Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2002
In seiner ausführlichen Besprechung lässt Heinz Ludwig Arnold noch einmal die Skandalchronik der Hochhuthschen Stücke Revue passieren: angefangen beim "Stellvertreter" von 1964 bis hin zu den "Soldaten", die ihm in England wegen Verunglimpfung Churchills eine hohe Geldstrafe einbrachten. Was danach kam, war weniger brisant und literarisch ohnehin nicht innovativ, meint Arnold und leitet zu Hochhuths Prosastücken über, die eine Ehrenrettung verdienten. Besonders hebt er die "Berliner Antigone" von 1965 hervor, für ihn einer der schönsten Texte Hochhuths überhaupt und ein gutes Beispiel für das Hochhuthsche Erzählprinzip, das Wesentliche in "beiläufigen Nebensätzen" mitzuteilen. Auch die Erzählung "Eine Liebe in Deutschland" von 1978 lebe von diesem "Eindruck von Fülle bei gleichzeitiger Kargheit", wie Leopold Ahlsen über Hochhuth gesagt haben soll. Zu den Gedichten: die habe Hochhuth fortlaufend geschrieben, seien aber "weniger Lyrik als geformtes Tagebuch", so Arnold. Das Hochhuthsche Werk wirkt auf ihn ziemlich zerklüftet, da gebe es völlig umständliche, langweilige, ungenießbare Passagen, das gibt Arnold gerne zu, und doch mag er ihn - wie das "Salz in der Suppe" - nicht missen.
© Perlentaucher Medien GmbH
Über den Autor
Rolf Hochhuth wurde am 1. April 1931 in Eschwege geboren. Nach Abschluss einer Buchdruckerlehre arbeitete Hochhuth in verschiedenen Buchhandlungen in Marburg, Kassel und München. Nebenher war er Gasthörer an den Universitäten in Heidelberg und München. 1955 war er Lektor im Bertelsmann-Lesering und arbeitete an der Herausgabe verschiedener Werksausgaben und Erzählanthologien mit. Seit 1963 lebt Hochhuth als freier Autor in Riehen bei Basel.
Der Schwerpunkt seiner Themen liegt auf der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Seine Werke sind mit dokumentarischem Beweis- und Belastungsmaterial angereichert, die Hochhuth in umfangreichen Recherchen zusammengetragen hat. Hochhuth wurde damit zu einem der Hauptvertreter des sogenannten Dokumentartheaters der 60er Jahre. Dabei entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten und umstrittensten Dramatiker in der deutschsprachigen Bühnenwelt.
1980 erhielt er den Literaturpreis der Stadt München und des Verbandes bayerischer Verleger sowie den Geschwister-Scholl-Preis für Literatur, 1990 den Jacob-Burckhardt-Preis der Basler Goethe Stiftung. 2001 folgte der Jacob-Grimm-Preis für seinen Einsatz um die deutsche Sprache.