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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr zeitgenössisch - es swingt, 16. September 2009
Nick Hornby kann sehr gut über die Beziehungen von Menschen um das 40. Lebensjahr schreiben. Es ist eine Generation, die mit der Popkultur aufgewachsen ist und die einem Rockstar wie Tucker Crowe (ein fiktiver Singer-Songwriter der 1980er in der Art von Bruce Springsteen) auch nach dessen Rückzug noch großes Charisma zuschreibt. So geht es einem langjährigen Akademikerpaar, das es im Leben nicht gar so weit gebracht hat. Duncan, ein verhuschter Dozent an der Uni, ist "Crowologe" mit einer Website, die Crowe gewidmet ist, ein Fan. Und Annie, die gerade eine Ausstellung in einem Provinzmuseum organisiert, mag dessen Musik. Und Tucker Crowe selbst ist ein Slacker, der seit zwanzig Jahren keinen Finger mehr gerührt hat. Immerhin kümmert er sich als eine Art Hausfrau um das jüngste seiner Kinder, die er als Rockstar allen möglichen Frauen beschert hat. Frauen, die mit ihm mittlerweile eigentlich am Liebsten gar nichts mehr zu tun haben wollten. Kinder, die es eigentlich auch schon leid sind, um das goldene Kalb des chronisch unzuverlässigen Künstlervaters zu tanzen.
Das Buch bezieht seinen Reiz aus der Dreiecksgeschichte zwischen Menschen, die in ihrem Leben an einen toten Punkt gekommen sind und sich durch gegenseitige Reibung davon befreien. Es steckt voller komischer Szenen, besticht aber vor allem durch den sorgsamen Umgang des Autors mit seinen Figuren, die er nie bloßstellt, selbst wenn sie das selbst mitunter tun. Es ist ein ungewöhnlich optimistisches Buch für Hornby und hat für den Leser einen hohen Suchtfaktor.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Besser geht das nicht., 18. Oktober 2009
Hornbys Sympathie für seine Figuren ist einfach unerreicht. Obwohl Tucker und Duncan (Zwei, die einander bedingen) schlecht wegkommen, schließt man sie doch sehr ins Herz. Real-Banales und Absurdes sind in gewohnt genialer Weise zu einer Geschichte vermengt, in der ich mich mehr als einmal wiedergefunden habe (obwohl schon lange kein -ologist mehr).
Ich liebe Jacksons Dialogbeiträge! Und ich finde, das Ende lässt uns keineswegs allein, es überlässt nur uns die Frage, wodurch Tucker nun glücklich geworden ist, und es beantwortet nebenbei vielleicht, warum es so viele schlechte Comebackplatten gibt.
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10 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Direkt aus dem Leben gegriffen, 11. September 2009
Nick Hornby hebt sich mit seinen Büchern stark von den vielen Romanen ab, mit denen unser Markt überschwemmt wird. Einzigartig sind seine fein herausgearbeiteten, nuancierten Charaktere und seine Sprache, die ,auf künstlerisch hohem Niveau, doch nie abgehoben sondern wie direkt aus der Umwelt gegriffen, wirkt.
In seinem neuesten Roman "Juliet, Naked" kehrt Hornby zu uns teilweise bekannten Wurzeln zurück - seiner Liebe zu Musik und deren Einfluss auf die Menschen, wie sie ja auch in "High Fidelity" eine große Rolle spielte.
Mit Hornby sind nun auch seine Charaktere allesamt älter geworden. Und diese Personen passen so überzeugend in unsere desillusionierte Gesellschaft von heute: der vergessene Musiker, der realisiert, dass er sich sein Leben verbaut hat, der besessene Musikfan, der seine Zeit und sein Leben eben diesem Musiker widmet und die Frau, die das Gefühl hat, die letzten fünfzehn Jahre ihres Lebens verpasst zu haben. Allesamt bedauerliche Menschen mit denen wir uns aber sehr gut identifizieren, oder die wir wenigstens verstehen, können - Menschen, wie Hornby sie in jedem seiner Bücher beschreibt.
Dem fiktiven Tucker Crowe, der zentralen Figur, hat er eine komplett überzeugende Hintergrundgeschichte gegeben - ich habe zu Beginn sogar gegoogelt, ob es diese Person tatsächlich gegeben hat. Neben erfundenen Wikipediaeinträgen mit Werkauflistung und erdachter Internetplattform ist vor allem Crowes privater Hintergrund, der im Laufe des Buches immer weiter aufgedeckt wird, komplett überzeugend. Und auch die Handlung, die zu Beginn noch etwas vor sich hinplätschert, steckt voller überraschender Wendungen und hat ein unvorhersehbares Finale.
Leider ist es das Finale, das mit etwas enttäuscht hat:
**SPOILER**
Am Ende wird klar, dass Tucker trotz Herzinfarkt nichts gelernt hat aus seinem Leben; Annie,
desillusioniert, beschließt ihm, ohne sein Wissen in die USA zu folgen. Außerdem ist unklar, ob sie nicht sogar ein Kind von ihm erwartet. Sie wäre also nichts mehr als die nächste Kurzbeziehung mit unehelichem Kind.
***
Das Ende ist komplett offen, die Personen haben sich nicht weiterentwickelt und ich hatte schlussendlich das Gefühl einer gewissen Sinnlosigkeit: warum überhaupt ein solches Buch lesen, wenn es nicht ermutigt, und nicht wenigstens einen kleinen Hoffnungschimmer am Horizont lässt, dass sich etwas geändert hat (wie z.B. in "About a Boy").
Also, für alle Nick Hornby Fans ein Muss. Wer seine Werke wie "About a Boy", "High Fidelity" und vielleicht vor allem "A Long Way Down" mochte, wird sicher auch von "Juliet, Naked" nicht (oder kaum) enttäuscht. Auch sonst würde ich es jedem empfehlen, der gerne moderne britische Literatur liest und sich nicht so leicht von depressiven Charakteren und einer (vielleicht of zu) realistischen, nicht romantisierten Story abschrecken lässt.
Gute 4 Sterne
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