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53 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Entzauberung eines Mythos, 19. Mai 2007
Wenn noch jemand daran gezweifelt hat, dass auch demokratische Gesellschaften Mythen benötigen, den belehrt die Geschichte der Kennedys eines Besseren. Wie keine andere Familie der westlichen Welt kommen in dem Aufstieg und der Tragik der Kennedys die Glaubensbereitschaft, die Erlösungssehnsüchte aber auch der Voyeurismus der Massen zum Tragen. Robert von Rimscha hinter die Fassaden dieses modernen Mythos geblickt und eine kritische Familiengeschichte der Kennedys vorgelegt, die mit der Masseneinwanderung der Iren im 19. Jhdt. beginnt und mit dem Absturz von John F. Kennedy jr. zur Jahrtausendwende endet.
Alles begann mit den Großvätern, mit John "Honey Fritz" Fitzgerald (1863-1950) und Patrick Kennedy (1858-1929), die sich als zunächst mittellose, dann erfolgreiche katholisch-irische Einwanderer innerhalb der Demokratischen Partei von Boston kennen lernten und bekämpften. Erst als sich ihre Kinder, Joseph Partrick ("Joe") Kennedy und Rose Fitzgerald ineinander verliebten und im Jahre 1914 heirateten, kamen die beiden Sippen zusammen, womit der 2. Akt der Kennedy Saga begann.
Dieser 2. Akt ist alles andere als eine erbauliche Passage, denn in der Darstellung des Autors figuriert "Joe" Kennedy als eine durch und durch unsympathische Erscheinung. Vor dem Kriegsdienst im ersten Weltkrieg wusste er sich zu drücken, dafür machte er Millionen durch illegale Insidergeschäfte. Als ein bald steinreiches und einflussreiches politisches Schwergewicht fiel er dem Präsidenten Franklin D. Roosevelt derart auf den Wecker, dass dieser ihn auf den Botschafterposten in London abschob. Dort verbrachte er seine Jahre als der "schlechteste Botschafter, den die USA je gehabt hatten" und betrog seine Ehefrau nach Strich und Faden in aller Öffentlichkeit. Kein Wunder, dass sich Rose in eine eiskalte Charaktermaske verwandelte, die ihren Gatten nur zum Zwecke der Fortpflanzung ran ließ, ohne sich um ihre auf diese Weise gezeugten neun Kinder sonderlich zu kümmern. Dafür ein kennzeichnendes Detail: als ihre älteste Tochter verhaltensauffällig wurde, ließen die Eltern das Kind kurzerhand lobotomieren, und steckten ihre dadurch seelisch entkernte Tochter lebenslang in ein Heim, ohne sie zu besuchen.
Derweil tingelten die beiden ältesten Söhne, Joe Jr. (geb. 1915) und John Fitzgerald ("Jack") Kennedy (geb. 1917) durch die Welt, immer auf der Suche nach Frauen und leicht zu erwerbenden Auszeichnungen, wobei der Joe jr. als ein unsympathisches Abbild seines Vaters auftrat, während der jüngere und schwächlichere John F. Kennedy als ein sympathischer Kobold eher nach auf seinen jovialen Großvater mütterlicherseits nachschlug. Absolut lesenswert in diesem Zusammenhang: JFKs Affäre mit der schönen Nazi-Sympathisantin Inga Arvad und seine Autoreisen durch das faschistische Mittel- und Südeuropa. Im zweiten Weltkrieg meldeten sich Joe und Jack sofort zur Armee, wobei John F. mit seinem Kanonenboot PT 109 die bekannten Heldentaten im Pazifik beging, während sein Bruder, in der tollkühnen Attitüde, es seinem Bruder gleichzutun, noch im letzten Kriegsjahr im Lufteinsatz umkam.
Nach dem Krieg vollzieht sich im 3. Akt des Kennedy Dramas der Aufstieg von JFK Schlag auf Schlag. 1947 wird er, gerade 29jährig, Abgeordneter im Repräsentantenhaus, 1953 Senator für Massachussets und 1960 Präsidentschaftskandidat der Demokraten. JFK´s charismatische und freundliche Wesensart, verbunden mit einer notfalls bedenklosen Entschlossenheit räumen ihm alle Steine aus dem Weg, so dass er im Jahre 1961 im Alter von nur 43 Jahren als erster katholischer Präsident der USA in das Weiße Haus einzieht. Zu einem amerikanischen Mythos wurden die Kennedys nach Meinung des Autors allerdings erst dadurch, dass sich der Durchbruch des Fernsehens genau in der Zeit vollzog, in der die Kennedys im Weißen Haus ihr "Camelot" zelebrierten und die ganze Nation am Leben der First Family teilhaben konnten.
