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52 von 73 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Drood Oder: wie langweilig 976 Seiten sein können, 20. Oktober 2009
Der berühmte Autor Charles Dickens macht bei einem Eisenbahnunglück die Bekanntschaft des mysteriösen Mr. Drood. Selbst körperlich zwar unverletzt aber geistig sehr unter den Folgen des Unfalls leidend, wird fortan Drood zu einer fixen Idee Dickens. Seine Versuche, Licht, in das Dunkel um die Geschichte dieses Mannes zu bringen, werden von dem Dickens Freund, Konkurrenten, Neider und beinahe Mörder Wilkie Collins, als Ich Erzähler der Nachwelt berichtet. Schnell verwischen die Grenzen zwischen realen Begebnissen und Collins Opiumträumen und eine Jagd auf das droodsche Phantom in, über und unter dem viktorianischen London beginnt.
Eine Jagd, die sich schnell als eine irre, drogenbenebelte Hatz entpuppt, die langatmig und ziellos wirkt.
Aber die gute Nachricht zuerst; Drood ist ein gescheitertes Buch. Aber es scheitert auf recht hohem Niveau.
Wer sich nach Simmons erfolgreichem Vorgänger Terror wieder ein vor historischem Hintergrund spielendes Buch wünschte, das spannend Fakten und Fiktion verwebt, wird bei Drood jedoch enttäuscht sein. Lange Passagen des Werkes sind bloße Aneinanderreihungen von Jahreszahlen und Personen. Das klingt genauso spannend, wie es sich liest. Zwar will der umfangreiche Anhang mit dem Personenregister ein wenig die Verwirrung mildern, eine wirkliche Hilfe ist er jedoch nicht. Simmons führt durch Charles Dickens Privatleben, wie es hätte sein können (und wahrscheinlich in weiten Strecken auch war) und begeht dabei den schwersten Fehler, den ein Autor begehen kann: Er langweilt!
Dickens ist dem Leser ab Seite eins unsympathisch: ein egomanischer, von sich selbst überzeugter, scheinheiliger Puritanist, der einer jungen Schauspielerin nachjagt und nebenbei seinen Freund Wilkie Collins als dauernden Konkurrenten leicht übertrumpft. So liest sich denn der Bericht Collins über Dickens, wie eine fast 1000-seitige Hasstirade. Der Leser verliert spätestens nach zweihundert Seiten das ernsthafte Interesse an dem Schicksal der Figuren.
Simmons hat Probleme mit dem Stoff, das wird schnell klar. Der Versuch, eine Biografie mit Kriminalgeschichte, Dokumentation und Gespenstergeschichte zu vermischen geht katastrophal daneben. Simmons verfällt streckenweise in ein Wirres faseln, verliert den roten Faden der Handlung völlig und versucht sich mehrmals durch das Einführen neuer Figuren aus der Bredouille zu bringen. Das mag eine Hommage an Dickens sein, dem oft Ähnliches vorgeworfen wird, allerdings hatte Dickens in seinen Romanen wenigstens ein Konzept. Dieses fehlt Simmons völlig und so könnten Abschnitte des Buches herausgeschnitten und an anderer Stelle wieder eingefügt werden, ohne dass dies dem Leser auffallen oder der Geschichte schaden würde. Dass der Ich-Erzähler Collins auf einem kontinuierlichen Drogentrip ist und unter Wahnvorstellungen und paranoiden Halluzinationen leidet, macht die Geschichte nicht weniger wirr.
Trotzdem ein Stern für dieses Buch, denn es gibt auch einige gelungene Abschnitte. Zunächst einmal ist Simmons ein gewaltiger, wortgewandter Erzähler. Absätze über die Elendsviertel von London sind so düster, beklemmend und authentisch, dass der wahre Dickens sich nach diesem Talent alle Finger geleckt hätte. London, das Über und Unterirdische, kann mit allerlei Schrecken, seien es nun reale oder eingebildete, aufwarten, die Simmons außergewöhnlich gut beschreibt.
