Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Intelligente ScienceFiction für Nerds, 15. Dezember 2008
Ich lese Stephenson gern, richtig gern aber erst seit Cryptonomicon. Stephenson hat in seinen Büchern immer von Ideen erzählt, so z.B. in The diamond age, das ja auch der Entwicklungsroman der weiblichen Hauptfigur ist, von Turing-Maschinen und Regelhaftigkeit. Das ist ihm in diesem Buch aber zur Vorlesung geraten. Im Cryptonomicon wurde das Verschlüsseln mE schon erheblich souveräner in die Handlung eingebunden. Auch die Barock-Trilogie kam für mein Gefühl ohne rein belehrende Abschnitte aus. Und das ist in Anathem wieder so. Das Buch ist zwar voller "Theorie", aber auf eine Weise, die Spaß macht.
In Anathem hat sich Stephenson eine Parallelwelt namens Arbre ausgedacht, in der Wissenschaftler und Gelehrte in Konventen zusammenleben. Die Trennung der Intellektuellen vom Rest der Gesellschaft dient dem Schutz beider: die Intellektuellen werden vor der Hexenjagd derjenigen geschützt, denen Wissenschaft und Erkenntnisfortschritt unheimlich ist, und die Gesellschaft wird ihrerseits vor einer Diktatur der Vernunft beschützt.
Die Regeln und Gemeinschaften der Konvente sind mönchsähnlich gezeichnet. (Man braucht eine Weile, sich in die vielen Vokabeln einzulesen, die so ein mönchischer Tagesablauf mit sich bringt.) Die Konvente bestehen aus Gruppen unterschiedlicher Exklusivität, wobei Exklusivität hier auch bedeutet: unterschiedlich großen Kontakts mit der übrigen Gesellschaft. Der Ich-Erzähler gehört zur Gruppe der "Zehner", d.h. er darf alle zehn Jahre mal für zehn Tage sehen, was draußen passiert. Es gibt auch "Hunderter" und "Tausender". Die Organisation und die Auswirkung von derlei Abgeschiedenheit ist eine der interessanten Spekulationen von Stephensons Buch.
Der Roman setzt natürlich an einem Punkt ein, wo das beschauliche Nebeneinanderherleben seit fast 1000 Jahren zu einem Wendepunkt kommt, der Ich-Erzähler ist dabei mittendrin. Wie Stephenson langsam seinen Plot entfaltet und dabei vom Thema 'Rätselhaftes Geschehen in der Abtei' hin zu 'Weltumspannende Science Fiction' wechselt, scheint mir gut gelungen. Manchem, der das Nachdenkliche mag, könnte am Schluss etwas viel Action im Buch sein: dem sei nur gesagt, dass Stephenson immer schon den Gelehrtenroman mit der Räuberpistole mischte (man denke nur an den Jack Shaftoe-Handlungsstrang der Barock-Trilogie), so auch hier. (Aber den reinen Actionliebhabern dürfte es viel zu lange dauern, bis das Buch Spannung aufgebaut hat!)
Fazit also: Stephenson hat es vermocht, sowohl ein wirklich neues Buch zu schreiben (statt den Liebhabern der Barock-Trilogie mehr vom Gleichen zu geben), als auch seine außerordentlichen Qualitäten (sprachliche Souveränität, Ideenreichtum) zu bewahren. Bin begeistert!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Epic thought experiment, 14. November 2008
Another massive book by Neal Stephenson, who (fortunately) doesn't constrain any of his convoluted thoughts and doesn't hesitate to elaborate on highbrow details. Meta-physics meets quantum physics meets philosophy of mind meets linguistics meets religion vs. science meets... you name it. It's all in there, and most of the time you have the feeling that it actually makes sense.
Stephenson manages to create a critical para-world, so similar to ours in many ways but yet so different, which at first it seems like a very elaborate but entertaining (terrene) society bashing. The genius though, lies in the application of Platonic idealism such that the reason why this para-world reflects so many similarities becomes clearer as the book progresses but never loses the ability to mirror defects in our world.
That aside, the book offers much entertainment and an epic narrative which keeps you going through all of the book, hardly ever making you tire of it. Unfortunately, unlike in the beginning, the closer the book moves towards the grand finale, the less attention is paid to detail and entertaining musings. One might argue that the book is long enough as it is, but those extra pages wouldn't have made much of a difference given the 900-something it already sports.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Kreuzung aus Philosophiebuch und Roman, 13. Januar 2010
Das Buch hinterlässt einen extrem zwiespältigen Eindruch bei mir. Zu Anfang war ich absolut begeistert von dem Ideenreichtum den Stephenson hier an den Tag legt. Die hermetisch abgeschlossene Welt der Klöster im Gegensatz zur Ausswenwelt ist ein Konzept, dass ich extrem spannend finde. Der Autor hat es sehr gut geschafft, dieses Klosterleben mit vielen interessaten Details und Ideen zu füllen, was diesem Teil der Geschichte sehr viel Tiefe bringt.
Leider hört dieser Ideenreichtum auf der anderen Seite der Klostermauern auf. Nach einiger Zeit wird dem Leser klar, dass Arbre sich fast gar nicht von unserer aktuellen Welt unterscheidet, von einigen weniger Punkten technologischer Überlegenheit einmal abgesehen. Hier kolpotiert der Autor oft Dinge aus dem täglichen Leben, sei es die Sucht nach dem Mobiltelefon, oder die manchmal bizarr anmutende Jugendkultur. Diese Dinge werden aber nicht interessanter dadurch, dass sie etwas anders benannt und verpackt werden!
Viel störender fand ich allerdings, dass sich der Autor in immer neuen Gedankenexperimenten, philosophischen Debatten und ähnlichem ergeht und dabei die Story einfach nicht voran kommt. Ich gebe ehrlich zu, dass die letzten ca. 150 Seiten des Buches seit Wochen ungelesen vor mir liegen. Ich kann mich einfach nicht dazu aufraffen!! Die Story bewegt sich mit einer Geschwindigkeit einer Wanderdüne und das nervt mich einfach unglaublich! Nicht das erste mal verliert sich ein Autor in den Details seiner Weltschöpfung und vergisst das wesentliche eines Buches: Es soll eine Geschichte erzählen!
Wäre das Buch nicht gerade zu Anfang so spannend und ideenreich, es hätte maximal für 2 Sterne gereicht!
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