Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
...und das Ende der Welt, wie Jimmy sie kannte...., 25. Oktober 2006
Margaret Atwood entwirft hier einen dystopischen Roman, der bereits erschreckende Parallelen unserer Gesellschaft abbildet. Die Wissenschaft, v.a. gentechnische Innovationen (insbesondere lebensverlängernde, als auch verjüngende Maßnahmen) dominieren die Gesellschaft und sind schlussendlich verantwortlich für deren Untergang. Einzig Jimmy (alias Snowman), der Freund des Gentechnikers, der für die Virusepidemie verantwortlich zeichnet, überlebt diese Katastrophe, um die künstlich geschaffenen Humanhybriden zu beschützen. Und während er versucht, dem Hungertod zu entgehen, versucht er sich in Rückblicken an die Geschehnisse bzw. die Zeichen zu erinnern, die zu seiner aktuellen Situation führten.
Zentrale Themen des Buches sind Umweltverschmutzung, Konsumwahn, die auf Kapitalismus zurückzuführende Zwei-Klassen-Gesellschaft (komplette Auflösung der Mittelschicht) und vor allem die ausufernde, alles (insbesondere die Gesellschaft) dominierende Gentechnologie. Doch Atwoods Kritik geht noch weiter: in einer von Technik und somit von Zahlen dominierten Welt bleibt kein Platz mehr für Schriftsteller - Snowman als der letzte seiner Art mit Liebe zur Sprache, Semantik und Neologismen; smart, charmant und intelligent, jedoch nicht mathematisch begabt und deshalb nutzlos (dumm) für dieses Gesellschaftssystem, ist umgeben von Analphabeten bzw. literarisch Ungebildeten, die sein Talent weder sehen noch zu schätzen wissen. Diese Kritik setzt Atwood konsequent fort, da Snowman nach der Katastrophe nur von den Crakern umgeben ist, die weder lesen, noch schreiben können - der Schriftsteller somit als aussterbende Spezies dargestellt wird.
Die Leküre von Oryx and Crake hat mir vom Sprachstil (insbesondere ihre Neologismen und Snowmans mindstyle) sehr gut gefallen, sieht man von manch inhaltlichen Schwächen: knappe Beschreibung Oryxs (der Geliebten Jimmys & Crakes) und dem zu kurzen Schluss ab. Dass die von ihr formulierten Fragen unbeantwortet bleiben, ist vielleicht so gewollt, zumindest hat sie bei mir damit das Ziel erreicht, nachhaltig ihre Kritik zu reflektieren.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Horror des latent Realen, 4. März 2005
Wer an einer leicht verdaulichen, linear erzählten Geschichte interessiert ist, sollte "Oryx and Crake" nicht lesen. Wer sich gerne mit fiktionalen Charakteren identifiziert und sich vor dem zu Bett gehen eine Lektüre wünscht, die einem mit Platitüden und einfachen Weisheiten für ein besseres Leben versorgt, sollte "Oryx and Crake" auch nicht lesen. Der Roman beginnt nach der Apokalypse. Jimmy, der letzte (?) "echte" Mensch, fristet sein Dasein auf einem Baum lebend, um sich vor menschenfressenden pigoons und wolvogs zu schützen. Nebenbei widmet er sein Leben dem Schutz der "Children of Crake", einem Haufen genmanipulierter Wesen, denen alle sie zu Menschen machenden Wesensmerkmale ausgeschaltet worden sind und die daher die geistige Reife von Primaten besitzen. Die Fragen sind natürlich: Wie kam es zu dieser Apokalypse, wer ist verantwortlich dafür, was hat Jimmy damit zu tun, wer sind Oryyx and Crake? Die Antworten werden in immer wieder eingefügten Rückblenden geliefert, so dass sich langsam ein Bild des ganzen Grauens zusammenfügt. Präsentiert wird eine Welt, in der Mord, Vergewaltigung, Pädophilie und absolute Kontrolle a la Big Brother zum Alltag gehören und ethisch-moralische Maßstäbe, die heute (noch) unser Gemeinwesen bestimmen, nicht mehr existent sind. Atwood's Buch ist eine Dystopie, die dadurch besticht, dass sämtliche Einzelelemente, die zur fiktionalen Katastrophe führen, in unserer Gesellschaft schon längst wiederzufinden sind. Es fehlt nur noch ein Größenwahnsinniger, der die Kontrolle über die schon bestehenden Institutionen übernimmt und seinen Vorstellungen freien Lauf lässt. Kandidaten gibt es da wohl genug...