Die Protagonisten sind gut recherchierte, lebendig wirkende Charaktere, auch wenn Simmons dazu neigt, Nebenfiguren als stereotype Abrissbilder zu präsentieren.
Was bleibt ist ein interessantes Sittenbild dieser Zeit, gerade die Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen wird immer wieder thematisiert und ist sicher ein spannendes Kapitel für sich. Das gilt für das ganze Buch; jedes Thema wäre spannend für sich: eine gut geschriebene Dickensbiogaphie, ein Schauerroman, eine Kriminalgeschichte, wären für sich spannende Unterhaltung. Alles zusammen in einem Topf ist ermüdend und ruft bei dem Leser schnell Verständnislosigkeit über so wenig Konzept hervor.
Schade, nachdem Terror bewies, dass Simmons auch außerhalb der Trivialliteratur (Horror/Science Fiction) eine sehr gute Figur macht und eigentlich übernatürliche Elemente in seinen Büchern nicht mehr als Alibi bräuchte, muss nach Drood doch wieder ernsthaft an dem können des Autors gezweifelt werden.
Sprachlich unglaublich begabt ist Simmons in der Lage, spannende Geschichten zu erfinden, nur die Planung müsste beim nächsten Mal überdacht werden. Konzeptionell ist Drood eine Katastrophe, die ihres gleichen sucht.
Dabei sind die Parallelen zu Dickens Leben und Werk durchaus interessant, manchmal sogar amüsant (wenn man sich dafür interessiert!) und gerade die Entstehung, der letzten Romane Dickens und Collins ist durchaus spannend geschildert. Wie Dickens Das Geheimnis des Edwin Drood täte diesem Buch allerdings gut, wenn der Autor nach der Hälfte aufgehört hätte; ohne Simmons ein ähnliches Schicksal wie Dickens zu wünschen.
Ein Wort zum Buch an sich; druckfrische, neue Bücher sind etwas Wunderbares. Der Heyne Verlag setzt bei Drood allerdings auch auf andere Werte. Zum einen enthält das Buch jede Menge kleine Papierschnipsel, zum anderen müffelt es extrem unangenehm nach Leim ein Geruch, der treu den Leser bis zur letzten Seite begleitet. Ist Letzteres für einen festen Zusammenhalt sicher wichtig, so ist mir die Funktion der Ersteren nicht klar. Nach jedem Umblättern fielen mir mehrere Papierschnipsel in den Schoß. Darüber hinaus ist der Übersetzer Friedrich Mader kein Neuling in dem Bereich; wie es da zu Stilfehlern, wie zweimal dasselbe Wort direkt nacheinander zu schreiben kommen kann, ist mir unklar. Vielleicht muss man aber auch Mitleid mit dem Übersetzer haben; er musste das Buch lesen und das wünscht man wirklich niemandem! Hinzu kommt allerdings noch die merkwürdige (und im Verlauf des Buches ärgerliche) Eigenart des Übersetzers, die Titel der Romane Dickens und Collins NICHT zu übersetzen. Zwar gibt es nahezu alle Bücher der beiden auch in Deutsch (und ja, auch mit deutschem Titel!), Mader weigert sich aber, dies dem Leser zu verraten.
Wie eingangs erwähnt scheitert das Buch auf hohem Niveau, denn natürlich ist es Simmons, der hier schreibt und wer mit der richtigen Motivation an das Buch (oder genügend Leidensfähigkeit!) herangeht, wird auch unterhalten werden. Die Motivation sollte aus Wissbegier über das viktorianische London, über Dickens und seinem befreundeten Widersacher Collins, sowie über ein ausgeprägtes Interesse an einem authentischen Sitten und Gesellschaftsbild der Zeit bestehen. Fehlt auch nur eine dieser genannten Motivationen, wird die bereits erwähnte Leidensfähigkeit auf die Probe gestellt.
Alle anderen sind hier an das falsche Buch geraten und werden in den telefonbuchartigen Aufzählungen von Namen, Daten, Adressen und Beziehungen schnell die Lesefreude verlieren.