Natürlich gab es zwischen der Medieninszenierung, der großen Politik für die Kennedy Brüder auch noch genug Zeit für Sexabenteuer aller Art, die den Präsidenten allerdings durch seine Bettgespielinnen mit Mafiagrößen der unterschiedlichsten Provenienz in eine unappetitliche Berührungsnähe brachten, wobei die Affäre mit Marilyn Monroe, mit der beide Brüder gleichzeitig eine Liaison unterhielten, in einem besonders obskuren, fast kriminellen Licht erscheint. Übrigens hatten die Frauen im Kennedy Clan, von Rose über Jackie bis Ethel ganz generell nichts zu lachen: sie waren auf die Öffentlichkeit und die Fortpflanzung abonniert, die Leidenschaft lebten die Herren anderswo aus. Absolut ernüchternd auch, was von Rimscha über die Beziehungen der Brüder zur Mafia schreibt, der offenbar in den Plänen der Kennedys eine Jokerrolle bei der Ermordung von Castro zukommen sollte.
Mit der Ermordung JFKs in Dallas scheint der Aufstieg der Kennedys abrupt zu enden - Bobby Kennedy besitzt bei weitem nicht die Aura seines Bruders, und ehe er sich versieht, findet er sich durch den verhassten Lyndon B. Johnson in jeder Beziehung ausgebootet. Erst seine Hinweindung zu den Minderheiten des Landes, seine enthusiastische Entdeckung der Bürgerrechtsfrage ab 1966 und seine Ermordung im Vorwahlkampf von 1968 machen aus ihm einen zweiten Mythenträger, der die Phantasie der Massen beflügelte - wobei von Rimscha mit Fug und Recht bezweifelt, ob Kennedy den Wahlkrampf gegen Nixon 1968 tatsächlich gewonnen hätte.
Bei dem dritten Bruder, Teddy Kennedy, dem "dicken" Kennedy, der schon in der Schule von seinen Mitschülern gehänselt wurde, kann man das beobachten, was Max Weber als die "Veralltäglichung des Charismas" beschreibt. Seit Ted Kennedys Fahrerflucht in der Bucht von Chippaquaddick und dem Tod seiner Liebesgespielin war er politisch erledigt. Müde und verspätete Versuche, sich für höhere Ämter als den des Senators von Massachusetts nominieren zu lassen, schlugen fehl, so dass mit ihm und seiner Abdriftung in die äußerste linke Ecke der demokratischen Partei der Kennedy Mythos zu enden schien. Doch nur scheinbar, wie von Rimscha meint, denn als der letzte Träger des "Mythos von Camelot", JFK jr. in der Blüte seiner Jahre 1999 mit seinem Flugzeug ins Meer stürzte und starb, erstarrte die Nation noch einmal wie schon in den sechziger Jahren.
Das Buch endet schließlich mit einer Schilderung der bescheidenen politischen Erfolge von Kennedys der zweiten Reihe, aber auch mit einer Auflistung all der Drogen- und Sexskandale, in die die Bobby-Kinder und -Neffen verwickelt wurden. So entpuppen sich am Ende die Kennedys als durchaus durchwachsende Sippe, aus der nur die Ausnahmeerscheinung JFK sein einnehmendes Wesen und sein Bruder Bobby durch die Hoffnungen herausragte, die er in den Minderheiten erweckte. Von Rimscha erzählt all das sprachlich unambitioniert und ohne sonderliche Anteilnahme, was in meinen Augen ein Vorzug ist, auch wenn diese Methode beim Leser eine Bereicherung und Verarmung zugleich erzeugt - eine Bereicherung an Information und Durchblick, eine Verarmung an Illusion und Gutgläubigkeit. Der Mythos bleibt dabei auf der Strecke und das ist wahrscheinlich auch gut so.
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungene Biographie des Kennedy-Clans, 30. Januar 2002
Von Ein Kunde
Das Buch ist nicht nur die Biographie des wohl bekanntesten Mitglieds des Kennedy-Clans, John F. Kennedy, sondern macht den Leser auch mit dessen Großeltern, Eltern und Geschwistern bekannt. Kurz und bündig und dennoch ausführlich genug, erklärt es die Entstehung dieses so einflußreichen Clans und schildert mitreißend seine Höhen und Tiefen. Vor allem auch politische Verflechtungen, ohne die die Handlungsweise der Kennedys wohl nie ganz verständlich ist, werden hier auf einfache Weise dargestellt. Obwohl es sich bei diesem Buch um eine Biographie handelt, liest es sich zuweilen so spannend wie ein Roman.
