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15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Außenseiter, 28. Mai 2007
Die japanische Originalausgabe trägt den Namen "OUT" und diesen Titel ins Deutsche mit "Die Umarmung des Todes" zu übertragen war auf jeden Fall eine blöde Idee. Was ist das hier in Deutschland mit dem Buchmarketing?? Dieses Buch ist kein Krimi (zumindest nicht im klassischen Sinne), es geht -wenn überhaupt- nur vordergründig um die Aufklärung eines Mordes, sondern Thema sind vielmehr die Außenseiter in der japanischen Gesellschaft, die tagein, tagaus ihr Satellitendasein fristen: die Nachtarbeiterinnen in der Lunchbox-Fabrik, die Menschen der Unterwelt, dann noch diejenigen, die im Laufe der Geschichte Obsessionen an sich entdecken, von denen sie davor nicht zu ahnen gewagt hätten. Die manchmal als übermäßig empfundene Darstellung von blutigen Szenen ist hier auch nur Mittel zum Zweck: den Bruch zwischen dem "IN" und dem "OUT" zu illustrieren. Diese Menschen, die durch ihre gesellschaftliche Stellung schon Außenseiter sind, durch einen Mord aufeinandertreffen und die Geschichte in solch einem Feuerwerk der Abartigkeiten explodieren zu lassen, finde ich eine fantastische Idee.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein Buch wie ein Sog, 31. Mai 2005
Yayoi, Mutter zweier Kinder, arbeitet nachts in einer Lunchpaketfabrik ebenso wie die verwitwete Yosie, die ihre pflegebedürftige Schwiegermutter versorgt, Kuniko, die mehr kauft und besitzen will als sie Geld verdient, und Masako, deren Familie, obwohl noch unter einem Dach lebend, langsam zerbricht. Als Yayois Mann ihr gesteht, das gemeinsam Ersparte verspielt und zu Prostituierten getragen zu haben, erdrosselt sie ihn. Um die Leiche loszuwerden, wendet sie sich an die praktische Masuko und initiiert damit ein Szenario, das für die vier Frauen zum Horror wird. Ein furioser Krimi; trotz seiner 600 Seiten schnell zu lesen, sobald man sich an die fremd klingenden Namen gewöhnt hat und die Personen voneinander unterscheiden kann. Was mich am meisten gewundert hat: Wie wenig fremdartig das Buch wirkt. Abseits vom dörflichen japanischen Leben mit seinen Traditionen und Familienbanden sind Lebenssituationen und -probleme dieselben wie man sie aus den Schilderungen von europäischen und amerikanischen Großstadt-Randsiedlungen kennt: Beengte Wohnverhältnisse, Konsum um jeden Preis, Geldprobleme, familiäres Auseinanderleben und Menschen, v.a. Frauen, die zwischen beruflicher Arbeit, Haushalt und Versorgung der Familie keinen Platz und keine Zeit zum Verschnaufen haben. Die Krimihandlung wird von einer Spannung getrieben, für die nur das Wort "unerträglich" gelten kann. Daneben hat die Autorin die Personen so gezeichnet, dass man als Leser mit jeder mitfühlen kann, sogar mit Kuniko, dem Schwachpunkt des Quartetts, und auch mit dem sadistisch veranlagten Bordell- und Spielclubbesitzer Satake. Allerdings kommen auch einige Personen vor, die relativ grundlos und plötzlich aus der Geschichte verschwinden, obwohl sie bis dahin entscheidend zur Spannung beigetragen haben, so die beiden polizeilichen Ermittler. Dieses Geflecht aus Angst vor Entdeckung, vor unbezahlbaren Schulden, vor anonymer Gewalt verdichtet sich hin zum fulminanten Schluss, einem Höhepunkt, bei dem man, im Gegensatz zu den meisten Krimis, nicht im Voraus weiss, wer als Sieger das Schlachtfeld verlässt. Eine unbedingte Empfehlung für jeden, der gern spannende Krimis liest.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
fesselnd, 27. Juli 2007
Die in tristen Verhältnissen lebende Yayoi bringt im Affekt ihren nichtsnutzigen Gatten um. Ihre drei, ein ebenfalls tristes Dasein fristenden, Kolleginnen helfen bei der Zerstückelung der Leiche und deren Entsorgung per Müllabfuhr. Die Polizei findet Leichenteile und verdächtigt ein Yakuzamitglied. Dem ist zwar nichts nachzuweisen, aufgrund der Untersuchungshaft verliert er aber seinen Amüsierbetrieb und damit seine Geldquelle. Er sinnt auf Rache, während ein Teil des Frauenquartetts einen Leichenentsorgungsbetrieb aufzuziehen versucht...........
Der Plot, der einen amerikanischen Autor vielleicht zur breiten Darstellung eines Gemetzels veranlasst hätte, einem Spanier möglicherweise zur Burleske geraten wäre, wird von der japanischen Autorin zu einem tiefgründigen, fesselnden Psychodrama von hoher Qualität komponiert.
Die Charaktere aller Hauptpersonen werden durch eine ständig wechselnde Erzählperspektive kunstvoll nahe gebracht. Das von Kirino dargestellte Leben der Durchschnittsjapaner ist freudlos. Die handelnden Personen sind nicht gut oder böse - nicht Schwarz oder Weiss werden dargestellt, sondern Abstufungen von tristem Grau.
In dieser Welt taugt jeder zum Verbrecher, das Verbrechen holt die Akteure kurzfristig aus dem immer gleichen Trott, bringt Emotion und Abwechslung.
So ist das Buch manchmal makaber, manchmal verstörend, aber immer von hoher literarischer Qualität und nie langweilig
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