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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Unterhaltsamer und interessanter Roman, 30. September 2007
Der Roman, der Ende des 14. Jahrhunderts in Brügge spielt, beleuchtet auf eindringliche Art das Leben der kaufmännischen Zunft in Flandern sehr genau und bis ins kleinste Detail. Rechnungsvorgänge werden ebenso erklärt wie die Tatsache, dass zum kaufmännischen Gewerbe ein gewisses Maß an Intuition gehört. Frauen hatten es damals natürlich schwer, umso eindringlicher wird beschrieben, wie Aimée sich in dieser von Männern dominierten Welt Respekt verschafft und ihren Weg geht, ohne sich neu verheiraten zu lassen. Schon die erste Hochzeit war überstürzt und mündete nicht in eine glückliche Ehe, ein zweites Mal soll ihr das auf keinen Fall geschehen. So haben nicht nur die finanziellen und beruflichen Aspekte ihren Platz, sondern auch Aimées Gefühlswelt wird beleuchtet.
Aimées Kampf, dem Haus Cornelius wieder sein Ansehen und seinen guten Ruf zurückzugeben, sind beachtlich. Es ist bewundernswert, wie diese Frau sich in einer Männerwelt zurechtfindet und behauptet. Auch wenn es zum Teil unglaubwürdig erscheint, dass eine Frau tatsächlich diesen Weg hätte gehen können, wird der Leser über diese Frage hinwegsehen und den Werdegang genießen. Nicht nur Aimées Sichtweise des Ganzen wird beleuchtet, auch Domenico Contarini erhält weiten Raum. Dadurch klären sich manche Fragen schon bevor sie auftreten und der Leser kann der Entwicklung der Handlung zusehen, ohne sich überflüssige Fragen stellen zu müssen. Nicht zuletzt erhält man durch diese Teile auch Einblicke in den Beginn des Bankwesens und bargeldlosen Handels.
Die komplizierten Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Aimées Familie und dem Hause Colard werden zu Anfang des Buches durch einen Stammbaum verdeutlicht. Dies hilft, sich zu Recht zu finden in der weitläufigen Handelsfamilie. Zur weiteren Information findet sich am Ende des Romans ein kleines Kapitel über die historischen Fakten des Romans.
Die Stunde des Venezianers ist ein unterhaltsamer und interessanter Roman über die Handelshäuser von Brügge. Man muss Beginenfeuer nicht gelesen haben, um der Handlung folgen zu können, doch die Andeutungen in Die Stunde des Venezianers werden den Leser neugierig genug machen, auch mal in den anderen Band reinzulesen.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine Frau in Brügge, 11. April 2008
"Aimée hatte immer davon geträumt, in der Kirche von Andrieu zu heiraten. Am Arm ihres Onkels hatte sie zum Altar schreiten und von ihrer Großmutter zuvor gesegnet werden wollen. Auf all dies zu verzichten kam sie schwer an und trübte den Glanz der Zeremonie, die der Bischof von Cambrai zur Stunde des Sonnenunterganges zelebrierte."
Aimée, ein junge Frau, lebt als Hofdame bei Herzogin Margarete und trifft bei Feierlichkeiten auf den jungen Ruben Cornelis. Schneller als gedacht, wird sie zu seiner Frau und geht mit Ruben nach Brügge in dessen Heimatstadt. Kaum dort angekommen, bekommt sie im Corneliushaus nur Kälte zu spüren, vor allem von Rubens Mutter - und auch von ihrem Ehemann bekommt sie keine Hilfe, doch Aimée weiß sich zu wehren. Ihr lieber Ruben offenbart sich als ein wankelmütiger Draufgänger, der durch illlegale Aktionen versucht, das Haus Cornelius vor dem Ruin zu retten, doch dabei nicht merkt, das er das genaue Gegenteil bewirkt. So begibt sich Ruben auf eine Schiffsreise, von der er nicht mehr zurückkommt.
"In den folgenden Reisetagen wanderten Aimées Blicke immer wieder grübelnd in Contarinis Richtung. Die gelassene Freundlichkeit, mit der er störrische Ochsen, faule Fuhrknechte und geldgierige Brückenwärter zur Ordnung rief, beeindruckte sie wider Willen ebenso wie seine zupackende, kraftvolle Art. Er war sich nicht zu schade, Hand anzulegen, als die Fuhrwerke nach tagelangem Regen im Schlamm stecken blieben. Er leitete den Zug durch Bäche und Flüsse, wenn Furten statt Brücken auf sie warteten, und er brachte die Wagen ohne gebrochene Achsen über die übelsten Knüppeldämme. Es war offensichtlich, dass er ihnen von größtem Nutzen war."