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26 von 37 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der amerikanische Traum zwischen Realität und Illusion, 19. Oktober 2003
Dass es in den Vereinigten Staaten noch nie aristokratische Führungseliten oder gar privilegierte Royals nach englischem Vorbild gegeben hat, dürfte gemeinhin bekannt sein, denn die amerikanische Verfassung beruht in gewollter Abgrenzung zum politischen System ihres Mutterlandes Großbritannien auf der "Regierung des Volkes durch das Volk und für das Volk". Dennoch können "die Kennedys" als die Königsfamilie der USA bezeichnet werden, denn mit ihren unzähligen Geschichten haben sie sich tief in das Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit geprägt und ihren Status als eigentliche "First Family" bis heute behaupten können.Der Mythos dieser immer wieder von unerwarteten Schicksalsschlägen und Skandalen geprüften Familie hat viele Kapitel. Sie sind durchsetzt von politischen Meilensteinen und den damit in Zusammenhang stehenden Machtspielen, abgründigen Machenschaften und Symbiosen mit dem organisierten Verbrechen, sowie den pikanten Affären der Kennedy-Brüder mit den auferstehenden Stars der Westküste. Robert von Rimscha, Leiter der Parlamentsredaktion des Berliner "Tagesspiegel" und mehrjähriger Korrespondent in Washington, geht in seiner Publikation den vielfach verstrickten Hintergründen dieser außergewöhnlichen Familie nach, ihrer "Blütezeit", aber auch ihren oft eng damit in Beziehung stehenden Tragödien. Angefangen hatte alles Ende des 19. Jahrhunderts, als der junge Patrick Kennedy aus Irland kommend nach Nordamerika immigrierte. Drei Generationen später sollte sein Urenkel John F. Kennedy das höchste Amt des Landes bekleiden, das des 35. Präsidenten der USA. Hervorgegangen war dieser größte Erfolg in der Familiengeschichte aus dem unbändigen Ehrgeiz und den finanziellen Ressourcen seines patriarchalischen Vaters Joseph, der seinen Sohn systematisch aufzubauen wusste und ihm ein jugendliches, publicity-wirksames Image verpasst hatte. Zusammen mit seiner Frau Jacky als neuentdeckte Medienlieblinge gefeiert, zog der charismatische Präsidentschaftskandidat innerhalb kürzester Zeit alle Sympathien auf sich. Von Rimscha deckt auch auf, was sich während der großen politischen Ereignisse, wie Kubakrise und Mauerbau, hinter den Kulissen der Macht zugetragen hat. Dabei wird deutlich, das John F. Kennedy vor allem ein Präsident der Außenpolitik war, dessen sozialpolitisches Interesse sehr begrenzt gewesen ist. Um jedoch seine Popularität in der Bevölkerung beizubehalten, scheute er nicht selten die Auseinandersetzung mit innenpolitischen Themen wie der Rassentrennung, die allerdings erst nach seinem Tod endgültig aufgehoben wurde. "Die Kennedys - Glanz und Tragik des amerikanischen Traums" ist sicherlich der treffendste Titel für dieses Buch, denn er vereint das Wechselspiel von Licht und Schatten, in dem sich die Repräsentanten dieses Clans von ihren ersten Tagen in der "neuen Welt" an bewegten. Wie keine andere prominente Familie symbolisierten sie die Plan- und Durchführbarkeit des amerikanischen Traums, allen voran JFK, der mit seiner stilistisch beeindruckenden Rhetorik und seiner enormen Ausdrucksstärke in breiten Teilen der amerikanischen Gesellschaft einen neuen, nie da gewesenen Fortschrittsglauben zum Leben erweckte, sowie den festen Glauben, dass der amerikanische Traum realisierbar sei, für jeden Amerikaner. JFK war der strahlende Mittelpunkt einer moralisch wiedererstarkten Weltmacht. Er wurde am 22. November 1963 in Dallas ermordet. Sein einziger Sohn, John F. Junior, kam im Juli 1999 zusammen mit seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die Tragik solcher Ereignisse, so von Rimscha, beweist das typischste aller amerikanischen Phänomene - die Existenz von Traum und Albtraum zugleich, die von Realität und Illusion. Ich möchte dieses Buch jedem weiterempfehlen, der sich für amerikanische Geschichte bzw. Biographien interessiert, auch wenn ich dieses Buch nicht als eine biographische Abhandlung bezeichnen würde, da es sich oftmals sehr viel spannender lesen lässt als eine solche und sich auch nicht nur auf die Entwicklungen innerhalb des Kennedy-Clans beschränkt. Insgesamt absolut lesenswert und aufschlussreich! Besonders auch aufgrund des hervorragenden Schreibstils.
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