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18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Als Erstinformation wirklich sehr gut, 13. März 2004
Heinz Ohff, lange Feuilleton-Leiter des "Berliner Tagesspiegel" und ausgewiesener Fontane-Kenner, über den er eine hervorragende Biographie geschrieben hat, legte bereits 1999 dieses Werk über Preussens Herrscher vor. Im Gegensatz zu dem Sammelband, der im Beck-Verlag unter der Herausgeberschaft von Frank-Lothar Kroll erschienen ist, wendet sich dieser Band als Zielgruppe an Leser, die Erstinformation suchen - vergleichbar ist sein flüssiger, leicht lesbarer Stil mit Sebastian Haffners und Wolfgang Venohrs: "Preußische Profile" bzw. "Preußen ohne Legende" von Sebastian Haffner. Leicht lesbar hat Ohff einen Blick für das Wesentliche. In Anlehnung an Haffner sieht er etwa den Weitblick, mit dem Friedrich I., der erste König, nach der Königskrone griff. Mag es Prestigedenken gewesen sein, die Erringung der Königskkrone war ein "Zauberwort", wie er in Anlehnung an Haffner konstatiert und begründete die Macht Preußens. Überhaupt zeichnet Ohff ein sehr differenziertes Bild der preußischen Könige. "Preußen erschien geradezu der Erfinder des Militarismus, wobei man übersah, daß andere deutsche Staaten sich ebenso grimmig auf Kriege vorbereiteten....Ohne Zweifel hatten die Preußen den Militarismus als ein staatstragendes Element angesehen und gepflegt, doch zumeist sehr umsichtig angewendet. Der eigentliche Begründer der preußischen Armee, der sich den Titel "Soldatenkönig" verdiente [Friedrich Wilhelm I., 1713-1740; B.N.], hat so gut wie keine Kriege geführt...Sein Urenkel, Friedrich Wilhelm III., hatte ähnliche Skrupel...Einen Napoleon (oder Hitler)hat Preußen nicht hervorgebracht. Selbst Friedrich der Große, der alles wagte und das meiste gewann, war alles andere als ein Tyrann." Diese Feststellungen sind korrekt. Ebenso sticht der "psychologische Falkenblick" hervor, mit dem Ohff das Wesentliche vom Unwesentlichen bei seiner Darstelung der Geschichte der preußischen Könige vom Unwichtigen trennt. Dies kann nur ein ausgewiesener Kenner. Als dieser erweist sich Ohff, wie die umfangreiche Auswahlbibliographie am Schluss zeigt, die die allgemeine Geschichtswerke über Preußen ebenso aufführt wie Memoiren, wichtige Biographien. Eine Zeittafel erleichtert den chronologischen Zugang. Im Gegensatz zu Krolls Sammelband fehlt ein Stammbaum, der recht hilfreich gewesen wäre. Krolls Werk ist auch völlig anders aufgebaut und legt verstärkt Wert auch auf die Preußische Geschichte vor 1701, die bei Ohff nur gestreift wird. Bei Kroll wird jeder König durcheinen ausgewiesenen Fachmann vorgestellt. So ist Krolls Werk eher für Spezialisten interessant, allerdings schwerer lesbar als Ohffs leicht lesbar geschriebenes Werk, bei welchem der Leser dennoch das Gefühl hat, am Ende alles zu wissen und nichts wesentliches zu verpassen.Wer also sich nur kurz über die Herrschaft der preußischen Könige informieren möchte, ist mit Ohffs Werk sehr gut beraten, wer stärker in die Tiefe gehen möchte, sollte zu dem Werk: Preussens Herrscher / hrsg. von Frank-Lothar Kroll greifen. Beides jedoch sind lesbare und hervorragende Einführungen in die Geschichte der preußischen Könige, wobei in beiden Büchern aufgrund des gewählten Ansatzes, die Geschichte Preußens anhand seiner Könige zu beschrieben, der biographische Ansatz naturgemäß überwiegt. Wer stärker an Sozial-, als an Ereignisgeschichte Preußens interessiert ist, sollte zu Haffners: "Preußen ohne Legende" oder das Standardwerk von Schoepfs: "Preußen" greifen oder Wehlers: "Deutsche Gesellschaftsgeschichte" zu Rate ziehen. Fazit: als Ersteinführung ist Ohffs Werk sehr gut, da es das Wesentliche vom Unwesentlichen trennt, nichts wesentliches auslässt und dennoch ein umfassendes Bild der preußischen Königsgeschichte vermittelt. Daher vergebe ich die volle Punktzahl.
