Heinrich Steinfest schreibt keine Krimis im klassischen Sinne, denn sein Ausdrucksvermögen und Humor, die Sprachstilistik, philosophischen Exkurse und der satirische Blick auf die Welt gehen weit über die Anforderungen hinaus, die ein Leser an eine Kriminalgeschichte stellt. Gab es in „Nervöse Fische" noch eine stringente Krimihandlung, so rückt in diesem Roman die eigentliche kriminalistische Handlung in den Hintergrund, auch den üblichen Spannungsaufbau sucht man vergeblich. Anhand der Personen in diesem Roman mag man schon erkennen, in welchen absurden Kosmos Steinfest den Leser mitnimmt: der einarmige Detektiv Cheng, ein chinesische Österreicher mit seinem Hund Lauscher, der es vorzieht, angetan mit einer Windel vor dem Ofen zu träumen, statt Gassi zu gehen, die liebevolle Mutter Anna Gemini mit ihrem behinderten skateboardfahrenden Sohn Carl, die ihr Geld mit Auftragsmorden verdient, der zeitgenössische Komponist Janota, der auf der Suche nach Zeitlöchern ist und ein Mordopfer, das mit einer Überdosis 4711 vergiftet wurde. All diese Figuren werden zusammen mit vielen weiteren in eine Geschichte versponnen, die nicht nur nebenbei viel Platz hat für Gedankenausflüge sei es über den Zusammenhang der Sonnenfinsternis mit der Stadt Wien oder die Philosophie der Kartäusermönche. Dies alles ist wunderbar, präzise und mit diesem besonderen, eleganten, nie kalauernden Wiener Witz geschrieben, literarisch anspruchsvoll und dennoch höchstvergnüglich zu lesen. Die Romane dieses Ausnahmeautors sind so außergewöhnlich wie einzigartig. Meine Verehrung!