Simmons schreibt wie immer brillant die Geschichte trägt dennoch leider nicht. Wer sich trotzdem ein eigenes Bild machen möchte, ist gut beraten, auf die günstigere Taschenbuchausgabe zu warten.
Ein Stern in der Hoffnung auf weitere (und bessere) Bücher von Simmons.
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11 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dan Simmons- Eine Klasse für sich, 2. März 2009
Mit diesem Roman kann Dan Simmons einmal mehr überzeugen. Eine Geschichte über Charles Dickens, erzählt aus der Sicht seines langjährigen Kollegen Wilkie Collins, der weitaus weniger bekannt ist als Dickens selber.
Simmons verbindet in sprachlich wunderbarer Weise (ok... das dürfte bei Simmons wohl wirklich nicht überraschen) Biographisches mit Schaurigem.
Besonders der Tempuswechsel auf den letzten beiden Seiten ins Futur bildet einen tollen Abschluss des Buches. Die Figur des Drood zieht sich durch das gesamte Buch (ist vergleichbar mit dem "Eismonster" in The Terror) und bleibt immer geheimnisvoll.
Drood ist ein spannender, literarisch anspruchsvoller (man bekommt auch Lust unbekanntere Werke von Dickens, aber auch Bücher von Collins zu lesen) , biographischer Kriminal - Gruselroman, den man gelesen haben muss. Simmons Angewohnheit (sehr lange) Zusätze in Klammern zu schreiben tun der Genialtät des Werks keinen Abbruch!
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4 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
excellent work, 28. Februar 2009
"Terror" was a book that fascinated me in many ways and one that I thought of as being on a much higher level of quality than other books by Dan Simmons I had read so far. Therefore, ever since I learned that there would be a new book by Dan Simmons, I was curious to see whether the author would keep up the excellent quality of his work in "Drood". I was stunned to discover that in fact he did. He at least equalled "Terror".
The atmosphere of "Drood" is absolutely fascinating. Never, not one single page, did a have a feeling of being bored. I was instantly drawn into the plot of the story and the only time I would stop reading was when I was forced to do so by far less interesting activities such as "sleep" or "work". It is one of these special books where you instantly forget the rest of the world around you and where you dive completely into the fictitious world of the plot. When reading you feel as if you are right in Victorian England standing, walking, living just right next to Charles Dickens and Wilkie Collins.
Once again, just as in Simmons's earlier work "Terror", the author fascinates his readers with a skillful mixture of fact and fiction and a marvellous blend of different genres which inter alia includes elements of horror, historic and detective narratives.
I once again applaude Dan Simmons's creativity in structuring the book. The story is not always linear, includes flashbacks, lots of twists and it changes its pace very often between rapid excitement and tension, commonplace events in Dickens's or Collins's life and an ample portion of inner monologue and inner plot in Wilkie Collins's mind. The narrative is told from the perspective of Wilkie Collins's memoirs which he wrote down intending to reveal it to the public not earlier than more than a century after his demise. We, the readers of "Drood" in the year 2009, are therefore the first ones to read these memoirs which often include plenty humour when Collins tries to picture what the world in our present time and therefore his distant future would be like.
It is an outright pleasure to read the language Dan Simmons uses with whose employment he manages perfectly to transfer the reader to the appropriate time of the plot. It is unerring and never once does it slip into an improper historical style.
The characters are wonderfully drawn, in particular of course Wilkie Collins and Charles Dickens. Their depiction is elaborate and they are multidimensional with numerous good and bad character traits which is just superb considering how often especially the latter aspect is lacking in so many books.
Dan Simmons offers a delicacy for readers who also read "Terror" in that he refers to the Franklin Expedition in the story. As in all books I read by him he also includes a reference to Edgar Allan Poe which I appreciate deeply as a staunch admirer of the great author.
Both of his two latest books "Drood" and "Terror" outshine by far all of Dan Simmonss previous work that I read. I think he developed tremendously in the course of time and it is the greatest of pleasures to witness this author on his tentative peek of skill.
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