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34 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Hohenzollern in einem Rutsch, 22. Oktober 2009
Auf S. 184ff. es vorliegenden Buches findet sich eine Episode, die recht gut zeigt, was das Phänomen Preußens eigentlich bedeutete. König Friedrich Wilhelm II war 1797 gestorben, als sein Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm III (1797-1840) die Güter, die Wertgegenstände und den Schmuck der ehemaligen Hauptmätresse des Vaters, der Gräfin von Lichtenau, beschlagnahmen ließ. Dagegen klagte die Maträsse vor preußiscen Gerichten - und diese gaben ihr recht! Sie wurde rehabilitiert, erhielt eine Staatspension, und der neue König musste seien juristische Niederlage zähneknirschend anerkennen.
Mit diesen und vielen anderen Geschichten verdeutlicht der Autor Heinz Ohffs in dem vorliegenden Buch recht eindrucksvoll, dass Preußen viel mehr war als jenes Zerrbild des Militarismus, das die Alliierten 1947 mit einem Federstich in den Orkus der Geschichte schickten. Preußen war ein staunenswerter Staat, der auf schmalster Grundlage erwachsen, für zwei Jahrhunderte die Geschichte Europas maßgeblich mitbestimmte - was um so erstaunlicher ist, als dass seine Herrschergestalten, mit Ausnahme Friedrichs II (1740-1786) alles andere als imposante Herrschergestalten darstellten. Aber ganz so schlecht wie sie von der Nachwelt angeschwärzt wurden, waren sie nach Ohffs Meinung auch wieder nicht. Der kleinwüchsige Friedrich I ( 1701-1713), der seine winzige Gestalt durch hohe Schuhe und grotesk hochtoupierte Perücken kaschieren wollte, erwarb immerhin für 6 Millionen Taler vom österreichischen Kaiser Leopold I den Königstitel. Sein Nachfolge Friedrich Wilhelm I (1713-1740) war zwar ein cholerischer Prügelvater, aber auch ein Staatshaushalter wie es wenige vor und nach ihm gab. Sogar an den beiden blassesten Hohenzollern Friedrich Wilhelm II (1786-1797) und Friedrich Wilhelm III (1797-1840) weiß der Autor ihren kulturellen Geschmack zu schätzen. Auch Wilhelm I (1860-1888) war keineswegs nur der "Kartätschenprinz" als den ihn die liberale Presse verschrie sondern immerhin der Mann, der Nerven genug hatte, unter Bismarck preußischer König und deutscher Kaiser zu sein. Sogar Wilhem II (1888-1918) erfährt Gerechtigkeit, denn seine Herrscheraufgabe, so ein Churchill Zitat, war durch einen normalen Menschen nicht zu meistern. Wirklich groß war nur Friedrich II ( mit all dem Leid, dass eine solche monarchische Größe für das einfache Volk mit sich birngt) - groß werden können hätte der tragische Kaiser Friedrich (III), der sein Leben lang als liberaler Kaiser auf seinen Regierungsantritt wartete, und dann nach nur drei Monaten Amtszeit 1888 an Krebs starb.
Aber es sind nicht nur die biographischen und psychologischen Skizzen, die der Autor informativ und unterhaltsam entfaltet, auch der Gesamtabriss der peeußisch-deutschen Geschichte im 18. und19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg ist absolut lesenswert. Alles in allem: ein Buch nicht unbedingt für Kenner der preußischen Geschichte aber für Sanscouci Einsteiger und Preußen-Novizen ohne Einschränkungen empfehlenswert.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Lebendiges Bild, 14. März 2007
Wie oft schon habe ich versucht mehr über Berlin und Potsdam zu erfahren. Ich wollte wissen, wer dieses Schloss, jenes Gebäude gebaut hat, allerdings wurde es immer schnell langweilig. Friedrich I, Friedrich II, Wilhelm I? II? Friedrich Wilhelm... Was fehlte, war eine solide Grundlage, ein Einblick in die Menschen hinter den Namen. Und zwar ein solcher, der nicht wieder nur mit neuen Namen um sich wirft.
Und genau das bietet dieses wunderbare Buch von Heinz Ohff.
Die tristen Figuren werden zum Leben erweckt und abgestaubt. Man kann sich ein wenig eindenken in das Verhalten der Könige, in die Zeitzeugen. Darauf aufbauend kann man sich weiter informieren, Bücher lesen über Potsdam, über Berlin. Und statt Namen tauchen dann Menschen auf, Gesicher und Geschichten...
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