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22 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Sehr enttäuschend!, 13. Oktober 2006
Ich bin historisch sehr interessiert und habe daher schon sehr viel über Geschichte (und natürlich auch die Habsburger) gelesen.
Es ist leider so, dass Christian Dickinger seine politische Einstellung in diesem Buch nicht verbergen konnte (wollte?). Bei jedem einzelnen Satz merkt man die Abscheu gegen alles Aristokratische. Dass aber wahrscheinlich 99% seiner Leser objektive Schilderungen bevorzugen (eine Meinung kann sich schließlich jeder selbst bilden!), hat er nicht bedacht. Er schreibt durchwegs gehässig und stellt die Adeligen als degenerierte Idioten hin. Es mag solche durchaus auch gegeben haben, aber trotzdem ist diese ständige "Heruntermacherei" nicht auszuhalten.
Zusätzlich habe ich nicht nur einen schweren inhaltlichen Fehler (betr. Jahreszahlen, aber auch Bezeichnungen, so z.B. die Verwechslung von Joseph I. mit Joseph II.!!!) entdeckt.
In Summe ein Buch für Kommunisten und Sozialisten, nicht aber für historisch Interessierte, die keine Meinung vorgekaut bekommen möchten. Das war mit Sicherheit das erste und letzte Buch, das ich von diesem Auto gekauft habe! Schade um das Geld...
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Geschichtslektionen ad usum Delphini, 2. März 2009
Der Buchtitel klingt vielversprechend: Die schwarzen kaiserlichen Schafe in all ihren Skurrilitäten und grotesken Absonderlichkeiten, dazwischen einige wenige, die positiv aus der Art geschlagen sind... Dass die Habsburgerischen wahr- und wahnhaften "Orgien der Inzucht" bemerkenswerte Ergebnisse geliefert haben, dass da schonmal die hochwohlgeborene Stiefmutter heiratsbedingt Stieftöchterchens Schwägerin wurde -- na, darüber erführe man doch gern Genaueres, zumal die öffentliche Lektüre eines ordentlichen Buches aus dem Programm eines respektablen Verlages niemals so peinlich ist wie das "Goldene Blatt", wenn im selben Bus ein Bekannter sitzen könnte.
Dass das Prinzip der Primogenitur (der Erstgeborene kommt zuerst, und sei er noch so verdreht) und das Kaiserlich Österreichische Familienstatut (Die "Eheerlaubnis" des Kaiserlichen Familienoberhauptes gab's nur, wenn der zukünftige Ehepartner eine "makellose Ahnenreihe bis zu den Ururgroßeltern aus 'Regierenden oder vormals regierenden Häusern'" aufweisen konnte) den Habsburger Genpool nicht eben bereicherten, dass die allzu oft überstrengen bis fanatisch reaktionären Erzieher der kaiserlichen Nachkommen und das Spanische Hofzeremoniell eventuell dennoch vorhandener Intelligenz auch nicht förderlich waren -- nun, das ist bekannt, und die Folgen kann man sich ausmalen. Aber die konkreten Einzelfälle ließe sich der insgeheim sensationslüsterne Leser dann doch gern im Detail schildern; gegen derlei triviale Kurzweil ist schließlich keine Bildungsschicht gefeit.
Derlei zugegeben despektierliche Interessen befriedigt dieses Buch aber leider nur ansatzweise: etwa wenn Erzherzog Ludwig Viktors skandalöse homophile Eskapaden im Schwimmbad zu lesen sind, oder wenn das nachvollziehbare Entsetzen heiratsverdonnerter Kaisergemahlinnen angesichts ihres Zukünftigen aus deren nachgelassenen Briefen zitiert wird; wenn die renitenten, freiwillig zum Bürgertum konvertierten Habsburger, die lieber eine Bürgerliche heirateten, als sich ins eheliche Unglück verdonnern zu lassen, in einem eigenen Kapitel gewürdigt werden. Auch einige Schilderungen skurriler bis grotesker Hofintrigen lesen sich amüsant, und so manche Kolportage über außergewöhnlich verdrehte Herrscher hält genau das, was der Buchtitel verspricht: amüsante bis pikante Alkovenhistörchen nämlich. Seriöse Geschichtsschreibung hat man sich ja wirklich nicht von der Lektüre versprochen. Freilich ist Dickinger hier nicht konsequent: Er bietet nämlich Anekdoten nicht als Anekdoten dar, sondern bettet sie oft in seine "Thesen" ein, als handle es sich um deren quellenbasierte Unterfütterung. Ein anständiger Historiker geht mit seinen Zitaten pfleglicher und vor allem kritischer um. Aber zu den Minuspunkten kommen wir noch.
