Aus der Amazon.de-Redaktion
Dass alle Welt ungeduldig auf Robert Dalleks JFK-Biografie gewartet hätte, wird niemand behaupten wollen. Wohl zu keinem amerikanischen Präsidenten ist die Auswahl an biografischem Schriftgut derart groß. Und doch straft der Autor, der bereits mit seinen Arbeiten über Franklin D. Roosevelt und Lyndon B. Johnson bewiesen hat, wie sicher er das Biografenhandwerk beherrscht, all diejenigen Lügen, die glaubten, dem sei im Grunde auch nichts mehr hinzuzufügen.
Zuallererst ist Dalleks Kennedy-Biografie glänzend und wie aus einem Guss geschrieben. Schon das ist nicht wenig, hatten sich doch in der Vergangenheit selbst fachlich hoch gelobte Kennedy-Biografien nicht immer durch den Lesespaß ausgezeichnet, den sie bereiteten. Dass jedoch hinter der scheinbaren Leichtigkeit, mit der er seine Forschungsergebnisse entlang der Lebenschronologie des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vorträgt, auch ein enormes Arbeitspensum steckt, verrät ein Blick in den Anmerkungsapparat. Dieser gibt Zeugnis von der enormen Fülle an (teilweise bislang tatsächlich noch unbekannten) Quellen, die der Autor gesichtet und analysiert hat.
Freilich: Ob man dem insgesamt sehr positiven Fazit folgen kann, das der Historiker von der Universität Boston hinsichtlich der politischen Leistung Kennedys zieht (und die er am Ende versucht, über dessen Tod hinaus spekulativ fortzuspinnen), wird nicht unwesentlich davon abhängen, wie vorurteilsfrei (oder -befangen) man sich auf die Lektüre einzulassen vermag. Nicht jedem wird es wie Dallek ohne weiteres möglich sein, das eigene Urteil über den Politiker nicht von der persönlichen Amoralität des smarten Charismatikers (die der Autor keineswegs kleinredet!) trüben zu lassen. Auch werden manchem Zweifel kommen, ob man Kennedy dafür feiern soll, dass er im Oktober 1962 die Menschheit vermutlich vor dem Atomkrieg gerettet hat, wo er doch zuvor die Gefahr eines solchen nicht unwesentlich erst mit heraufbeschworen hatte.
Doch ganz gleich, zu welchen Antworten auf solche Fragen man letztlich kommen mag: Für jeden, der darüber überhaupt noch nachzudenken bereit ist, ist die Lektüre dieses Meisterstücks der historisch-biografischen Literatur in jedem Falle ein Gewinn. --Andreas Vierecke
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 09.10.2003
Robert Dalleks Biografie John F. Kennedys hat Rezensent Bernd Greiner letztlich nicht überzeugt. Wie er berichtet, begibt sich Dallek auf das "dünne Eis" der "kontrafaktischen Geschichtsschreibung", um zu fragen, was geschehen wäre, wenn Kennedy eine zweite Amtszeit angetreten und eine Chance zur Verwirklichung seiner politischen Vision gehabt hätte. Dallek zeige sich überzeugt davon, dass Kennedy sowohl in der Vietnam-Politik als auch im Verhältnis zur UdSSR einen Kurswechsel vollzogen hätte. Eine These, für die nach Ansicht Greiner auf den ersten Blick "einiges spricht", einer genaueren Prüfung hält sie seines Erachtens allerdings nicht stand. Die Hürden für einen auf politische Neuerungen bedachten Präsidenten hätten schließlich kaum höher liegen können. Dallek halte dennoch an seiner These fest, ohne überzeugende Argumente zu bringen. Damit handelt er sich von Geier den Vorwurf ein, "der Selbstinszenierung Kennedys auf dem Leim gegangen zu sein".
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Stefan Kornelius feiert Dalleks Buch als eines der "wichtigsten Schlüsseldokumente" zur historischen Auseinandersetzung mit Kennedy und eine der "besten Biografien" über Kennedy, die es gebe. Zudem sei das Buch, da zeige sich wieder einmal die Überlegenheit amerikanische Wissenschaftler, "sprachlich und dramaturgisch wohltuend komponiert" und verzichte auf jeglichen "akademischen Dünkel". Und schließlich hat Dallek mit diesem Buch, wie Kornelius schreibt, "im Dickicht von Geschriebenem und Abgeschriebenem Holzfäller-Arbeit geleistet und vor allem zur Entmystifizierung Kennedys beigetragen". Gefallen hat dem Rezensenten auch das Kapitel über die Kindheit und die Eltern Kennedys, in denen Dallek die "tatsächlichen Triebkräfte" freilege, die die Persönlichkeit JFKs formten. Hier werde auch deutlich, was Kennedys Präsidentschaft dazu prädestinierte, zu einem "außenpolitischen Meisterwerk" zu werden. Und bei dessen Analyse wiederum zeigte sich für den Rezensenten nicht zuletzt, wie groß die damaligen im Verhältnis zu den heutigen außenpolitischen Herausforderungen waren. Hervorgehoben wird von Kornelius außerdem, dass nach Dalleks Recherchen nun Kennedys Vietnam-Politik wieder "neue Aufmerksamkeit" verdiene. Das wichtigste Mittel der Entmystifizierungsbemühungen und der eigentliche "historische Scoop Dalleks" stellt freilich ein Dossier zur "vertuschten" Krankengeschichte Kennedys dar, wie der Rezensent betont, mit dem der Autor schon vor der Veröffentlichung Aufsehen erregt habe. Hinsichtlich der daraus gezogenen Schlüsse hat sich Dallek für den Rezensent dann nur in einem Punkt "als zu wohlmeinend" erwiesen - "wenn er Kennedys Sexsucht" nämlich "mit der Krankengeschichte und der Furcht vor dem frühen Tod entschuldigt".
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