Kurzbeschreibung
Umso mehr freut sie sich, ihre scharfzüngige Großmutter Katharine (SHIRLEY MacLAINE) wiederzusehen. Katharine hat nämlich angedeutet, dass Sarah nicht die erste ist, die aus dem Familienkreis ausbrechen wollte: Vor 30 Jahren, nur wenige Tage vor der Hochzeit mit Sarahs Vater, ist ihre inzwischen verstorbene Mutter mit einem geheimnisvollen jungen Mann ausgerissen. Das hat damals in Pasadena für einen handfesten Skandal gesorgt, denn dieser Mann war zuvor von Katharine verführt worden. Aus dieser Affäre entstand ein Buch, und das Buch wurde verfilmt. Als Sarah auf der Hochzeitsfeier erstmals Einzelheiten erfährt, besorgt sie sich eine Videocassette des Films ""Die Reifeprüfung"", denn die Parallelen sind verblüffend: Katharine als die ältere Frau und Sarahs Mutter als die wahre Liebe des Jungen. Also fragt Sarah sich: Wer war der junge Mann? Ist er vielleicht sogar ihr Vater?
Nach der Hochzeitsfeier macht sie einen Umweg über San Francisco, um den geheimnisvollen Liebhaber aufzusuchen: Beau Burroughs (KEVIN COSTNER) er hat inzwischen mit dem Internet Milliarden verdient. Wie ihre Mutter und ihre Großmutter erliegt auch Sarah Beaus Charme, denn die seltsame Begegnung mit diesem Mann scheint ihr all die prickelnden Abenteuer zu bieten, nach denen sie sich gesehnt hat, doch ausgerechnet durch ihn wird sie in jene Gemeinschaft zurückkatapultiert, die sie zwar bestens kennt, aber überhaupt nicht begreift ihre eigene Familie.
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Blickpunkt: Film
Mehr als nur Gerüchte besagen, dass das ursprüngliche Drehbuch auf Betreiben der Hauptdarsteller noch während der Dreharbeiten über den Haufen geschmissen und komplett umgekrempelt wurde. Das würde sicherlich erklären, warum 'Wo die Liebe hinfällt' ein wenig verzweifelt von Szenen mit TV-Sitcom-Situationen über hektisch-deftiges Boulevard-Theater hin zu sehr ernsten dramatischen Momenten oszilliert, ohne ein echtes Zentrum zu finden und seiner redlich bemühten Hauptdarstellerin Jennifer Aniston jemals eine faire Chance zu geben, ihr Leinwandpotenzial auszuspielen und ihre Paradefigur Rachel aus 'Friends' vergessen zu lassen. Angesichts der Filmographie von Rob Reiner, der mit 'Harry und Sally' die moderne romantische Komödie patentierte und das Genre seither mit 'Hallo, Mr. President', 'An Deiner Seite' und 'Alex und Emma' mit zunehmend geringerem Erfolg immer wieder aufs Neue beackerte, ist es verwunderlich, dass gerade die emotional aufreibenden Momente des dritten Akts am meisten überzeugen. Gerade die finale Aussprache zwischen Aniston und ihrem gehörnten Verlobten (ein unterbeschäftigter Mark Ruffalo, der aber immerhin prima ernst gucken kann) hat eine wahrhaftige Strahlkraft (und charmante Auflösung), dass man regelrecht mit den irritierend unausgewogenen Geschehnissen, die zu diesem kathartischen Moment führen, ausgesöhnt wird.
Gleich in den ersten Momenten des Films werden seine größten Probleme evident. In einem etwas komplizierten Off-Kommentar wird die komplette Vorgeschichte erzählt, die womöglich eher der Inhalt des Films sein sollte: Die Affäre eines jungen Mannes in Pasadena mit einer älteren Frau und unmittelbar darauf ihrer Tochter, die Tage später einen Anderen heiratet, wäre nicht weiter der Rede wert, so erfährt man, wenn sie nicht Grundlage für den Roman 'Die Reifeprüfung' und die spätere Verfilmung von Mike Nichols gewesen wäre. Damit schlüpft Rob Reiner nicht nur in Schuhe, die sein Film zu keinem Moment ausfüllt, denn an die Innovation, Treffsicherheit und Tiefe des Klassikers von 1967 reicht 'Wo die Liebe hinfällt' zu keinem Moment heran. Die Prämisse spielt auch keine weitere Rolle mehr in der Handlung, nachdem Aniston als Sarah Huttinger bei der Wiederheimkehr zu ihrer Familie anlässlich der Heirat ihrer Schwester erfährt, dass eben ihre Großmutter (die in diesem Jahr unvermeidliche Shirley MacLaine mit ein paar erfrischend frechen Auftritten als Mrs. Robinson) und ihre vor Jahren verstorbene Mutter die Damen sind, um die es sich dreht. Vollkommen aus der Bahn geworfen, wird die als Nachrufschreiberin in New York arbeitende Thirtysomething, als sie herausfindet, dass sie offenkundig vor der Hochzeit ihrer Eltern gezeugt wurde und deshalb Produkt der Liaison ihrer Mutter war. Sie lässt Familie und den bemitleidenswerten Verlobten zurück, um den Mann aufzufinden, der die Frauen ihrer Familie vor drei Jahrzehnten beglückte und sich als der von einem sichtlich belustigten Kevin Costner gespielten Südstaaten-Mogul Beau entpuppt. Warum genau auch Aniston sich von ihm nicht nur verführen, sondern auch noch in Versuchung bringen lässt, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, bleibt das Geheimnis des Drehbuchs, aber immerhin bietet es Kameramann Peter Deming die Möglichkeit, ein paar hübsche Vistas von Half Moon Bay, San Francisco und Napa Valley einzufangen.
'Wo die Liebe hinfällt' - der deutsche Titel lässt erahnen, dass Warner den Film als eine Art Nachfolger des deutlich besseren 'Was das Herz begehrt' platziert - lässt zuviel offen, seine Figuren zu sehr in der Schwebe und zu viele gute Chancen verstreichen, um wirklich zu funktionieren. Wie der ebenfalls nicht perfekte 'Verliebt in eine Hexe' gibt er sich aber immerhin redliche Mühe, nach dem Prinzip einer klassischen Komödie ein Gegengewicht zu den gängigen albernen Slapstick-Arien zu bieten. Und das könnte - nicht zuletzt angesichts der ausgezeichneten Besetzung - durchaus dazu führen, dass der Film da funktioniert, wo es wichtig ist: an der Kinokasse. deg.