Brauchbar sind auch gelegentliche Schilderungen der historischen und sozialen Gegebenheiten (z.B. soziale Missstände, europaweite 1848er Revolutionen, Wiener Kongress, Balkankrise); wenn diese etwas arg plakativ geraten sind, dann kann man das mit einigem gutem Willen immerhin der dem Buch zugrunde liegenden Idee zuschreiben. Mitunter bemüht Dickinger sich sogar um ausgewogene Charakterisierungen und korrigiert zumindest ansatzweise Stereotypen trivialhistorischer Gemeinplätze: Der grotesk verwachsene Kaiser Ferdinand war womöglich doch nicht ganz so vertrottelt, wie man ihn oft vorgestellt bekommt, und die Kaisermutter Sophie war nicht nur klüger als ihr Gemahl Franz, sondern wohl auch nicht die Bissgurn, als die sie in den Sissi-Filmen dargestellt wird. Auch dass Verbohrtheit nicht völlig erbdominant war bei den Habsburgern, tritt gelegentlich zutage, z.B. wenn man zwischen all dem intellektuellen Elend liest, dass es auch so erfreuliche schwarze Schafe gab wie den liberalen und reformfreudigen Erzherzog Johann (genau, der mit dem Jodler).
Dass Dickinger nicht streng chronologisch vorgeht und man sich deswegen in den jeweiligen politischen und Familien-Angeleigenheiten gelegentlich verirrt; dass man nicht immer sofort kapiert, um welchen Franz, Karl, Ferdinand, Ludwig oder Otto es gerade geht -- nun, das sind weniger schwerwiegende Versäumnisse, die sich allerdings leicht beheben ließen. Daher rührt mein nachhaltiges Missfallen nicht.
Peinlich jedoch wird Dickingers Bemühen um historische Seriosität: Allzu oft liest man Platitüden der Art "Allgemein wurde angenommen" (von wem?), "Klar ist indessen" (wieso?). Papst qua eigener Berufung Dickinger spricht ex cathedra? Vor solchem Unfug warnt doch schon die Broschüre "Rhetorik für Anfänger".
Es wird noch schlimmer; leider verspricht der Titel nämlich allzu viel. Da werden in Seriosität suggerierender thematischer Ordnung zwar die markantesten Dynastie-Granden vorgestellt, sauber geordnet in die Kategorien regierende Trottel, "Aussteiger aus dem Kaiserhaus", Wüstlinge mit ihren jeweiligen Vorlieben, und befremdlich republikverweigernder Nachklapp im Kreise heutiger Nachkommen.
Der Autor versichert in seinem Geleitwort, er wolle ironisch sein, nicht aber polemisch; seine Feder werde er zwar nicht in Weihrauch tauchen, aber auch nicht in Jauche. Klingt gut; schließlich liest sich pointierte Frechheit nicht nur in öffentlichen Verkehrsmitteln amüsanter als die erzählerische Variante patinabestäubter Riechfläschchen.
Aber was Christian Dickinger unter Ironie und Polemik versteht, das ist mir schleierhaft. Versteht er unter Ironie plakativen Klamauk und gegen Kritik imprägnierte verbale Rundumschläge à la "die kluge Sophie", "die mitfühlende Stiefmutter", "die maßlos eitle Elisabeth" oder "ein primitiver Phlegmatiker"? Derlei plumpe und vor allem unnötige Zuschreibungen klingen doch arg nach Courts-Mahler und verkünden nichts Neues. Dafür prunkt Dickinger gelegentlich mit unfreiwillig komischer Betulichkeit, etwa wenn er allen Ernstes und stelzbeinig von "einer gefährlichen venerischen Erkrankung" schwadroniert, wenn er Syphilis meint. Umgeben sind stilistische Bauchpflatscher dieser Art von penetrant schnoddrigem Tonfall; letzterer mitunter durchaus nicht ganz unwitzig, aber weniger plakativ wäre das eindeutig wirkungsvoller. So aber veranstaltet man nur ein literarisches Hornberger Schießen.
Und dann diese verhauten Metaphern und Bilder! Gab's die irgendwo im Angebot, gar im Dutzend billiger? -- "In Waterloo ertranken die Träume des Korsen im regennassen Schlachtfeld". Na, das erübrigt doch jede Karikatur.
Nein, das ist ganz einfach zu billig und befriedigt weder biographischen noch anekdotischen noch Boulevard-Wissensdurst. Geschichte ad usum Delphini (Wissen derart vereinfacht, dass es sogar die meschuggenen Erzherzöge kapieren).
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10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Enttäuschend, 29. August 2006
Als ich die ersten Seiten des Buches durchblätterte und kurz in die einzelnen Geschichten reinschmökerte, war ich doch sehr enttäuscht. An den objektiven Schreibstil der Historikerin Brigitte Haman gewohnt, konnte ich mit Herrn Christian Dickingers Betrachtungs- und Erzählweise nichts anfangen. Dieser war reisserisch und -in meinen Augen - erniedrigend geschrieben. Ich konnte darin nichts "Erfrischendes" entdecken. Bedauerlicherweise verfügt Herr Christian Dickinger nicht über das Feingefühl der Historikerin Brigitte Haman, die es versteht, Verhaltensweisen von Aristokraten auf mögliche nachvollziehbare Gründe zurück zu führen.
Zwei Punkte gibt es trotz alledem - die Idee hinter dem Buch hat etwas Bestechendes an sich, sonst hätte ich das Buch nicht bestellt.
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