Die Inhalte dieses Buches sind nicht leicht zu lesen, sie bedürfen hoher Aufmerksamkeit und der notwendigen Ruhe & Zeit. Wenn man das einrichten kann, bietet es reichliche Schätze des Erkennens. Wo liegen die Verbindungen zwischen dem irdisch festen Körper und der Transzendenz zu einem geistig höheren Wesen, das dem Tod einfach in die Augen blicken kann? Wenn Sie danach suchen und jene Perspektiven schätzen, die uns die inneren Augen öffnen können, wenn Sie bis zum letzten Moment reifen und zunehmen wollen, auch wenn außen alles abnimmt, dann ist dieses Buch erste Wahl.
Auf Seite 261 (Altwerden) steht: "Wo das Herz sich löst von allem, an dem es hängt, beginnt eine Fülle und Kraft sich bemerkbar zu machen, die nicht von dieser Welt ist." Besser kann man die Ergebnisse des inneren Friedens nicht beschreiben, der einen bei vielen Passagen dieses Buches berührt und den Satz ahnen lässt, dass jeder so stirbt, wie er gelebt hat. Das Zerglühen des Ichs wird der Held und Nr. 1-Süchtige besonders dramatisch erleben und vom Licht jenseits des Egos ebenso geblendet wie er zu Lebzeiten seine Mitmenschen geblendet hat. Er erkennt nichts außer einem verschwindend kleinen Ego. Seine panische Angst vor Krankheiten verhält sich umgekehrt proportional zu seinem Mitgefühl und alles, was ihn zum Ja bewegen könnte ergeifert sich zum kritischen Nein alles Lebendigen.
"Das Aufglühen des Unendlichen setzt das Ausglühen im Endlichen voraus, immer wieder...Immer wieder fällt der Mensch aus der Höhe des Ganz-Anderen, darin er sich einen Augenblick fand, in die Lebensform seinen natürlichen Ichs zurück oder taucht aus der Tiefe des Geheimen an die Oberfläche des Gewohnten auf." (S. 125-126) Je mehr Fassaden dabei zu Bruch gehen, je mehr friedliche Koexistenzen mit sich und anderen folgen, je mehr Mit-Gefühl möglich ist, umso reicher wird der eigene Weg, ohne allzu große Forderungen an das Schicksal. Erst so werden jene Wirkmöglichkeiten in den Weg treten, die uns ermöglichen, befreit und glücklich jeden Tag zu sterben, um widerstandslos glücklich sein zu können. Bei jedem Atemzug.
Über die 5 Sinne hinauszugehen bezeichnet die Transzendenz, das Spirituelle oder das Religiöse, ganz nach individuellem Terminus. Erst dort wird das eigene Wesen ganzheitlich erfahrbar und eine aufschwingende Harmonie zwischen Ratio und Gefühl möglich. Dazu muss man das mittleralterliche Sündenbewusstsein hinter sich lassen. Dann wird die Reise in diesem Buch möglich, eine selbst-bewusste Hinwendung zum Erfassen transzendenter Menschlichkeit, in der alles mit allem verknüpt ist und sich selbst sinngebend konstituiert. "Mit dieser Wendung beginnt dann die Neue Zeit." (S 23)
Das Buch erinnert mich in vielen Passagen an Eine neue Erde: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung, es lässt abseits von religiösem Hokuspokus zu, dass wir zutiefst eigenbestimmt sind. "Die Welt treibt uns, ohne je Ruhe zu geben, zur Leistung und hält uns in Atem, auf dass wir zu etwas Feststehendem kommen, eine Stellung gewinnen und sie halten. Das Wesen verlangt von uns, dass wir, ihm zugewandt, nirgendwo haften, auf dass wir uns nicht im Feststellen und Stehenbleiben verfehlen. Die Welt hält uns zum Reden und unablässigen Wirken an. Das Wesen verlangt, dass wir stille werden und selbst das Tun tun, ohne zu tun...Das Reifen aus dem Wesen geht über Unsicherheit und den Schmerz hinweg, wächst aus dem Leiden und bringt seine Frucht erst im Sterben." (S 26)