ihre Mutter ihr noch nicht aus der Hand gerissen hat - endlich auch abgeben zu können. Am Ende steht neben der seelischen Verletzung, die sie schon immer mit sich herumträgt, nur mehr auch noch eine physische. Der Ekel und der Widerwillen, mit dem das Buch geschrieben wurde, ist gewaltig, und überträgt sich durchaus auch auf den Leser. Wertlose rückgratlose Frauen, abscheuliche lächerliche Männer und die verhasste Welt mitteleuropäischen Bürgertums - Jellinek wütet ihre Abneigung mit jedem Satz aus sich heraus. Aber diese Wut, und das ist das außergewöhnliche an diesem Buch und an Jellinek, befähigt sie zu einer großartigen Sprache, die nicht schön zu nennen ist, aber gewaltig, einmalig und meisterhaft. Und dem verzagten Leser sei gesagt: die Depression beim Lesen vergeht nach ein paar Tagen wieder. Was bleibt, ist der Eindruck einer großen Meisterin der Sprache.
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