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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lebendige Geschichte in Zusammenhängen - sehr empfehlenswert, 16. März 2008
Nicht nur allein die politische, auch die gesellschaftliche Geschichte beschreibt Herre hier sehr anschaulich: Wie Maria Theresia bei ihrer Machtübernahme (wobei anfangs von "Macht" nicht viel Rede sein konnte) dastand, wie desolat der österr. Beamtenstaat war (Vergleiche mit heute drängen sich auf), wie verfahren die Situation, wie inkompetent der gesamte Staatsapparat (siehe erste Parenthese!); welche Motivation andererseits Friedrich von Preußen hatte, seinen Krieg zu beginnen. Gut fand ich, dass die politischen Machthaber und deren Einflüsterer in ihrer Persönlichkeit dargestellt werden und so ihre Handlungsweise und deren positiver oder negativer Einfluß auf den Verlauf der Geschichte erklärbar und verstehbar wird. Die diversen Reformen (Militär, Verwaltung, Wirtschaft) werden in ihrer Notwendigkeit erklärt, die verschiedenen Lösungsansätze und deren Protagonisten einander gegenübergestellt und deren Motivationen erklärt. So entsteht ein lebendiges Bild, das nicht wie bisher verstaubt historisch, sondern wie aus dem Leben gegriffen erscheint. Bei aller Sympathie für die gelungenen Reformen der "Kaiserin" bleiben einige schwere charakterliche Mängel an ihr haften: der schlimmste ist ihre alles durchdringende Bigotterie, ihre verabscheuungswürdige Frömmelei, die erstens gute Reformansätze auf halbem Weg verhungern läßt (sie läßt zwar Waisenhäuser bauen, aber keine Häuser für Findelkinger, weil damit der ehelichen Untreue Vorschub geleistet würde); dieser tiefe Katholizismus hatte Österreich schon lange vorher zum europäischen Schlußlicht werden lassen, was Aufklärung, individuelle Freiheit, Bauernbefreiung (nur die allerersten Ansätze, versteht sich), Fortschritt und Wissenschaft angeht. Ganz anders dazu Friedrich von Preußen, der ihr in vielen Dingen ein gutes Vorbild war. Zum anderen scheint Maria Theresia recht eigensinnig gewesen zu sein, was Musik und Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und auch das Militär angeht: ohne tiefergehende Kenntnis der Materie scheint sich sich in alles und jedes eingemischt zu haben; so erkannte sie nicht Mozarts Genie und hielt ihn für einen vagabundierenden Musikus. Ihre Vorliebe für das Chinesische Geschnörksel (ohne irgendeine Kenntnis der chinesischen Lebensweise) deckt sich gut mit dem Faible fürs Rokoko.
Man muss ihr aber zugute halten, dass sie die Medizin gefördert hat (mit Van Swieten, dem wir anscheinend sehr viel verdanken, so auch die Erste Wiener Medizinische Schule), dass sie auch die Macht der Kirche versucht hat zu beschneiden, den Klerus gerechterweise besteuert hat und den Run auf die Klöster gebremst hat (aus pragmatischen Gründen: dort sollen sich Menschen angesammelt haben, die den Drang zur Arbeitsvermeidung verspürten); so gesehen ist sie eine recht ambivalente Persönlichkeit gewesen, sparsam und pragmatisch einerseits, andererseits aber doch auch verschwenderisch (wenn man sich Schönbrunn ansieht) und abgehoben (ihre unnützen Theaterbauten).
In Herres Buch kommen auch private Lebensumständer Maria Theresias zur Sprache: das Leben am Hof oder die Erziehung ihrer Kinder. Interessant ist das Kapitel über den Siebenjährigen Krieg: wäre der anders ausgegangen, wie würde Europa heute aussehen? Auch dieser lange Konflikt hält unserer Zeit den Spiegel vor: Das verhältnismäßig kleine Preußen beginnt einen großen, einen europäischen Krieg und hält (gemeinsam mit England) den vereinigten Mächten Frankreich, Österreich, Russland und einigen kleineren Mächten stand. Und warum? Weil diese durch Betonung ihrer nationalen Partikular-Interessen das übergeordnete Ziel (die Bekämpfung des "Aggressors" Friedrich - natürlich von meiner Seite ganz wertfrei - ich schätze Friedrich als einen aufgeklärten Monarchen) verfehlt haben: die EU läßt grüßen! Ein wunderbar geschriebenes Buch, wie eine Geschichte erzählt, daher flüssig und angenehm zu lesen und dabei trotzdem in die Tiefe gehend. Herre versteht es meisterhaft, Entwicklungen und Zusammenhänge zu schildern und verständlich zu machen - es ist also keine staubige "Historie", im Gegenteil - man bekommt fast das Gefühl, selber dabeigewesen zu sein!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ausführliche und detailierte Beschreibung einer tollen Frau, 6. Februar 2007
Franz Herre ist sicher kein Biograf, der in einem leichten, flüssigen Romanstil schreibt.
Er geht politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr ins Detail. Man erhält einen sehr genauen Eindruck über die Zeit Maria Theresias, ihre Berater, Gegner, ihr Volk und die Gesellschaft.
Die politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten werden von Herre auf sehr hohem Niveau beschrieben; meiner Meinung nach bleibt die Person "Maria Theresia" und private Einblicke etwas auf der Strecke.
Dieses Buch gibt einen sehr guten Gesamteindruck über die große Herrscherin und ihr Umfeld, es ist jedoch nicht für Leser geeignet, die ausschließlich den Stil von Brigitte Hamann oder Thea Leitner bevorzugen.
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6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Kein großer Wurf, 10. Januar 2000
Von Ein Kunde
Franz Herre ist ja als Autor zahlreicher Biographien bekannt. Ich kenne nur seine Biographie Maria Theresias, nach der Lektüre dieses Buches war ich nicht derart angetan, daß ich noch zu weiteren Werken von Herre greifen wollte. Er schildert das Leben der großen Habsburgerin nach Themenkomplexen, die nicht immer sonderlich chronologisch vorgehen, so daß ich zumindest immer etwas verwirrt war über die Zeitsprünge, die der Autor notgedrungen vornehmen muß. Das trägt nicht gerade zur Übersichtlichkeit bei. Sicher, sein Stil ist gut lesbar, aber eine Biographie sollte doch immer versuchen, ein Leben in seiner Entwicklung darzustellen. Es ist sicher interessant, Charaktermerkmale heraus zu arbeiten, aber nach ihnen eine Biographie zu gliedern gefällt mir nicht sonderlich. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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