Doch Aimée lässt sich unterkriegen, zumal sie erfahren hat, das sie die rechtmäßige Erbin vom Cornelius Haus ist. Ein Erbe, welches ihr von ihrer geliebten Großmutter vermacht worden ist. Und dann ist da noch der Venezianer Domenico Contarini, der die Schuldscheine ihres toten Mannes hat und ihr dabei hilft, das Haus Cornelius wieder voranzubringen. Dieser Weg ist nicht einfach, denn es gibt Leute um Aimée herum, die nur zu gern den Untergang des Hauses Cornelius sehen würden. Aimée lässt sich nicht unterkriegen und geht ihren eigenen Weg....
Die Stunde des Venezianers spielt in der Zeit am Ende des 14. Jahrhunderts in Brügge und erzählt nebenbei auch von dem Handelgebwerbe in Flandern. Verstrickungen aus Liebe, Mut, Macht, Intrigen, Mord, Geld, Familie und Freundschaft sind fein miteinander verwoben. Die Hauptfigur ist Aimée, die durch eine Blitzhochzeit nach Brügge kommt und sich immer wieder behaupten muss. Doch durch ihre Einfälle, um aus aussichtslosen Situationen herauszukommen, gewinnt diese historische Geschichte an Fahrt und ist von Anfang an spannend erzählt. Die Sprache im Buch ist einfach und lässt dem Leser genügend Raum, die ganzen Handlungsstränge und Einsichten im Handelswesen zu erfassen. Man merkt, die Autorin hat wunderbar recherchiert und so bekommt man auch noch einen Einblick in das damalige Bankwesen und in mittelalterlichen Handel.
Die meisten Figuren im Buch sind miteinander verbunden und werden am Anfang des Buches in einem Stammbaum gezeigt und lassen somit keine Ungereimtheiten aufkommen. Dadurch hat der Leser einen guten Einblick auf beide Familie und man erkennt, dass es für eine Frau im Mittelalter nicht einfach war, um Anerkennung zu bekommen.
Besonders gefällt auch das in blau gehaltene Cover mit der goldenen Schrift.
Die Autorin Marie Cristen hat einen wunderbaren historischen Roman, rundherum mit Aimée, der Stadt Brügge und seinem Handelsgewerbe geschaffen und lässt uns daran teilhaben.
© Yvonne Müller
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6 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eigenständiger zweiter Teil, 9. Juni 2008
Die Stunde des Venezianers setzt den Roman Beginenfeuer fort. Marie Cristen beschreibt darin das Leben von Violantes Enkeltochter Aimée. Er spielt Ende des 14. Jahrhunderts in Flandern. Als Hofdame der Herzogin lernt sie den Tuchhändler Ruben Cornelis kennen und lieben. Nach kurzer Zeit heiraten sie und Ruben bringt Aimée zu sich nach Hause. Dort stößt sie bei seiner Familie auf Ablehnung, wohl vor allem, weil Ruben einer anderen versprochen war. Sein verantwortungsloser Lebensstil gipfelt in einer Waffenlieferung für England, die gegen die Franzosen kämpften. Als sein Schiff sank, hinterlässt er die schwangere Aimée und ein heruntergewirtschaftetes Geschäft.
Der zweite Teil des Buches gibt verstärkt Einblick in den Handel und dem beginnenden Bankwesen. In Italien gab es bereits die Bank von Medici, die europaweit Geldgeschäfte abwickelte, die den heutigen nicht unähnlich waren. Im Roman verkörpert Domenico Contarini die Bank. Obendrein fühlt sich Aimée zu dem vermeintlich verheirateten Venezianer hingezogen. Das verleiht der Geschichte eine emotionale Note. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege beim Aufbau von Aimées Tuchhandel, das sie mit neuen innovativen Ideen ausbauen will. Die Spannung erhöht sich als ein einflussreicher Geschäftsmann aus Brügge mit Erpressung droht.
Der Roman beinhaltet viele historische Informationen über den Handel im 14. Jahrhundert. Die Autorin weckt durch eine umfassende Recherche Interesse am beginnenden Güteraustausch über die Landesgrenzen hinaus und bietet damit dem Leser einen leichten Einstieg. Unterhaltsam und im flüssigen Schreibstil werden die damaligen Lebensgewohnheiten der Adeligen und der Bevölkerung dargestellt, sodass die Protagonisten lebendig erscheinen. Sie hat die fiktive Geschichte um die Familie Cornelis in die wahren Begebenheiten in Flandern und Burgund verbunden. Das Buch hat zwar über 500 Seiten, die sich aber wie im Flug lesen lassen. Eine Fortsetzung würde mich freuen.
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