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Weltuntergangsroman, 9. August 2007
In der Science Fiction gibt es zahlreiche Subgenres wie die Zeitreiseerzählung, die Sternensaga oder auch den Weltuntergangsroman. Oryx und Crake" gehört in die letztgenannte Schublade. Einige Klischees sind hier unumgänglich: Der Weltuntergangsroman befasst sich mit den jeweils herrschenden kollektiven Ängsten. Die Katastrophe ist deshalb meist von Menschen gemacht. In den Geschichten der 50ger und 60ger Jahren hat ein Atomkrieg die Erde verwüstet und verstrahlt, merkwürdige Mutationen hervorgerufen und den wenigen Menschen das Überleben schwer gemacht (z.B. Robert Merle Malville). In der Gegenwart - und so auch in Atwoods Roman - ist es die den Menschen außer Kontrolle geratene zivile Technik, die in der Gentechnologie, Pharmaindustrie und durch Klimaveränderungen die Menschheit nahezu zum Aussterben gebracht hat. Nur nahezu - denn hier greift die zweite unvermeidliche Ingredienz: Die Robinsonidee - mindestens ein Mensch hat überlebt. In der Regel stellt er im Laufe des Romans - so auch hier - fest, dass es noch andere Artgenossen gibt, die auf der unwirtlich gewordenen Welt dahinvegetieren. Mit einem hoffnungsvollen Zurück zur Natur und jetzt geht es weiter für die Menschheit" hat man dann den Standardschluß. Einem solchen verschließt sich Atwood. Ihre Hauptperson reagiert verstört auf das Treffen mit weiteren Menschen. Soll er sich Ihnen anschließen, soll er sie töten, soll er sie ihrem Schicksal überlassen? Dieser offene Schluss liegt daran, dass die Verfasserin als weitere Zutat noch den größenwahnsinnigen Wissenschaftler beigemischt hat, der den Untergang der Menschheit bewusst herbeiführt, um Platz für eine von ihm geschaffene, neue friedliche menschenähnliche Spezies zu schaffen. Der Wissenschaftler überlebt den Weltuntergang nicht, wohl aber sein bester Freund - Schneemann", wie er sich nach der Katastrophe nennt -, der sich verantwortlich für des Überleben der neuen Rasse fühlt.
Die Geschichte wird aus der Sicht Schneemanns erzählt, der halb verhungert um sein Überleben kämpft und sich immer wieder in Rückblenden an die Zeit vor dem Weltende erinnert. Dabei ist die Erzählweise nicht frei von Redundanzen. Auch scheint es wohl unvermeidlich, dass die Gestalten des Science Fiction Romans immer ein wenig wie mit dem Vorschlaghammer gemeißelt daherkommen - will heißen, sie sind auf wenige manchmal wenig glaubhafte Charakterzüge reduziert. Dies fällt insbesondere bei der weiblichen Hauptfigur Oryx auf, die scheinbar unbeschadet durch eine wahre Hölle von Verschleppung und Kinderprostitution gegangen ist. Auf der anderen Seite ist M. Atwood aber doch eine so gute und routinierte Erzählerin, dass der Leser sie gern und mit interessierter Spannung auf ihrer Reise in eine gar nicht so ferne und sehr dunkle Zukunft begleitet.
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